Klassische Evergreens wie die Carmen-Suite oder Dvořáks Slawische Tänze auf kammermusikalische Besetzung zu übertragen, hat seine Stärken und Schwächen. Einerseits hat der Zuhörer die Möglichkeit die Werke aus einer ganz anderen klanglichen Perspektive zu erleben, andererseits kommt es für die Musiker auf jeden Ton an, da jeder noch so kleine Fehler hörbar ist. Die Münchner Residenz Solisten traten für ihr Neujahrskonzert im wunderschönen Cuvilliés-Theater zu sechst an und ließen in ihrem kammermusikalischen Arrangement bekannter Klassik sinfonischen Orchesterklang kaum vermissen.

Residenz Solisten © Bavaria Klassik
Residenz Solisten
© Bavaria Klassik

Mit ihrem Programm begaben sich die Residenzsolisten auf einen Streifzug von der Wiener Klassik Joseph Haydns bis zur Romantik Johannes Brahms’, nicht ohne auch das italienische Repertoire zu streifen. Den Abschluss bildeten, wie es sich für ein wahres Neujahrskonzert gehört, Schnellpolkas von Johann Strauß Sohn.

Als Gast hatten die Residenzsolisten den Pianisten Andreas Skouras eingeladen, der neben Haydns Klavierkonzert Nr. 11 in D-Dur auch das erste Heft der Variationen über ein Thema von Paganini von Johannes Brahms interpretierte. Dabei ist überraschend, wie leicht und mühelos er das Haydn-Konzert anging und wie wenig inspiriert die Variationen dahinplätscherte. Skouras musizierte besonders im Vivace und im Rondo all’Ungarese des Klavierkonzerts spritzig und voller Effet, griff die Phrasen seiner Begleiter auf und entwickelte diese fort. Die sehr dezente Verwendung des Pedals bewahrte gleichzeitig den perligen Charakter von Skouras Spiel.

Da überraschte es dann doch, wie sehr die Variationen Skouras im Griff hatten. Das Thema entwickelte er in feierlicher Langsamkeit und auch die anschließende erste Variation wirkte etwas verkrampft. Während das Klavierkonzert nur so dahin zu fließen schien, ertranken manche Variationen regelreicht im Pedal. Lediglich in der ausgedehnten letzten Variation Nr. 14 blitzte die Spielfreude des Klavierkonzerts wieder auf.

Die zweite Hälfte des Konzerts eröffneten die Residenz Solisten mit Bellinis Oboenkonzert in Es-Dur. Den Solistenpart übernahm dabei Giovanni De Angeli. Das Konzert, das Bellini in seinen Jugendjahren komponierte, ist in der Form des Concerto all'italiana konzipiert, das heißt auf einen langsamen einleitenden Satz folgt ein schnelles, von Bellini als Allegro polonese überschriebenes, Finale. De Angeli entwickelte die Linien des Maestoso mit wundervoller Tongebung und makelloser Linienführung. Sehr kontrastierend hingegen wirkte das Allergro polonese, das mit tänzerischer Leichtigkeit daherkam.

Auch in der folgenden Carmen-Suite war es De Angeli, der mit seiner Oboe spannende Farbnuancen beisteuern konnte. Seien es maurische Klagelieder in der Aragonaise oder eine tänzerische Erzählung in der Seguedille, es war die Oboe, die das viersätzige Arrangement von Cellistin Andrea Polgár so spannend machte.

Die Residenz Solisten zeigten sich nicht nur als Begleiter der jeweiligen Solisten, sondern auch als Ensemble als hervorragende Kammermusiker, die die Werke für großes Orchester auch auf den kammermusikalischen Kosmos übertragen konnten. Besonders im Programmabschluss mit Ausschnitten aus den Ungarischen und Slawischen Tänzen von Brahms und Dvořák sowie den Polkas von Johann Strauß ließen die Solisten die Musik in ihrer tänzerischen Expressivität atmen und rissen die Zuhörer mit – leidenschaftliche Juchtzer inklusive. Allerdings ließ sich trotz der großartigen Spielfreude nicht vermeiden, dass sich in den großteils sehr luftig frischen Klang der ein oder andere Intonationsfehler einschlich, der in der sträflich direkten Akustik des Cuvilliés-Theaters durchaus unmittelbar wirkte.

Die Residenz Solisten zeigten mit ihrem Neujahrskonzert allerdings, dass es nicht unbedingt ein großes Orchester braucht, um nur all zu bekannte Melodien mit ebengleichem Effekt zu präsentieren.

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