Wenn Christian Thielemann und die Wiener Philharmoniker zusammenarbeiten, ist Qualität vorprogrammiert: Sowohl Orchester als auch Dirigent stehen für höchste Ansprüche und wie gut hier die Chemie stimmt, hört man nicht nur in der musikalischen Leistung, sondern man spürt es regelrecht im Saal. Und wie bereits im letzten Sommer erklang als zusätzliches Schmankerl auch an diesem Abend vor der Symphonie von Bruckner (2020 war es die Vierte; 2021 ist nun die Siebente an der Reihe) noch ein Liederzyklus, der keine Wünsche offen ließ.

Elīna Garanča
© Marco Borrelli | Salzburger Festspiele

Denn wie Elīna Garanča Gustav Mahlers Rückert-Lieder interpretierte, war einfach zum Niederknien schön. Einerseits liegt das natürlich an der technischen Virtuosität, mit der ihr Mezzosopran geführt wird – so gibt es keinerlei Registerbrüche zu hören, die Stimme ist fokussiert, strahlt in eleganter Zurückhaltung ebenso silbrig wie in dramatischeren Momenten – und zusätzlich zu ihrer seit jeher mühelosen Höhe hat sich Garanča in den letzten Jahren eine voluminösere, tragfähige Tiefe erarbeitet. Aber letztlich war es nicht die stimmliche Perfektion, die den Reiz ausmachte, sondern die detaillierte Interpretation und die stets vorbildlich textdeutliche Gestaltung der vertonten Gedichte. So begeisterten etwa besonders die anschwellend glühende Zeile „Liebst Du um Liebe, oh ja, mich liebe!“ oder die zunehmend entrückte Stimmung im finalen Lied „Ich bin der Welt abhanden gekommen“. Ohne triefendes Pathos, aber mit viel düsterer Melancholie betteten Thielemann und die Philharmoniker die Sängerin in dieser ersten Konzerthälfte wie auf Klangwolken und schufen in den orchestralen Passagen auch herrliche Momente voll berückenden Weltschmerzes.

Christian Thielemann dirigiert die Wiener Philharmoniker
© Marco Borrelli | Salzburger Festspiele

Spuren dieser melancholischen Stimmung schwappten nach der Pause auch noch auf die ersten beiden Sätze von Anton Bruckners Symphonie Nr. 7 über; etwa im Einleitungsthema des Allegro moderato, in dem der Klang des Orchesters sich langsam entfaltete, wie die Blätter einer Rose im Frühling oder als man im zweiten Satz beinahe meinte, von elegischer Stimmung umhüllt zu werden, wie in einem feierlichen religiösen Ritual. Dabei klang Bruckner in dieser Interpretation keineswegs so distanziert und steril, wie man diesen Komponisten sonst oft zu hören bekommt. Ganz im Gegenteil – die Wiener Philharmoniker boten unter Thielemanns Leitung die ganze Symphonie über viel Leidenschaft und der Dirigent arbeitete einen stringenten Spannungsbogen heraus, der immer wieder in dramatischen Ausbrüchen mündete, um dann wieder in leiseste Piano-Gefilde abzutauchen. Wie ein Dressurpferd in Passage und Piaffe verbanden die Musiker im Scherzo Kraft und Eleganz, um einen mühelos tänzelnden Effekt zu erzielen. Im vierten Satz glitzerten die Streicher schließlich wie die gleißende Reflektion der untergehenden Abendsonne auf dem Meer, bevor sich im Finale dann auch der dramaturgische Bogen schloss und das Orchester sich noch einmal zu einem leidenschaftlichen Fortissimo voll innerer Spannung aufschwang. Es bleibt zu hoffen, dass es auch im nächsten Jahr ein Wiedersehen mit diesem Dream Team gibt, denn Abende wie dieser sind es, die die Salzburger Festspiele vom alltäglichen Repertoirebetrieb abheben und etwas wahrlich Besonderes bieten.

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