Für Musikbegeisterte gibt es nichts Schöneres als bedeutende Plätze ihrer Lieblingskünstler zu besuchen. Das gilt selbst bei schon lange verstorbenen Komponisten. An den Plätzen, wo sie gelebt, geatmet und gearbeitet haben, zu stehen, lässt sie umso realer erscheinen. Hier blicken wir auf zehn Stätten aus dem Leben Ludwig van Beethovens, die alle Musikbesessenen besucht haben sollten.

1Bonn

Wo alles begann. In dieser Stadt am Rhein wurde Beethoven im Dezember 1770 als Sohn von Johann van Beethoven und Maria Magdalena Keverich in einem kleinen Dachbodenzimmer in der Bonngasse geboren. Er war von Beginn an von Musik umgeben: sein Vater war Tenor am Hofe des Kurfürsten Maximilian Friedrich, und ein weiterer Hofmusikant, Johann Peter Salomon, lebte im gleichen Gebäude. Beethoven lebte in den ersten vier Jahren seines Leben im Gartenflügel des Hauses, allerdings zog die Familie bald um und der Komponist verbrachte den Großteil seiner Jugend in einem anderen Haus. Da diese Residenz jedoch zerstört wurde, wurde das Haus in der Bonngasse (nachdem es als Gasthaus, Musiksaal und Kaufmannshaus gedient hatte) zum berühmten Beethoven-Haus und Museum.

Beethoven-Haus Bonn © Beethoven-Haus Bonn
Beethoven-Haus Bonn
© Beethoven-Haus Bonn

 

2Prag

Obwohl er den Großteil seines Erwachsenenlebens in Wien verbrachte, führten musikalische Verpflichtungen Beethoven oft weiter weg. 1796 lebte er im Malá Strana Viertel in Prag, nahe der Burg. Während er im Goldenen Einhorn in Lázeňská (heute ein Wohnhaus mit dem Namen Palac Beethoven) wohnte, schrieb er mehrere Kammermusikwerke für die Gräfin Josephine de Clary, und ging zum Haus Zu den drei Geigen, um sein Instrument vom Geigenbauer Edlinger begutachten zu lassen. Obwohl das Haus heute ein Restaurant ist, zieren noch immer die drei kleinen Geigen die Fassade.

1798 kam Beethoven abermals für die Uraufführung seines Ersten Klavierkonzerts nach Prag, und das war keineswegs das letzte Mal, dass er in diese Gegend kam. Im Juli 1812 reiste er in den Kurort Teplice (etwa 90km nördlich von Prag), wo er sein literarisches Gegenstück der Deutschen Romantik, Johann Wolfgang von Goethe, traf.

Malá Strana © Prague City Tourism
Malá Strana
© Prague City Tourism

 

3Heiligenstadt

Beethoven reiste 1786 in der Hoffnung nach Wien, Mozart zu treffen, musste aber zurückreisen, da seine Mutter schwer erkrankt war. Sechs Jahre später kam er wieder und baute sein Leben in der Stadt und den umliegenden Gegenden auf. Eine dieser Gegenden war Heiligenstadt – damals eine unabhängige Weinstadt, heute ein Bezirk Wiens. 1802 war er auf Anraten seines Doktors in den Kurort gekommen, um seine Schwerhörigkeit zu mildern, und er schrieb hier sein berühmtes Testament. Es war jedoch nicht alles düster: Beethoven steckte einen Teil seiner Frustration ins Komponieren seiner Zweiten Symphonie, und der nahegelegene Kahlenberg und Leopoldsberg boten reichlich Gelegenheit, in der Natur zu meditieren. Die Sommerresidenz in der Probusgasse beheimatet heute ein kleines Museum, das dem Komponisten gewidmet ist.

Beethoven Museum in Heiligenstadt © Birgit and Peter Kainz
Beethoven Museum in Heiligenstadt
© Birgit and Peter Kainz

 

4Theater an der Wien

Man nimmt an, dass Beethoven in nicht weniger als 60 Häusern während seiner Zeit in Wien gelebt hat, und 1803 wurde ihm das wohl prachtvollste angeboten: eine Wohnung im Komplex des Theaters an der Wien. Der Theaterdirektor und Zauberflöten-Librettist, Emanuel Schikaneder, sicherte ihm die Unterkunft, und das Theater trug maßstäblich zu seinem musikalischen Schaffen bei: seine Dritte, Fünfte und Sechste Symphonie wurden hier uraufgeführt, so auch Fidelio und weitere Werke. Das Gebäude, in dem Beethoven lebte, existiert nicht mehr, aber Sie können im Theater an der Wien selbst Musikgeschichte erleben.

