In der Berliner Musikszene gibt es immer viel Spannendes zu hören. Das Abschlusskonzert des Alban-Berg-Zyklus in der Philharmonie versprach aber, ein ganz besonderer Abend zu werden, an dem man neben den hervorragenden Musikern der Staatskapelle Berlin mit Daniel Barenboim, Pinchas Zukerman und Yefim Bronfman drei absolute Koryphäen der Klassik hören durfte.

Schon weit vor Konzertbeginn breitete sich im Saal eine große Spannung aus; die Erwartung war beinahe greifbar, bevor das das Eröffnungswerk, Bergs Kammerkonzert mit der außergewöhnlichen Besetzung für zwei Solisten und Bläser, unmittelbar vom fabelhaften Zusammenspiel der Musiker zeugte. Ein treibendes Tempo, ein ununterbrochener musikalischer Fluss und hoher technischer Anspruch charakterisieren dieses Werk, das in jedem Satz einen anderen Klangfokus legt. In verschiedenen Kombinationen stellt Berg Solisten und Ensemble zusammen, woraus sich mit transparentem Klang eine permanente Metamorphose des gesamten Klangkörpers ergab.

Pinchas Zukerman © Cheryl Mazak
Pinchas Zukerman
© Cheryl Mazak

Der erste Satz wird dominiert von der Verbindung von Klavier und Ensemble, in der Bronfman unaufgeregt, nüchtern und präzise spielte und mit klarer Phrasierung die polyphone Struktur mehrdimensional hörbar machte. Zukerman hingegen, dessen Violine in Verbindung mit den Bläsern der Schwerpunkt des Adagio war, spielte stimmungsvoll und brachte seine Leidenschaft besonders in den melancholischen wie stürmisch-lebhaften Passagen farbenreich zum Ausdruck. Daniel Barenboim hielt dabei eine hervorragende Balance zwischen den Solisten und dem Bläserensemble.

Die folgende, dreisätzige Lyrische Suite war ursprünglich als Streichquartett entstanden und wurde später von Berg selbst für Streichorchester umgeschrieben, das mit der Dichte des Ensembleklangs und besonders durch die Kontrabassstimmen seine volle Wirkung entfaltete. Barenboim leitete das Orchester dynamisch und gestaltete nicht nur titelgetreu lyrisch, sondern durchaus auch dramatisch. Besonders die Streicher taten sich durch akkurates Zusammenspiel und intensiven Klang hervor. In ihren dissonanten Zusammenklängen, die aus der zwölftönigen Kompositionsweise resultieren, entwickelten sie ein starkes Gefühl von Melancholie und erweckten mit durchdachter Betonung in den Fragmenten und einem nur scheinbar ziellosen Auf und Ab der Musik eine geradezu mystische Stimmung, die passend den Bogen zum dritten Stück des Abends spannte.

Yefim Bronfman © Dario Acosta
Yefim Bronfman
© Dario Acosta
Zum Abschluss des Konzert schließlich erklang das Violinkonzert, das Berg nach dem Tod seiner Muse Manon Gropius, Tochter von Alma Mahler und Walter Gropius, nahezu als Requiem „dem Andenken eines Engels“ schrieb. Bezaubernd spielte Zukerman das so bekannte Anfangsmotiv aus auf- und absteigenden Quinten, gegen das die Staatskapelle unter der sorgfältigen Leitung Barenboims feine Echos des gleichen Motivs zurückwarf. Die dadurch entstehende sanfte, ruhige und in gewisser Weise anhängliche Atmosphäre und auch der raschere, lebhaftere zweite Teil des Satzes mit seinen resoluten Arpeggien zeichneten ein anschauliches musikalisches Portrait der Mädchenmuse.

Trotz der anspruchsvollen virtuosen Gestaltung des Stückes spielte Zukerman ohne sichtbare Anstrengung und faszinierte mit einer wie erwartet ausgezeichnet stabilen und konsequenten Technik. Bergs Zuneigung, doch auch seine Trauer, die im Kern dieser Musik stecken, kamen in der sorgsamen Artikulierung und dem sehr warmen Klang zum Ausdruck. Wie ein Aufbegehren gegen das Unabänderliche begann der zweite Satz, drastisch und gewaltig. Im Kontrast dazu wurde das Zitat des Schlusschorals aus der Kantate O Ewigkeit, du Donnerwort (BWV 60) von Johann Sebastian Bach im zweiten Teil im harmonischen Zusammenspiel vom Violinist und Orchester sehr sanft präsentiert und führte zu einem Ende, das klangliche Seelenruhe fand und mich tief berührte und bereicherte.