In einer konzertanten Aufführung von Joseph Haydns letzter Oper, dem Dramma eroico Armida, konnte man René Jacobs gemeinsam mit dem Kammerorchester Basel erneut als Dirigenten am Theater an der Wien erleben. Das Werk, das zweifelslos ein großes Potential besitzt und dieses in Aufführungen wie derjenigen der Salzburger Festspiele 2007 in der Regie von Christof Loy auch ausspielen konnte, versprach einen genussvollen Konzertabend. Leider konnte dies jedoch durch eine nicht ganz ideale Rollenbesetzung nicht eingehalten werden.

René Jacobs © Josep Molina
René Jacobs
© Josep Molina

Schon vor Beginn der Vorstellung gab der Theaterintendant Roland Geyer die Virusinfektion von Riccardo Novaro (Idreno) bekannt, der zwar dankenswerterweise auch stimmlich stark angeschlagen die Rezitative sang, allerdings seine zwei Arien im zweiten und dritten Akt ausfallen ließ, was dazu führte, dass das Werk einem Teil seiner Wirkung beraubt wurde. Ebenfalls gedeckt klang Christensen in der Rolle der Armida, die schon in ihrem ersten Rezitativ teilweise stimmlich überfordert zu sein schien. Vor allem in der ersten Hälfte schien sie oftmals eine Nuance zu tief, und insbesondere in den lyrischen Passagen und einigen Koloraturabschnitten hatte man den Eindruck, dass dies nicht unbedingt ihre Rolle oder ihr Abend war. In den dramatischeren Arien hingegen, so zum Beispiel in der wunderbaren Rachearie „Odio, furor, dispetto“ im zweiten Akt, kamen ihre eigentlichen Stärken wieder wesentlich deutlicher zur Geltung. Besser war die Besetzung des Rinaldo mit Thomas Walker. In den lyrischen Passagen war er deutlich weicher, wärmer und ausdrucksstärker, hatte aber vor allem zu Beginn des Abends mit seinen Koloraturen und einem belegten, fast gedämpft wirkenden Klang zu kämpfen. Der bisherige Eindruck verfestigte sich vor allem in den für diese Oper so zentralen direkten Auseinandersetzungen zwischen den beiden Liebenden Armida und Rinaldo in ihren Duettszenen, die das Grundthema des Werks, die immer und immer wiederkehrende Auseinandersetzung zwischen Ehre und Liebe essentiell verkörpern und in denen Walker und Christensen nur wenig zu überzeugen wussten.

Weitaus eindrucksvoller waren an diesem Abend die Nebenrollen, die durchaus über das normal übliche Niveau hinausgingen. Sowohl Anicio Zorzi Giustiniani als Ubaldo, Robin Johannsen als Zelmira und Magnus Staveland als Clotarco bestachen durch warme, sensible, ja fast samtige Töne, spielerische und gleichzeitig kultivierte Interpretationen ihrer Rollen und Präsenz auf der Bühne und gestalteten sowohl die lyrischen wie auch dramatischen Passagen durchaus überzeugend. Allen drei gemeinsam war ihre Spielfreude, die dem Abend einen fast halbszenischen Charakter verliehen. Auch Walker als Rinaldo und Novaro als Idreno sah man ihr schauspielerisches Talent schon ab dem Anfangsrezitativ an. Über weite Teile der Aufführung weckten diese fünf Sänger den Eindruck, dass man durch die lediglich konzertante Aufführung das große Potential des Ensembles auf ein Minimum reduziert hatte. In der vorletzten Szene des Stücks, in der Ronaldo Armidas Myrtenhain betritt, um dort die magische Myrte zu fällen, die der Zauberin Armida ihre Macht verleiht, wurde dies nochmals deutlich: Der Zuschauerraum erhellte sich und Ronaldo erschien inmitten des Publikums und suchte nach eben diesem Myrtenbaum, nur um von Zelmira über das Orchester hinweg in dem Versuch, ihn von seinem Vorhaben abzubringen, bezirzt und umgarnt zu werden. Lediglich Christensen wirkte daneben etwas steif und konnte sich nicht richtig in das Ensemble eingliedern, was sich auch in den eher hölzernen Duettszenen zwischen ihr und Walker niederschlug und die neben der musikalischen Ausgestaltung die dramaturgischen Stärken dieser Momente deutlich schmälerten.

René Jacobs, der schon öfter am Theater an der Wien zu hören war, interpretierte die Partitur wie gewohnt grundsolide, entlockte dem Kammerorchester Basel bereits ab der Sinfonia farbenfrohe, leichtfüßige und samtene Töne und ging sensibel auf die Sänger und ihre Rollen ein. Dennoch schaffte er es leider nicht immer, das Orchester zusammenzuhalten, wie zum Beispiel auch in den Secco-Rezitativen, wo das Basso Continuo und das Hammerklavier teilweise auseinander drifteten, was dem musikalischen Genuss aber nur wenig abträglich war.

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