Wagners zweite Oper Das Liebesverbot ist ein Werk, das sich selten auf die Spielpläne verirrt - wohl auch wegen der vielen Schwierigkeiten musikalischer und dramaturgischer Art, die diese Große Komische Oper birgt. Im Wagnerjahr 2013 jedoch hat sich die Oper Leipzig, in Zusammenarbeit mit den Bayreuther Festspielen, den Frühwerken Richard Wagners gewidmet und unter anderem Das Liebesverbot auf die Bühne gebracht.

Mark Adler (Luzio) und Magdalena Hinterdobler (Dorella) © Kirsten Nijhof | Oper Leipzig
Mark Adler (Luzio) und Magdalena Hinterdobler (Dorella)
© Kirsten Nijhof | Oper Leipzig

Musikalisch sind verschiedene Einflüsse von Weber über Beethoven bis Bellini erkennbar; Arien, Duette und andere Ensemblenummern bergen unverkennbar italienische Einflüsse in ihrem Aufbau und ihrer dramaturgischen Gestaltung. Neben allen diesen Inspirationen ist aber auch Wagners eigener Stil schon präsent, vor allem in den dramatischeren Passagen, wenngleich diese nicht annähernd so stringent komponiert sind wie in den späteren Bühnenwerken. Die zugrundeliegende Thematik von unterdrückter Sexualität und Erotik ist diesem und den späteren Werken wie der Walküre gemein, in der frühen Oper aber steht nicht Dramatik, sondern Komik an erster Stelle.

Die Handlung spielt in Palermo während des Karnevals, der allerdings, samt jeglichem Ausdruck von Liebe, vom Statthalter Friedrich bei Todesstrafe verboten wurde. Als Exempel will er den jungen Claudio und seine Geliebte Julia hinrichten lassen. Es folgen einige beziehungstechnische Verwicklungen und ein gewitzter Plan, der die beiden retten und gleichzeitig den Statthalter seines eigenen Gesetzesbruchs überführen soll.

Die Inszenierung von Aaron Stiehl ist äußerst lebhaft und schafft es, der Handlung mit viel Witz über so manche holprige Stelle zu helfen. Seine Personenführung und komödiantischen Akzente glätteten viele der Passagen, die gerade im Vergleich zu Wagners gewichtigen Spätwerken eher schwach wirken. Ganz und gar nicht schwach hingegen die musikalischen Leistungen: Im Orchestergraben brauchten Matthias Foremny und das Gewandhausorchester anfangs zwar etwas Zeit, bis sie sich aufeinander eingestellt hatten, und während der Ouvertüre gab es noch die eine oder andere Unsauberkeit, im Gesamtbild jedoch fielen diese Startschwierigkeiten nicht sehr ins Gewicht.

Unter den Solisten besonders zu erwähnen sind Reinhard Dorn als Brighella, Guy Mannheim in der Rolle des Claudio, eine Art Ritter der Liebe im Leoparden-Hippie-Outfit (Kostüme: Sven Bindseil), und Olena Tokar, die kurzfristig in der Rolle der Mariana eingesprungen war. Dorn konnte mit seinem kräftigen Bass und einer geballten Ladung komödiantischen Talents auftrumpfen, während Mannheim in erster Linie durch seinen kraftvollen Heldentenor auffiel, der ohne Mühe über das Orchester singen konnte. Tokars Stimme hingegen bestach mit ihrer feinen, leichten Qualität, die bei aller Zartheit doch auch ordentlich Kraft erahnen ließ.

Tuomas Pursio (Friedrich) © Kirsten Nijhof | Oper Leipzig
Tuomas Pursio (Friedrich)
© Kirsten Nijhof | Oper Leipzig

Jürgen Kirners Bühnenbild unterteilt die Bühne in drei Sphären, die die Lebensweisen der Protagonisten spiegeln: Ein Dschungel ist Sinnbild der Triebe, der Liebe und der Ausgelassenheit, eine Vielzahl säuberlich angeordneter bezifferter Schubladen repräsentiert Friedrichs kaltherzig-kühle Ordnungswelt, und Isabellas unschuldige, fromme Welt letztlich verdeutlicht ein lichter, spiritueller Ort.

Die Rolle der Isabella sang Lydia Easley, die zusammen mit Magdalena Hinterdobler (Dorella) in erster Linie mit ihren komischen Auftritten punkten konnte, während beide stimmlich immer wieder mit dem Orchester und dem Chor zu kämpfen hatten. Mark Adler als Luzio bescherte dem Publikum ebenfalls eine Reihe an komischen Momenten mit seinem leichten Spieltenor, den er gekonnt einzusetzen wusste. In der Rolle des Antagonisten Friedrich überzeugte Tuomas Pursio mit schlank geführter Stimme und einer sehr farbenreicher Stimmgebung. Seine Darstellung des spießigen Spaßverderbers war sehr überzeugend, doch am Ende des Stückes verzieh man ihm gern.

Es waren besonders diese komischen Momente, die einem in Erinnerung blieben. Sehr unterhaltsam fand ich dabei das Terzett zu Beginn des zweiten Aktes, in dem Isabella und Dorella Luzio in die Mangel nahmen und ihn mit Nudelhölzern verprügelten, während er einen Strauss Blumen für Isabella mitbrachte. Diese Utensilien wurden aber schließlich kurzerhand weggeworfen, um die darauffolgende Tanzeinlage (nach Isabellas Worten: „Ballett!!“) zum Terzett zu meistern. Die schlichte und fast operettenhafte Choreographie war an sich schon ein Highlight und schuf zusammen mit Wagners ansteckender Musik einen Moment großer Unterhaltung. Ebenfalls sehr komisch war Dorellas Verführungsszene zu Beginn des ersten Akts, in der Hinterdobler ihre physischen und stimmlichen Reize gekonnt einsetzte, um den verliebten Brighella zu umgarnen. Mit viel komödiantischem Talent und so manchem witzigen Detail in der Umsetzung der Szene bescherte man dem Publikum hier reihenweise Kicheranfälle.

Dieses Leipziger Liebesverbot wartet mit einer grandiosen Inszenierung auf, die einen unterhaltsamen Abend mit vielen Lachern garantiert, und ist auf jeden Fall eine Reise wert.