Ein bisschen intim war es, als die Münchner Symphoniker zu ihrer Kammermusikreihe „Sommermusik“ in ihren Probenraum in der Schornstraße nicht weit entfernt vom Gasteig einluden. Intim zum einen, da die Zuhörer das Orchester quasi in seinem Wohnzimmer kennenlernen konnten. Ein Wohnzimmer, das mit freiliegenden Luftabzugrohren und Stahltüren industrielle Romantik statt strenger Konzertarchitektur einer Philharmonie oder eines Prinzregententheaters bietet. Intim aber auch, weil die Sommermusik den unverwechselbar lockeren Charme eines Werkstattkonzerts hatte und den Musikern Raum bot, auch einmal etwas Experimentelles auszuprobieren; das Snare-Drum-Solostück des zeitgenössischen amerikanischen Komponisten Mitch Markovich zum Beispiel. Eigentlich als virtuoser Beitrag für einen Drum-Wettbewerb komponiert, spielten die beiden Schlagwerker Harald Persicke und Alexander Penthin als Team das kurze, aber energetische Rhythmuswerk als präzise ausgearbeitetes Schaustück virtuoser Trommelkunst.

Münchner Symphoniker © Marco Borggreve
Münchner Symphoniker
© Marco Borggreve

Zuvor hatten die Symphoniker allerdings ganz traditionell begonnen und den ersten und vierten Satz aus Schuberts Forellenquintett interpretiert. Frisch klang dabei besonders das angenehm klare, raffinierte Spiel von Ryuzo Seko, den die Symphoniker als Gast eingeladen hatten. Leicht und technisch unaufdringlich begleitete er die Streicher unter der Führung von Orieta Dado an der ersten Geige. Streng phrasierend, entzog sich auch das Andantino mit seinem berühmtem Forellenthema jeden Verdachts des Repertoirestücks. Hier war alles transparent durchmusiziert nicht ohne aber auf Emotion zu verzichten.

Von einem ähnlichen Verdacht ein Repertoirestück zu sein, ist Samuel Barbers Summer Music für Holzbläserquintett bisher noch weit entfernt. Umso erfreulicher war es also, dass die Holzbläser der Symphoniker das Quintett aufs Programm setzten. Amerikanisch spröde reiht Barber die teils lyrischen und staccato-wirren Themen rhapsodisch aneinander. Die Solisten der Symphoniker verwoben das Material zu eindrücklichen Klangimpressionen, die manchmal regenverhangen bluesig, manchmal notorisch überdreht klangen. Barber sah sich als selbst als intuitiver Komponist, der sich keinem Stil unterordnen wollte und bei solch freier Stilauffassung kann das Werk durchaus zum musikalischen Flickenteppich verkommen. Die Holzbläser der Symphoniker allerdings führten die vielen teils fast konträren Einfälle des Werkes organisch zusammen und entwickelten die Summer Music tatsächlich als eine scheinbar spontane Meditation über einen nicht ganz unbeschwerten Sommer. Und da wirkte das Stück unangenehm situationsaktuell – der Höhepunkt dieses doch so diversen Programms.

Zum Abschluss gab es schließlich zweierlei für Blechbläserquintett. Zum einen eine Bearbeitung der noblen Ankunft der Königin von Saba aus der Händel-Oper Salomon, die die Symphoniker mit sanglichen Koloraturen und angenehm ausgewogen vortrugen. Zum anderen spielten die Blechbläser eine Eigenkomposition ihres jungen Trompeter-Kollegen Nico Samitz, der mit seinem Adiende Aguro auf mitreißende Weise vorschlägt, wie der Sommer aktuell auch klingen könnte: jazzig, poppig und manchmal blitzt auch ein wenig Son Cubano auf. Ein Stilmix so bunt wie das ganze Programm der Sommermusik der Münchner Symphoniker. Eine feine Bereicherung der Münchner Kulturszene, die nach wie vor unsicher versucht in eine Normalität zu finden, die so gar nicht normal ist.

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