Als besonderer Abend wurde das letzte der fünf Konzerte dieser Serie angekündigt, denn es handelte sich um ein Event der Rubrik „Am Set“, die auf der Website allerdings spektakulärer angekündigt wird, als sie es dann tatsächlich ist. Einleitende Worte durch den Intendanten, viele Kameras im Saal und ein paar nette Lichteffekte während des Konzerts – die Atmosphäre wirkt dadurch tatsächlich entspannter, als bei durchschnittlichen Abenden im Stefaniensaal, um wirklich cool zu wirken, müsste es allerdings mehr Action geben...

Mei-Ann Chen dirigiert das recreation – Großes Orchester Graz
© Claudia Tschida

Aber immerhin bot der Abend musikalisch Spannendes zu entdecken, denn mit Iván Eröds Tripelkonzert für drei Klarinetten und Orchester stand ein junges Werk am Programm. Uraufgeführt wurde dieses Konzert, für das sich der Komponist an einer traditionellen dreisätzigen Form orientierte, 2016 im Wiener Musikverein; jetzt erklang es zum ersten Mal auch in Graz. Das recreation – Großes Orchester Graz schuf unter der Leitung seiner Chefdirigentin Mei-Ann Chen in der mystischen Einleitung des ersten Satzes eine atmosphärisch dichte Klangunterlage, wobei die Dirigentin die Musiker zu kontinuierlicher Steigerung ebenso anhielt wie zu nobler Zurücknahme. Für die Farbtupfer auf dem Orchesterklang sorgten die drei Solisten – Andrea Götsch, Michael Gurfinkel und Alexander Gurfinkel. Wie gut sie miteinander harmonieren, demonstrierten sie insbesondere im Andante mit elegisch gefühlvollen Klarinettenparts, die in ein Zwiegespräch mit den spannungsvoll flirrenden Streichern traten. Im finalen Satz schien die Musik schließlich zu tänzeln und man meinte, immer wieder auch folkloristische Klänge aus der ungarischen Heimat des Komponisten zu hören. Dabei bestachen neben dem transparenten Orchesterklang insbesondere die Solisten nochmals mit Verve und Farbreichtum. 

Mei-Ann Chen mit Andrea Götsch, Michael Gurfinkel und Alexander Gurfinkel
© Claudia Tschida

Mit Antonín Dvořáks Neunter Symphonie wurde danach der Bogen von der neuen Musik zur neuen Welt gespannt, wobei das Orchester im ersten Teil des Abends homogener gewirkt hatte als nun bei diesem tschechischen Klassiker des Repertoires. So war etwa der Klang der Holzbläser im ersten Satz nicht durchgehend üppig-samtig, sondern phasenweise eher behaucht bis brüchig und auch die Streicher wirkten immer wieder beinahe gehetzt. Gut möglich, dass diese Problematik auf das Dirigat zurückzuführen war, denn Mei-Ann Chen hielt sich in ihrer Interpretation nie lange mit Romantischen Passagen auf und schuf auch keine melancholisch ausgekosteten Phrasen. Stattdessen setzte sie auf harsche Kontraste, wodurch Dvořáks Musik wie der etwas übersteuerte Soundtrack während eines Zauberduells der Harry-Potter-Reihe wirkte. Voldemort stattete dem Stefaniensaal aber dankenswerterweise trotzdem keinen Besuch ab, sodass das Publikum im zweiten Satz in den Genuss eines wunderschön nuancierten und strahlenden Solos des Englischhorns kam, bevor in den letzten beiden Sätzen wieder straffe Tempi und impulsive Dynamik in den Vordergrund gerieten. Denn ebenso energiegeladen und forsch wie die Dirigentin am Pult agierte, war die Wirkung des Konzertabends vor allem von Power geprägt. In Kombination mit der dramatischen Beleuchtung bot die Vorstellung so zwar vordergründig großen Effekt, die Interpretation wirkte aber dadurch auch zu oberflächlich und hibbelig, um zu berühren.

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