Ein tschechischer Abend steht für mich fast immer für die Garantie, wunderbare Musik zu erleben. Das Pavel Haas Quartett hatte mit dem Streichquartett Nr. 1 e-Moll „Aus meinem Leben” von Bedřich Smetana, und dem Streichquartett Nr. 2 „Intime Briefe” von Leoš Janáček genau diese Konstellation für seinen Konzertabend im Großen Saal der Elbphilharmonie geplant. Und der Ruf, einen für das vorgesehene Programm besonders passenden Klang zu kultivieren eilte dem Ensemble ja voraus, zählen die beiden Werke doch zum Lieblingsrepertoire der MusikerInnen.

Pavel Haas Quartett © Daniel Dittus
Pavel Haas Quartett
© Daniel Dittus

Mit Spannung erlebte ich gleich den Beginn des Smetana-Quartetts, und das Ensemble nahm sich sofort die Aufmerksamkeit des Saals mit einem sehr akzentuierten Beginn. Vor allem der Geiger Marek Zwiebel betonte die folgenden, rhythmischen Partien mit seiner Körpersprache, verbildlichte so sehr schön die Lebhaftigkeit dieses Werkes, und gestaltete einen sehr agilen Vortrag. Den einprägsamen zweiten Satz des Quartetts nahmen die MusikerInnen mit viel Konzentration auf die Darstellung der besonderen Elemente an dieser Stelle der Komposition. Den Wechsel zwischen Akkordabschlägen und oktavierten Melodielinien gestalteten sie sehr tänzerisch, wobei die Zwischenmelodien von der Geigerin Veronika Jarůšková sehr weich und gefühlvoll realisiert wurden. Allerdings wurden hier auch kleine Abstimmungsschwierigkeiten zwischen den beiden Violinen offenbar, denn sie sprachen in der Synchronität nicht immer mit einer Stimme. 

Aber im dritten Satz war es wieder der Beginn, den das Ensemble beeindruckend gestaltete, indem es die anfängliche, kräftige Tongestaltung des Cellisten Peter Jarůšek aufnahm und fortführte. Die Gruppe war nun eingespielt und voll im Fluss, formte Dynamikstrukturen mit einmütiger Dramaturgie. Die vielen gemeinsamen Akkordverläufe wirkten sehr kräftig angespielt, während das Cello seine Melodien im Pizzicato sehr tragend und vordergründig präsentierte. Das Ende des Satzes wirkte dann sehr still, und es zeigte mit seinen entschwindenden Melodien einmal mehr, dass die volle Aufmerksamkeit des Publikums jetzt auf die Bühne gerichtet war. Im gesamten Verlauf dieses Werkes überraschte mich immer wieder die Intonationsgestaltung von Violine und Bratsche, und insgesamt hätte ich für dieses geschätzte Stück Musik ein noch konsequenter umgesetztes Konzept erwartet. 

Anders wurde das dann im Zweiten Quartett von Leoš Janáček. Hier schaffte es das Pavel Haas Quartett perfekt, all die ungewöhnlichen Aspekte, die schnellen Wechsel der Abschnitte, die Abfolgen von ruhiger Harmonik und intensiveren, impulsreicheren Teilen nicht nur korrekt und passend abzubilden, sondern auch die Bedeutung des Werkes für den Komponisten angemessen zu vertreten. Zum einen steht dieses Werk für den späten Kompositionsstil Janáčeks, in dem er sich oft an der im Ablauf wechselhaften Natur der tschechischen Sprache orientierte, zum anderen geht es in diesem Quartett thematisch um die unerfüllte Liebe des Komponisten zu einer verheirateten Frau, mit der er eine lange Briefkorrespondenz unterhielt, und die ihm eine Muse war. Das Ensemble führte dies alles zusammen in eine eindrucksvolle Gesamtdramaturgie, indem die MusikerInnen sehr aufeinander hörten und kooperativ spielten. Die Aufgabenteilung unter den Violinen führte immer wieder zu gelungener Zusammenarbeit, mit den sehr singend gespielten, hohen Melodien in der ersten Violine, und den präsent in den Raum gestellten, leisen Melodieabschlägen in der zweiten Geige. So halfen alle mit, diese wunderbare Liebesgeschichte zu erzählen, und wirkten im Spiel selbst involviert in die vielen Stimmungsumschwünge und Gefühlswallungen.

Zum Ende hin betonten die MusikerInnen nochmal die tänzerischen Aspekte, bevor die erste Geige wieder das Hauptthema des vierten Satzes präsentierte, und das Ensemble in einen energiereichen und einigen Abschluss fand.

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