Dritter Teil, dritter Abend und wieder Standing Ovations. Mit einer tollen Besetzung hat die Bayerische Staatsoper Richard Wagners Siegfried in der Inszenierung von Andreas Kriegenburg erfolgreich wiederaufgenommen.

Stefan Vinke (Siegfried) und Statisterie der Bayerischen Staatsoper © Wilfried Hösl
Stefan Vinke (Siegfried) und Statisterie der Bayerischen Staatsoper
© Wilfried Hösl

Wenn Kirill Petrenko am Pult steht, dann weiß der geneigte Münchner Operngänger bereits, dass auf ihn spektakulärer Feinklang wartet. Auch an diesem Abend sollte er das Publikum nicht enttäuschen. Der scheidende Generalmusikdirektor dirigierte gewohnt sehr zügig und fordern, aber nie ohne zu hetzen. Detailverliebt arbeitete er auch im Siegfried das ganze Spektrum von Wagners Partitur heraus. Wohl keiner im Saal schaffte es sich Petrenkos sprühender Bannkraft zu entziehen, etwa als er im Vorspiel des dritten Aufzugs das Orchester mächtig aufbrausen ließ, um nur wenig später fein wummernd das Schlaglicht gekonnt auf die Sänger zurückzuwerfen.

Nina Stemme (Brünnhilde), Stefan Vinke (Siegfried) © Wilfried Hösl
Nina Stemme (Brünnhilde), Stefan Vinke (Siegfried)
© Wilfried Hösl

Stefan Vinke nutze diese Aufmerksamkeit als Siegfried mit ungeheurer Ausdauer und von der ersten bis zur letzten Minuten mit faszinierender technischer Bravour. Weder die Höhen noch die Tiefen musste er scheuen, wenngleich er schlussendlich ein wenig am Publikum vorbeispielte. Ein Manko, welches man Nina Stemme als Brünnhilde weiß Gott nicht nachsagen konnte. Mit jeder einzelnen Note ihres sinnlichen und facettenreichen Soprans ließ sie das Publikum tiefer in das Schicksaal der zum Schlaf verbannten Walküre eintauchen. Sie zeigte dabei eine überwältigenden Innigkeit und Intensität.

Auf ähnliche Weise konnte auch John Lundgren im dritten Teil des Rings beweisen, dass er sowohl im Stück, als auch in der Musik zuhause ist. Klar und überzeugend, jedoch nicht düster, sondern eher beschwingt, tönte sein starker Bass bis in die letzten Reihen und unterstrich damit, dass er nicht nur ein exzellenter Wotan (in der Walküre) ist, sondern auch dem Alberich mehr als nur gewachsen ist.

John Lundgren (Alberich) und Wolfgang Ablinger-Sperrhacke (Mime) © Wilfried Hösl
John Lundgren (Alberich) und Wolfgang Ablinger-Sperrhacke (Mime)
© Wilfried Hösl

Ain Aigner setzte dagegen deutlich düsterere, fast weltendrückte Akzente. Sein tiefer, voller Bass klang an keiner Stelle gepresst oder kehlig, immer wohlartikuliert klar und verlieh dem Fafner so furchteinflößende Gewalt. Wolfgang Ablinger-Sperrhacke gelang als Mime unterdessen der Spagat zwischen einem sehr engagierten Spiel und einem klaren, wohlgeformten Tenor. Passend zu Kriegenburgs Inszenierung gibt er sich weniger zwergisch als geckenhaft, selten weinerlich, stattdessen überzeugend gewieft.

Egils Silins konnte dahingegen als Wanderer nicht restlos überzeugen. Er war für Wolfgang Koch eingesprungen und lieferte mit götterväterlichem Bass eine konstante Leistung ab, aber ließ nur selten die andere, zunehmend fatalistische Seite seiner Rolle durchklingen. An zürnendem Volumen fehlte es ihm nicht, gleichwohl aber streckenweise an spielerischer Ausdruckskraft.

Egils Silins (Wanderer) und Wolfgang Ablinger-Sperrhacke (Mime) © Wolfgang Hösl
Egils Silins (Wanderer) und Wolfgang Ablinger-Sperrhacke (Mime)
© Wolfgang Hösl

Okka von der Damerau hüllte mit ihrem warmen Mezzosporan Erda gekonnt in entrückte Tiefe und machte ihren Auftritt erneut zu einem der Höhepunkte des Abends. Mirella Hagen als Stimme eines Waldvogels sang elegant, aber bisweilen zu spitz, was ein wenig die Leichtigkeit ihrer Rolle vermissen ließ.

Aber das alles ist Kritik auf höchstem Niveau. Der eine oder andere im Publikum wird sicherlich auch an diesem Abend manche szenischen Entscheidungen von Andreas Kriegenburgs belächelt haben, zum Beispiel wenn Statisten unter einer grünen Decke Sonnenblumen hervorheben und die Inszenierung aus dem Jahr 2012 eher wie eine Schulaufführung wirkt. Doch wenn sich dieselbe windende menschliche Masse um Erda schlängelt, Mime tief aus der Glut seines Handwerks gebiert oder um Brünnhildes Felsen in monumentalen Bildern züngelt, ist all das vergessen und man weiß, warum man diesen Ring gesehen haben muss.

****1