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Aus einem TotenhausNew Production

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NationaltheaterMunich, Bavaria, Germany
On Monday 30 July 2018 at 19:00
Programme
Janáček, Leoš (1854-1928)From the House of the Dead (in tschechischer Sprache)
Performers
Bavarian State Opera
Simone YoungConductor
Frank CastorfDirector
Aleksandar DenićSet Designer
Adriana Braga PeretzkiCostume Designer
Evgeniya SotnikovaSopranoAljeja
Manuel GüntherTenorBig prisoner
Aleš BrisceinTenorLuka Kuzmič (Filka Morozov)
Kevin ConnersTenorShapkin
Charles WorkmanTenorSkuratov
Christian RiegerBassPrison governor
Bo SkovhusBaritoneŠiškov
Tim KuypersBassSmall prisoner
Peter MikulásBassGorjančikov
Heike GrötzingerMezzo-sopranoProstitute
Dean PowerTenorČerevin, Voice
Ulrich ReßTenorElderly prisoner
Matthew GrillsTenorKedril
Peter LobertBassPriest
Alexander MilevBassBlacksmith
Johannes KammlerBaritoneČekunov
Callum ThorpeBass-baritonePrisoner as Don Juan and Brahmin
Rainer CasperLighting Designer
Andreas DeinertVideo Artist
Jens CrullVideo Artist
Sören EckhoffChoirmaster / chorus director
Miron HakenbeckDramaturgy
Bayerisches Staatsorchester
Chor der Bayerischen Staatsoper

Kein Ort scheint weiter entfernt von einem der Kunst gewidmeten Raum wie dem Opernhaus als die Szenerie in Leoš Janáčeks letzter Oper: ein sibirisches Zwangsarbeitslager mit seinen Insassen; Diebe, Totschläger, Mörder und politische Gefangene sowie ihre Bewacher, die ihre Macht bei jeder Gelegenheit auskosten. Zudem: Erniedrigung, Gewalt und Kalkül
im täglichen Kampf um den eigenen Vorteil.

Das Lager wirkt wie die Antithese und ist zugleich der blinde Fleck jeder sich zivilisiert wähnenden Gemeinschaft. Doch mitten hinein in diese Lagerwelt setzt Janáček einen Moment des Spiels: Am Feiertag spielen die Gefangenen füreinander und vor ihren Wächtern Theater. Ihre Vorstellung bietet seltene Ablenkung, eine Dosis Hoffnung in der täglichen Misere, ist Travestie der Verhältnisse und in seiner Derbheit Ventil erotischer Bedürfnisse. Und dabei doch vor allem Ausdruck dessen, wonach sich alle sehnen: dem Gefühl von Menschenwürde und Achtung vor der eigenen Existenz. Innerhalb der Gefangenschaft ist dieses Spiel die vielleicht größtmögliche Erfahrung jener Freiheit, die die Häftlinge mit ihren „Svoboda“-Rufen am Ende der Oper besingen.

Fjodor Dostojewski, der als Anhänger antizaristischer Kreise selbst vier Jahre lang in Sibirien Zwangsarbeit ableisten musste, lieferte mit seinen Aufzeichnungen aus einem Totenhaus eine detaillierte Reportage über das soziale System des Straflagers und zugleich eine Studie über die Psychologie der Sträflinge. Janáček schuf nach Dostojewskis Roman 1928, wenige Jahre bevor eine ganze Maschinerie von Lagern die europäische Zivilisation Lügen strafte, ein singuläres Werk des Musiktheaters: eine Oper ohne Helden. Auch ohne eine auf Konflikte und Lösung setzende Handlung. Vor dem Hintergrund des immergleichen Lageralltags lässt er schlaglichtartig einzelne Sträflinge für einen Augenblick aus der Menge hervortreten. Sie erzählen zwischen Stolz, Bitterkeit und Reue von ihren Verbrechen, von durchkreuzten Lebensplänen, von gescheiterter Liebe – und zeugen so von der unverwechselbaren Identität jedes Einzelnen.

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