„Besuch von Brahms. Ein Genie,“ schrieb Robert Schumann im Tagebuch, das er mit seiner Frau Clara teilte. Dieser Ausbruch von Enthusiasmus machte starken Eindruck auf Brahms: diese Zeile warf in nicht nur umgehend in die Romantik – das Erbe des sterbenden Schumann – sondern blieb ihm Zeit seines Lebens im Gedächtnis, gab seinem Werk Anerkennung, als er sich um Schumanns Witwe und Kinder kümmerte... Aufgewachsen aus musikalischer Sicht ist er jedoch in Wiener Kabaretts, wo er seinen Vater, der Violine spielte, am Klavier begleitete. Sein Talent führte ihn schließlich zu einem Treffen mit Liszt und später Schumann. Schon bald galt er als wichtigster Botschafter der deutschen Musik und mischte einen populärmusikalischen Hintergrund mit klassisch-harmonischer Tradition in den eingängigsten Melodien, die im 19. Jahrhundert geschrieben wurden. Pathetisch, fieberhaft, sinnlich... Brahms' Musik scheint das Innerste menschlicher Emotionen zu erkunden und zu enthüllen. Das mag der Grund dafür sein, dass sie noch heute alle Herzen anspricht. Stöbern Sie ein wenig in dieser Playlist: Singen Sie mit, bekommen Sie Gänsehaut – sie wird Sie nicht kalt lassen!


Ungarischer Tanz Nr. 1 in g-Moll

Zu Anfang einer der berühmtesten Ungarischen Tänze, der Erste, gespielt von den Göteborger Symphonikern unter Gustavo Dudamel. Durch und durch Tzigane ist dieser Tanz kein Beispiel von Nationalismus von Seiten Brahms': Der Komponist übernahm den dynamischen Rhythmus und die expressiven Melodien der ungarischen Volksmusik einzig wegen ihres musikalischen Potentials. Der Erfolg der Tänze, beginnend bei der Premiere in Wiener Kabaretts mit Klavier zu vier Händen, hat nie nachgelassen.

 


Symphonie Nr. 4 in e-Moll, Op.98

Jedes Orchester hat großen Respekt für Brahms' Symphonien: Sie schmeicheln jedem Register des Orchesters, und jede einzelne der vier Symphonien sind Musterbeispiele ihrer Gattung. Im Versuch, sie alle zum Ausdruck zu bringen, haben wir den letzten Satz der Vierten gewählt, eine ausgedehnte Variation des Passagaclia-Themas, gespielt von den Berliner Philharmonikern unter Herbert von Karajan.


Trio für Violine, Horn und Klavier in Es-Dur

Im Trio Op.40 versammelte Brahms drei Instrumente, die er selbst in seiner Jugend gespielt hatte: die Violine, das Horn und das Klavier. Inspiriert von Waldlandschaften erinnert es umso mehr an seine frühen Jahre, denn seine Mutter starb, als er es schrieb. Das große innere Leid des dritten Satzes, einem Trauermarsch gleich (ab Minute 15:05 in dieser Aufnahme) ist herzzerreißend. Hier wird es von Isabelle Faust, Teunis van der Zwart und Alexander Melnikov auf historischen Instrumenten gespielt.


Von ewiger Liebe, Op.43 Nr.1

Brahms entschied sich bewusst gegen die Komposition einer Oper – der immerwährende Traum deutscher Komponisten – und befürwortete „reine Musik“ anstelle von programmatischer. Die Zahl seiner Vokalkompositionen jedoch ist groß und umfasst über 200 Lieder. Für dieses musikalische Beispiel haben wir Clémence Faber, eine unserer französischen Rezensentinnen, die am Royal Conservatoire of Scotland Gesang studiert, gebeten, uns ihr Lieblingslied zu nennen.

Was ich an Von ewiger Liebe mag ist die Art, jedem Charakter eine musikalische Identität zu geben – ganz wie Schubert es macht. Es sind auch Anklänge an den Erlkönig darin. Der Erzähler beginnt sotto voce, als wolle er eine Geschichte erzählen. Dann befinden wir uns mitten im Sturm und Drang und einer Stimmung geprägt von der „Theorie der Leidenschaften“. Bis ich es so singen kann wie Edda Moser heißt erst einmal eins: Geduld!“


Streichsextett Nr. 1 in B-Dur

Brahms wusste nicht, dass ihm auch im Kino alle Karrieremöglichkeiten offenstehen würden. Das atemberaubende Andante aus seinem Streichsextett Nr. 1 in B-Dur, Op.18 gehört zum Soundtrack von Louis Malles Film Les Amants (1957), einer leidenschaftlichen Liebesgeschichte mit Jeanne Moreau.


Symphonie Nr. 3 in F-Dur, Op.90 - Poco allegretto

Georges Auric komponierte einen Teil seiner Filmmusik zu Anatole Litvaks Goodbye Again (1961) auf der Basis von Brahms' Dritter Symphonie. Paula (Ingrid Bergman) wird von Simon (Anthony Perkins) zu einem Brahms-Konzert eingeladen, bei dem sie sich auf die Annäherungsversuche des jungen Mannes trotz ihrer Beziehung zu Roger (Yves Montand) einlässt. Aimez-vous Brahms?, der Titel von Françoise Sagans Roman, auf dem der Film basiert, macht Brahms zum Komponisten der... Liebe.

    


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