Oh wie gerne erinnern wir uns an unsere Jugend zurück! Doch unsere nostalgische rosarote Brille verführt uns manchmal dazu, zu vergessen, wie frustrierend es sein kann, jung zu sein.

Viele junge Musiker erleben diese Frustration, mit langen Stunden des Übens, die schier unendlich und fruchtlos erscheinen. Aber da kommen Wettbewerbe ins Spiel, als konkretes Ziel für junge Musiker. Natürlich führt ein erster Preis nicht zwangsläufig zu fünfzig Konzerten im Jahr, aber eigentlich ist das eine gute Sache, da man so ein frühes Burnout verhindern und eine langjährige Karriere gewährleisten kann.

Die World Federation of International Music Competitions, die einige der bekanntesten Wettbewerbe weltweit als Mitglieder zählt, listet beinahe 70 Veranstaltungen von insgesamt 122, die der Suche nach jungen Talenten gewidmet ist; an Orten auf der ganzen Welt, von Japan bis Montreal. Für manche Preisträger waren Wettbewerbe nur ein weiterer Teil ihres musikalischen Alltags als Musiker. Für andere war es eine so wichtige Zeit, dass sie sich dazu entschlossen, an den Ort zurückzukehren, wo ihre Karriere begann. Manche haben sogar neue Wettbewerbe zu deren Ehren gegründet, um in eine neue Generation des Musizierens zu investieren.

Werfen wir einen Blick auf einige inspirierende Künstler, deren Talent schon in jungen Jahren entdeckt wurde. Wie halfen ihnen Wettbewerbe, vom Bachground ins Rampenlicht zu treten? Und können Sie sie erkennen?

Radu Lupu bei Cliburn International Competition 1966 (links) und in einem neueren Foto © The Cliburn // Prague Spring Zdenek Chrapek
Radu Lupu bei Cliburn International Competition 1966 (links) und in einem neueren Foto
© The Cliburn // Prague Spring Zdenek Chrapek

Die Cliburn International Junior Piano Competition wurde zum Andenken an den amerikanischen Pianisten Van Cliburn gegründet, der den ersten Internationalen Tschaikowsky-Klavierwettbewerb während des Höhepunkts des Kalten Krieges gewann. Der rumänische Pianist Radu Lupu gewann den Cliburn neben zwei weiteren prestigeträchtigen Klavierwettbewerben: George Enescu International Piano Competition und Leeds International Pianoforte Competition.

Tasmin Little und Yehudi Menuhin (links) Ray Chen und Zamira Menuhin Benthall © Menuhin Competition // Brian Tarr
Tasmin Little und Yehudi Menuhin (links) Ray Chen und Zamira Menuhin Benthall
© Menuhin Competition // Brian Tarr

Der künstlerische Leiter der Menuhin Competition, Gordon Back, erzählte uns: „Wir sind stolz, dass wir Menuhins Ethos, junge Talente zu entdecken und zu fördern, weiterführen, ihnen ein Umfeld zu bieten, in dem sie durch die vielen angebotenen Veranstaltungen musikalisch wachsen können, voneinander lernen und Freunde fürs Leben finden.” Laut Menuhin ist „das Treffen von jungen Talenten eine Mischung aus Ansporn, Aufregung und Lohn”

Violinisten Tasmin Little und Ray Chen sind nur zwei Talente, für die der Menuhin Wettbewerb ausschlaggebend für ihre Karriere war.

Neuere Fotos von Tasmin Little (links) und Ray Chen © David Crooke // John Mac
Neuere Fotos von Tasmin Little (links) und Ray Chen
© David Crooke // John Mac

Ray Chen hatte bereits an einigen Wettbewerben teilgenommen bevor 2008 sein Talent bei der Menuhin Competition erkannt wurde, gefolgt von der Queen Elizabeth Competition 2009. Bei einem von Bachtrack organisierten AMA (Ask Me Anything) auf Reddit war Chens Rat an die Teilnehmer, „dass es nicht ums Gewinnen per se geht, sondern darum, Erfahrungen zu sammeln, vor einem Publikum zu spielen, möglicherweise das erste Mal mit einem Orchester, und von anderen jungen talentierten Musikern im gleichen Alter umgeben zu sein.” Ray Chen ist der jungen Social Media-Generation als inspirierender Violinist bekannt, der in seinen YouTube Meisterklassen Humor und Musik verbindet.

 

Manche Künstler glauben, dass Wettbewerbe der ideale Ort sind, um Verbindungen für die Zukunft zu knüpfen. Aus diesem Grund beschloss Benjamin Schmid zur Leopold Mozart Competition zurückzukehren, nachdem er 1991 die zweite Auflage gewonnen hatte, „um der jungen Generation von Musikern diese Chance zu geben” wie er sagt. Zu ihm gesellt sich Lena Neudauer, die 1999 den zweiten Preis gewann, den Richard Strauss Preis für die beste Interpretation von Richard Strauss’ Violinkonzert, sowie den Publikumspreis. Schmid und Neudauer pflegen eine enge Beziehung mit der Leopold Mozart Competition, weil sie einen so großen Einfluss auf sie hatte.

