Bevor Gabrieli Consort & Players 2015 auf eine kleine Tournee mit Henry Purcells Semi-Oper King Arthur, or The British Worthy gingen, verriet Paul McCreesh anlässlich der Wiederaufführung nach mehr als zwanzig Jahren: „[...] I do seem to remember having lots of fun touring the work, in Holland especially. In fact, there was a particular moment on that tour that has gone down in Gabrieli history where a certain singer…no names…ended up in a canal […].“ In die Niederlande – genauer gesagt in das Muziekgebouw Frits Philips in Eindhoven – kehrten die Musiker nun zum Auftakt einer weiteren Rundfahrt mit dem Stück zurück. Dort vermittelten sie in bester Tradition von erlebter Wohlfühlstimmung und leidenschaftlichem Konzertvergnügen viel Lust an diesem trotz allen politischen Pomps unterhaltsamen und wie bei Purcells Opernformen fast üblich aufführungstechnisch schwierigen Materials.

Gabrieli Consort & Players © Andy Staples Photography
Gabrieli Consort & Players
© Andy Staples Photography

Gerade die persönlichen Gefühle sind es nämlich, die auch mit Purcells Musik selbst zu Tage treten, zeichnet sie sich doch durch anspringende Schönheit sowie einen britisch mehr oder weniger subtil daherkommenden patriotischen Einschlag und Humor aus, die Purcell zum komponierenden Orpheus Britannicus machten und die Gabrielis zu einer kultivierten Wiedergabe anregten. Unter McCreeshs kundigem Einfühlungsvermögen für diese besondere Stimmung und Idiomatik wurde der eigentliche Mix aus Theater und Masque zu einem – dem Titel angemessenen – würdevollen Best of und zu seltener Qualitytime, die wie im Flug verging. Letzteres hatte gewiss nichts damit zu tun, dass Cellist Christopher Suckling mit McCreesh den Fünfakter zu einem gekürzten Drama edierten, das nur noch gesicherte Musik aus Purcells Autorenschaft beinhaltete.

Die durchgängig luftig-royale Grundierung setzten die Gabrieli Players in der Einleitung, in der ausschließlich die zehn Streicher – später dann dazukommende Oboen und Fagott – die feine, sehnige, gut aufeinander abgestimmte und spritzige Umhüllung der Szenerie sponnen. In diese schritten die neun für die konzertante Aufführung auswendig agierenden Gesangssolisten ein, die zugleich den Chorus bildeten und den alles stumm mitsingenden Dirigenten in ihre Mitte nahmen. Zeigten sie im ständigen Wechsel aus Stehen, Sitzen, Nachvornetreten und wieder Einreihen in die homogene und klangprächtige Gruppe schon ihre geistige Beweglichkeit, wiesen zugleich ihre Stimmen die Präsenz und Erhabenheit aus, die von ungetrübter Artikulation, Diktion, Betonung und Intonation brillant getragen wurde. Mächtig und mit eindrücklicher Sonorität erhob Dingle Yandell seinen Bass, um passend und fortan auch mit der Continuo-Verstärkung aus Cembalo, Theorbe und Basslaute beziehungsweise Barockgitarre im ersten Akt zur Saxon sacrifice scene zu bitten, in der vor allem der hohe Tenor Jeremy Budd und sein tiefer Kollege James Way frisch und genüsslich vor sich hertriumphierten, jeweils vom Chor in folkloristischen Dancesongs mit Nachdruck gedoppelt.

Aus- und Übergang zum nächsten Akt stellten stets die Tunes her, die besonders lieblich und leise die Zauber- und Pastoralwelt des zweiten und die Frozen scenedes dritten Akts umschlossen. Die in jeglichem Ausdruck, Stimmführung und Färbung wieder beeindruckend famose Anna Dennis verzauberte darin als strikte Philidel, die im Geist-Wettstreit zu Marcus Farnsworths Grimbald stand, der ebenfalls mit betont sicherem Auftreten seine starken Argumente auf seiner Seite hatte, um mit neckisch lotsenden Anhängern vom richtigen Weg im dunklen Wald zu überzeugen. Leider wie von Geisterhand schlichen sich in seinem gewitzten „hurry on“ kurze instrumentale Unsauberkeiten ein, die später noch einmal kurz zum Vorschein kamen. Dies überwunden, mochte man in der Schäferwelt, die die Gabrielis und singenden Shepherds, zuvorderst der weiche, sinnliche, fröhlich artikulierende Way, noch geschmeidiger und wärmer bebilderten, jedoch unendlich verweilen, so wunderschön waren zudem Dennis' und Mhairi Lawsons bezirzendes Duett sowie der knackige Tanz der Hirten.

Lawson verstand es, als Cupid nicht nur den noch so herzenskalten Genius, den Yandell im impulsiv flehenden „Cold song“ mit schnatterndem Chor und kristallin erstarrtem Orchester gab, mit ihrer süffisanten, quirligen, selbstbewussten Art zu erwärmen, sondern mit galantem, klarem, süßlichem Sopran im Duett mit Dennis die anrührende Aufmerksamkeit der Pleasures of love auf sich zu ziehen, die gänzlich vom störenden Geräusch der kurzzeitig widerspenstigen Klimatechnik ablenkten. Ihre Überzeugungskraft hatte außerdem die Finger der Instrumentalisten erhitzt, die im vierten Akt die faszinierende Passacaglia einbrachten, zu der Budd und Chor ein betörend frohlockendes „How happy the lover“ anstimmten. Mit ihr fanden die vormals rivalisierenden Dennis und Farnsworth in einem hinreißenden, runden, edlen „loveduet“ zueinander, dem der harte Schnitt des in sich noch mal kontrastvolleren fünften Akts folgte, zudem Yandell seine Tiefe erschallen ließ, um Britannia zu huldigen.

Nach einem dynamisch und mit Altblockflöten farblich zärtlichen Einschub, entstand daraus eine erhabene Trio-Symphony und schließlich ein sittliches Gesangsständchen à drei Männerstimmen, das – nicht von spirituellem Genussmittel berauscht – zu einem derben, komischen Feierlied der Männer ausartete, bei dem selbst der Solotrompeter miteinstieg. Er hatte bedauerlicherweise beim majestätischen Finale, deren leichte Hymne Budd nach Dennis' zerstäubendem „Fairest Isle“ einläutete, andauernde Probleme auf seinem schwierigen ventillosen Naturexemplar. In seiner kurzen Ansprache hatte McCreesh dem Publikum mitgegeben, es sei nach dem Konzert nicht schlimm oder verwunderlich, den Inhalt nicht nachvollziehen zu können; vielmehr solle man sich einfach an Purcells verwunderlich schönen Musik erfreuen. Dies gelang, sodass es nicht nur mir danach gegangen sein dürfte, auf dem Heimweg die Melodien weiterzusummen.