Nur wenige Sekunden, nachdem man einen Fuß in die deutsche Hauptstadt gesetzt hat, wird einem bewusst, dass Berlin alles andere als teutonisch ist. Vielmehr ist die Stadt seit langem ein beliebtes Ziel für die Mengen der Bohème. Bis heute ist Berlin bezaubernd intensiv und gefährlich verdorben.

Berlin bei Nacht © Robert Debowski | Wikicommons
Berlin bei Nacht
© Robert Debowski | Wikicommons
Das breite kulturelle Angebot der Stadt bietet Touristen entweder einen entspannten Urlaub rund um klassische Events oder einen Städtetrip in Mitten der ausgefallensten Ausstellungen der Welt. Die Deutsche Oper ist mit 1.895 Sitzen das größte Opernhaus in Berlin, doch das Sinnbild der Oper in Berlin ist wohl die Staatsoper Unter den Linden, eine Perle palladianischer Architektur im Herzen des früheren Ostberlin.

Fassade der Staatsoper Unter den Linden © Max Lautenschläger
Fassade der Staatsoper Unter den Linden
© Max Lautenschläger
Das ursprüngliche Gebäude wird gerade saniert; das Schiller Theater in Charlottenburg, nur ein paar Schritte von der Deutschen Oper, beherbergt jetzt das Opernhaus. Die Sanierungsarbeiten begannen 2005 und sollen im Herbst 2017 abgeschlossen werden, trotz beträchtlicher Verzögerungen. Ziel ist, das Opernhaus in einen Veranstaltungsort der Spitzenklasse zu verwandeln, ein Juwel der Bautechnik und der Akustik. Sein Orchester, die Staatskapelle Berlin, ist eines der ältesten der Welt und steht seit 1992 unter der Leitung seines Chefdirigenten Daniel Barenboim.

Die Komische Oper steht nun in der fünften Spielzeit unter der Leitung ihres visionären Direktors Barrie Kosky. Seit dem Beginn seiner Amtszeit hat er zahlreiche Eigenproduktionen aufs Programm gesetzt, von der Zauberflöte zu West Side Story. Das Gebäude befindet sich an sehr zentraler Stelle, nur wenige Schritte vom Brandenburger Tor entfernt. Seine majestätische Fassade wurde von Kunz Nierade gestaltet, einem deutschen Architekten, der vor allem für seine Arbeit am Leipziger Opernhaus berühmt ist.

Deutsche Oper Berlin © Leo Seidel
Deutsche Oper Berlin
© Leo Seidel
Die Berliner Philharmonie ist das Konzerthaus mit Kultstatus in Berlin. Entworfen von Hans Scharoun in den frühen 1960ern ist es ein gutes Beispiel von organischer Architektur, eine Philosophie, die die Harmonie von Gebäude und Landschaft anstrebt. Dieser Tempel der akustischen Perfektion entwickelte sich ursprünglich aus Scharouns Konzept für den Innenraum: „Ein Mensch im Angesicht eines anderen, gereicht in Kreise, in mächtig schwingendem Bogen um strebende Kristall-Pyramide.“

Berliner Philharmonie © Manfred Bruckels | Wikicommons
Berliner Philharmonie
© Manfred Bruckels | Wikicommons
Das farbige Gebäude steht am Fuße des Tiergartens, dem zweitgrößten Stadtpark in Berlin. Hier haben Sie für Ihren Spaziergang die Auswahl zwischen tausenden von Pfaden, die sich auf der großen Fläche kreuzen.

Zwischen Trips zum Konzerthaus ist das Jüdische Museum einen Besuch wert. Entworfen von Daniel Libeskind beherbergt es eine interaktive Ausstellung über die Geschichte er jüdischen Gemeinde in Deutschland.

Jüdisches Museum © Clara Colotti
Jüdisches Museum
© Clara Colotti

Genau im Zentrum der früheren Deutschen Demokratischen Republik liegt die Museumsinsel, wo man auf einem einzigen Quadratkilometer gleich drei Museen findet: das Pergamonmuseum, das Bodemuseum und die Alte Nationalgalerie. In der Alten Nationalgalerie können Sie sich in romantischen Bildern von Caspar David Friedrich verlieren, während das Pergamonmuseum einen Blick auf den monumentalen Pergamonaltar sowie weitere archäologische Schönheiten aus dem Alten Griechenland bietet.

Berlinische Galerie © Clara Colotti
Berlinische Galerie
© Clara Colotti
Der Bau des Berliner Schlosses mag kontrovers gewesen sein, doch es ist definitiv einen Besuch wert. Dieses kulturelle Zentrum erhebt sich aus den Trümmern des Palastes der Republik, dem vormaligen Parlamentssitz der ehemaligen DDR, der 2008 gänzlich abgerissen wurde (Gerüchten zufolge wurde in den Wänden Asbest gefunden).

Wenn Sie sich in die ehemalige DDR vorwagen wollen, sollte das Museumshaus am Checkpoint Charlie ganz oben auf Ihrer Liste stehen. Es wurde 1962 eröffnet, nur ein Jahr nach dem Bau der Berliner Mauer, mit einer kleiner Ausstellung. Jetzt erstreckt es sich über 2000 Quadratmeter, auf denen Sie beispielsweise entdecken können, wie erfinderisch Menschen waren im Versuch, auf die andere Mauerseite zu gelangen. Berlin war jedoch nicht die einzige Stadt, die von einer imposanten Mauer geteilt wurde, und so widmet sich ein Teil der Ausstellung dem Thema Bürgerrechte aus einer allgemeineren, globalen Perspektive.

Wenn Sie sich für Architektur und Design interessieren, sollten Sie einen Abstecher ins Bauhaus-Archiv machen, das Avantgarde-Projekte der wichtigsten Schule für Architektur, Design und Kunst des 20. Jahrhunderts zeigt. In einer weniger breit gefächerten Ausstellung zeigt die Berlinische Galerie verschiedene Sammlungen von Kunst, die ausschließlich in der deutschen Hauptstadt und der umliegenden Region geschaffen wurde.

Das Nikolaiviertel © Manecke | Wikicommons
Das Nikolaiviertel
© Manecke | Wikicommons
Nur fünfzehn Minuten Fußweg von der Deutschen Oper und dem Schiller Theater entfernt liegt der Savignyplatz, eine grüne Oase in der Mitte des Berliner Westens und der perfekte Ort für einen Imbiss vor oder nach einer Vorstellung. Ich kann das Schwarze Café wärmstens empfehlen, wo man eine frisch zubereitete, gesunde Mahlzeit oder ein ausgezeichnetes Dessert in einem Saal im barocken Stil einnehmen kann.

Wenn Sie sich eine traditionell deutsche Mahlzeit gönnen möchten, ist das Nikolaiviertel dafür die beste Adresse. Fünf Minuten vom Alexanderplatz entfernt ist diese Gegend eine der ältesten in Berlin. Hier können Sie durch die rekonstruierten mittelalterlichen Gassen schlendern und dann in der Gerichtslaube einkehren, wo freundliches Personal Sie zu reichhaltigen Gerichten und erfrischenden deutschen Bieren willkommen heißt.

 

Aus dem Englischen übertragen von Hedy Mühleck.