Theater an der Wien © Peter M. Mayr
Theater an der Wien
© Peter M. Mayr

 

5Mölker Bastei

1804 nahm sich Beethoven eine Wohnung in der Mölker Bastei nahe der Stadtmauer. Von dort aus konnte er bis an die Grenze der Stadt sehen, und er lebte hier mit Unterbrechungen über die nächsten acht Jahre, wo er an der Vierten, Fünften, Siebten und Achten Symphonie sowie Fidelio arbeitete. Das sich heute im Gebäude befindende Pasqualatihaus ist nach Beethovens Vermieter Johann von Pasqualati benannt. Dort können sich seine Anhänger vor dem Klavier verbeugen, an dem der Komponist einst an seiner Fünften Symphonie gearbeitet hat.

Pasqualatihaus © Hertha Hurnaus | Wien Museum
Pasqualatihaus
© Hertha Hurnaus | Wien Museum

 

6Palais Lobkowitz

In einem Moment republikanischer Leidenschaft widmete Beethoven seine Symphonie Nr. 3 „Eroica” Napoleon Bonaparte. Als er jedoch realisierte, dass dies die einheimische Aristokratie beleidigen und seine Komponistengage gefährden würde, nahm er dies zurück und widmete sie stattdessen seinem Förderer Franz Joseph Maximilian, Prinz Lobkowitz. Es war ein geschickter Schachzug, auch weil der barocke Festsaal im Palast des Prinzen später „Eroica-Saal” genannt wurde. Heute beheimatet der Palast das Wiener Theatermuseum, aber Sie können noch immer Konzerte im Eroica-Saal genießen. Sie können auch das Haus, wo er die Dritte komponiert hatte, das Eroica-Haus auf der Döblinger Hauptstraße, besuchen.

Decke des Eroica-Saals © Theatermuseum | KHM-Museumsverband
Decke des Eroica-Saals
© Theatermuseum | KHM-Museumsverband

 

7Österreichische Akademie der Wissenschaften

Innerhalb der Forschungseinrichtung liegt ein wichtiger Platz aus dem Leben Beethovens. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war der wunderschöne Konzertsaal einer der wichtigsten in Wien und es war hier, wo der Komponist im Dezember 1813 seine Siebte Symphonie sowie sein „Schlachtwerk” Wellingtons Sieg als Teil eines Benefizkonzerts für verwundete Soldaten der Schlacht bei Hanau uraufführte.

Festsaal der Österreichischen Akademie der Wissenschaften © Hubertl | Wikimedia Commons
Festsaal der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
© Hubertl | Wikimedia Commons

 

8Baden

Wie Sie vermutlich schon erkannt haben, hatte Beethoven eine Vorliebe für Kurorte, ganz besonders für Baden bei Wien, das etwa 30km südlich der Hauptstadt liegt. Zwischen 1807 und 1825 verbrachte er dort einige Sommer und viele Gebäude, in denen er sich aufhielt, sind bis heute erhalten. Eines der berühmtesten ist das Haus Rathausgasse 10, da er hier Teile seiner Neunten Symphonie komponiert hatte. Heute erinnert das Beethovenhaus Baden an die Zeit des Komponisten in dieser Stadt.

Beethovenhaus in Baden © C. Schörg
Beethovenhaus in Baden
© C. Schörg

 

9Mödling

Eine weitere künstlerisch nahrhafte Ausflucht aus der Stadt war Mödling. Hier arbeitete Beethoven an der Missa Solemnis, der Symphonie Nr. 9, Klaviersonate Nr. 9 und den Diabelli-Variationen, während er im Gasthaus Zu den drei Raben Dampf abließ. Leider ist es mittlerweile kein Wirtshaus mehr, aber phantasievolle Reisende können vielleicht noch heute das Tanzorchester hören, dem auch Beethoven so gerne lauschte und dem er angeblich die Mödlinger Tänze geschrieben hatte. Das Hafnerhaus, wo der Komponist zwischen 1818 und 1819 arbeitete, beheimatet heute eine Beethoven-Gedenkstätte.

Mödling © C Bwag | Wikimedia Commons
Mödling
© C Bwag | Wikimedia Commons

 

10Helenental

Helenental © Sae1962 | Wikimedia Commons
Helenental
© Sae1962 | Wikimedia Commons

Ein etwas weniger fröhlicher Platz, um die Liste an Beethoven-Wallfahrtsorten zu vervollständigen. Wie man es von einem Romantischen Komponisten, dessen „Pastorale” Symphonie von seinen Gefühlen für die Natur schwärmt, erwartet, konnte man Beethoven oft in den ländlichen Gebieten Wiens auf Spaziergängen finden. Ein ganz besonderer Platz für ihn war das Helenental bei Baden, wo es ihm zu Ehren heute einen Beethovenweg gibt. Tragischerweise war dies 1826 auch angeblich der Platz des Selbstmordversuches seines Neffen. Nur ein Jahr bevor der Komponist selbst starb.

Ins Deutsche übertragen von Elisabeth Schwarz