Im Gegensatz zur Oper haben Liederabende immer einen gewissen intimen, direkten Charakter. Emotion und Gefühle sind das Herzstück der Oper, aber man kann auch abgelenkt werden; vielleicht vom Bühnenbild, vielleicht vom Orchesterpomp. Bei Liedern dagegen steht die Musik allein im Mittelpunkt. Diana Damrau und Helmut Deutsch gelang mit ihrem Festspiel-Liederabend der Bayerischen Staatsoper ein Liederabend der Extraklasse, der neben Schubert und Richard Strauss auch Werke von Rachmaninow bot.

Diana Damrau © Jürgen Frank
Diana Damrau
© Jürgen Frank

Bereits im Schubert-Block wurde deutlich, dass Diana Damrau dem Publikum die Kunst des Liedes auf allerhöchstem Niveu präsentierte. Dabei wirkten technische Qualität und Perfektion als Voraussetzung, die für Damrau nicht zur Diskussion standen. Und so ging es ihr nicht um Schöngesang, sondern um tiefergehende Emotionen, die in jedem Lied versteckt lagen.

Mit Liebe schwärmt auf allen Wegen und Frühlingsglaube begann Damrau den Abend sehr lyrisch und legte die Basis, die den gesamten Abend über Bestand haben sollte und den runden Eindruck umrahmte. Mit ihrem klaren, reinen Timbre wirkte ihre Interpretation nicht überbordend emotional, was den Schubert-Liedern nicht gerecht geworden wäre, sondern zeugte von Damraus feinem Gespür für gut dosierte, ehrliche Emotionen. Dennoch bedeutete dies nicht, dass nicht auch Raum für expressivere Momente gewesen wäre. In Heimliche Lieben wurde ihr Ausdruck drängender, der Klang voller. „Dass doch im Kuss' mein Wesen nicht zerfließet...“ hätte leidenschaftlicher nicht klingen können.

Damrau schien die Aufmerksamkeit des Raumes förmlich aufzusaugen, um sie schließlich musikalisch wieder freizusetzen. Dieser Eindruck schien in den Strauss-Liedern noch deutlicher, deren harmonische Wendungen auch Dank Deutschs Begleitung einen zwingenden, packenden Charakter erhielten. Damrau ließ sich in den Liedern auf eine neue Farbenwelt ein, die voller und dunkler wirkte. Dabei entwickelte sie die Phrasen mit souveräner Überlegtheit oder aber stolzer Kraft und ließ die Strophen ins Strauss’ Befreit in fließenden Forti strahlen, um in „O Glück“ gipfeln.

Den Abschluss bildeten russische Lieder von Sergej Rachmaninow, die mit ihrem melancholischen Grundtenor einen Gegenpol zum deutschen Programm bildeten. Aber auch hier gelang es Damrau vollkommen, in die Klangwelt einzutauchen und füllte mit fast opernhaften Spitzentönen den Raum. Dabei war sie allerdings auch beim Rachmaninow sehr auf detailreiche Ausarbeitung bedacht und entwickelte Töne, unterstützte den Text mit einer dezenten Geste oder bezauberte mit feinen Pianissimi, die selbst in Zdes' choroscho (Hier ist es schön) im hohen Register technisch perfekt waren.

Damrau und Deutsch verbindet eine lange gemeinsame musikalische Zusammenarbeit und wie eingespielt das Team ist, ließ sich während des Programms gut beobachten. Deutsch reagierte auf kleinste musikalische Veränderungen, antizipierte Ritardandi und bot Damrau eine exzellente Grundlage, die diese im Schlussapplaus durchaus zu würdigen wusste.

Deutsch trat aber auch aus der Rolle des Begleiters heraus und gestaltete mit seinem Spiel die Musik aktiv mit. Seine Interpretationen waren elegant, perlig und geprägt von einem angenehm weichen Anschlag, der aber auch kantig, drängend und ausdrucksvoll werden konnte. Besonders in den Strauss-Werken stellte er die dissonanten Momente heraus und schuf damit eine ganz besondere Klangwelt.

Mit ihrem Liederabend boten Diana Damrau und Helmut Deutsch ein Konzerterlebnis, das lange nachwirkte und Damraus Gespür für Emotion und stimmliche Extraklasse ließen an diesem Abend Lieder in der Oper regieren.