Lena Neudauer bei der Leopold Mozart Competition (links) und in einem neueren Foto © Leopold Mozart Competition // Annemone Taake
Lena Neudauer bei der Leopold Mozart Competition (links) und in einem neueren Foto
© Leopold Mozart Competition // Annemone Taake

Auf dem oberen selbstsicheren Bild wirkt Neudauer vielleicht nicht nervös, aber sie meint: „Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich so nervös während des Wettbewerbs war, dass ich kaum etwas gegessen habe. Ich wollte wirklich mein Bestes geben, aber der Sieg kam trotzdem sehr unerwartet für mich. Ich war so überwältigt als ich die Ergebnisse des Finales hörte.”

Benjamin Schmid bei der Leopold Mozart Competition (links) und in einem neueren Foto © Leopold Mozart Competition // Wolfgang Lienbacher
Benjamin Schmid bei der Leopold Mozart Competition (links) und in einem neueren Foto
© Leopold Mozart Competition // Wolfgang Lienbacher

Benjamin Schmid sagte über den Wettbewerb 1991: „Es war eine Mischung aus den richtigen Dingen zum richtigen Zeitpunkt. Musikalisch stand ich das erste mal auf eigenen Beinen, da ich mein Studium gerade abgeschlossen hatte und Verantwortung über meine musikalischen Entscheidungen nahm. Ich habe das richtige Repertoire ausgesucht, ich hatte eine wunderbare Zusammenarbeit mit meiner damaligen Pianistin, der großartigen Ayami Ikeba. Yehudi Menuhin, Dirigent des Finales, kannte mich bereits von seinem eigenen Wettbewerb und von den Salzburger Festspielen, wo ich mein Debüt mit ihm gab und wundervolle Gasteltern hatte.”

Nikolaj Szeps-Znaider bei der Carl Nielsen Competition (links) und in einem neueren Foto © Benny Ahlmann-Jensen // Lars Gundersen
Nikolaj Szeps-Znaider bei der Carl Nielsen Competition (links) und in einem neueren Foto
© Benny Ahlmann-Jensen // Lars Gundersen

Nikolaj Szeps-Znaider ist ein weiterer weltberühmter Violinist und Dirigent, der sich dazu entschloss, zurückzukehren und in neue Talente zu investieren, und damit den gesamten Lebenszyklus eines Wettbewerbs beschließt, in diesem Fall der Carl Nielsen Wettbewerb. Er ist kein neues Gesicht in der Welt der Wettbewerbe: 1992 gewann er den Carl Nielsen, nachdem er im Jahr zuvor den Publikums- und fünften Preis bei der Menuhin Competition gewonnen hatte. Sein Urteil über Wettbewerbe? Er glaubt, dass sie dazu da sind, „um Talente zu finden und zu fördern; um eine Plattform zu bieten. Und auch weil es schwierig ist, Schüler zu sein und mit Eifer zu üben, es sei denn man hat ein Ziel, auf das man hinarbeitet”.

Jennifer Koh bei der Carl Nielsen Competition (links) und in einem neueren Foto © Benny Ahlmann-Jensen // Juergen Frank
Jennifer Koh bei der Carl Nielsen Competition (links) und in einem neueren Foto
© Benny Ahlmann-Jensen // Juergen Frank

Jennifer Koh erreichte beim Carl Nielsen Wettbewerb 1992, wie auch später bei der International Tchaikovsky Competition 1994, den zweiten Preis. Sie kam nur zufällig zur Geige, weil es beim Musikerziehungskonzept der Suzuki-Methode keine Plätze mehr für Klavier oder Cello gab. Sie gewann bereits in jungen Jahren etliche Wettbewerbe, startete ihre Karriere und schloss ganz nebenbei auch noch einen Bachelor in Englischer Literatur ab.

Sol Gabetta beim ARD Musikwettbewerb (links) und in einem neueren Foto © ARD Competition // Marco Borggreve
Sol Gabetta beim ARD Musikwettbewerb (links) und in einem neueren Foto
© ARD Competition // Marco Borggreve

Die Cellistin Sol Gabetta gewann ihren ersten Wettbewerb im Alter von zehn Jahren bevor sie am ARD Musikwettbewerb und dem Tschaikowsky Wettbewerb teilnahm. Sie glaubt, dass keine Aufführung eine Kopie einer vorherigen sein sollte, weshalb Wettbewerbe die individuelle Entwicklung und nicht nur die reine Perfektion vorantreiben sollten. Sie unterstützt Projekt, die Geld und Zeit investieren, um Kinder von klassischer Musik zu begeistern.

Dame Mitsuko Uchida beim ARD Musikwettbewerb (links) und in einem neueren Foto © ARD Competition // Decca | Justin Pumphrey
Dame Mitsuko Uchida beim ARD Musikwettbewerb (links) und in einem neueren Foto
© ARD Competition // Decca | Justin Pumphrey

Dame Mitsuko Uchida, wie ihr Titel schon verrät, kann sich mit einer preisgekrönten Klavierkarriere und zahlreichen Auszeichnungen rühmen bevor wir überhaupt zu den Preisen bei Wettbewerben kommen. 1966 gewann sie den dritten Preis beim ARD Musikwettbewerb, gefolgt von ersten Preisen bei der Beethoven, International Chopin und der Leeds Piano Competition in den darauffolgenden Jahren.

Was können junge Musiker also von diesen vollendeten Künstlern lernen? Wähle den Wettbewerb sorgfältig aus, lass dich nicht entmutigen und übe weiter!

 

Ins Deutsche übertragen von Elisabeth Schwarz