Wien ist eine Stadt, die Synonym für Kunst und Musik ist – der Geburtsort Schuberts und Heimstatt zahlreicher Legenden des 19. und 20. Jahrhunderts, einschließlich Beethoven, Brahms, Bruckner, Schönberg und Mahler, um nur einige wenige zu nennen, dazu Denker wie Sigmund Freud, Ludwig Wittgenstein und Erwin Schrödinger sowie eine Fülle von Künstlern und Interpreten. Zu sagen, dass Wien in seiner Vergangenheit schwelgt, wäre untertrieben. Wie Gustav Mahler berühmterweise sagte: „Wenn die Welt untergeht, fahre ich nach Wien, denn dort passiert alles 25 Jahre später.“*

Blick in die Gärten Belvederes © Lisa Boucher Herger | www.lisa.herger.at
Blick in die Gärten Belvederes
© Lisa Boucher Herger | www.lisa.herger.at
Wien betrachtet den Trubel anderer großer Städte mit ironischem Blick, nippt an einem Glas Sekt und beobachtet jahrelang, was funktioniert und was nicht, bevor Modernisierungen umgesetzt werden. Während das ziemlichen Stress bedeuten kann für all diejenigen, die im August Papierkram erledigen, mit Kreditkarte zahlen oder an einem Sonntag Milch kaufen wollen, hat das hartnäckige Festhalten an und die Heiligkeit der Tradition sowie die Bedeutung von „Ruhe“ - oft in Gestalt von Feiertagen – sicherlich ihren Wert und tragen zu dem hohen Lebensstandard in Wien bei.

Was musikalische Unterhaltung angeht, trumpft Wien mit drei Opernhäusern auf. Die Staatsoper bedarf keiner Vorstellung mit ihren etwa 50 Produktionen in beinahe täglichen Vorstellungen für zehn Monate im Jahr, und die Volksoper kann ein wunderbarer Ort sein, um sowohl Operette oder Musical als auch klassische Opernkost zu sehen. Eines der aufregendsten Häuser ist das Theater an der Wien, das beständig spannende Produktionen bietet, und ebenso die Kammeroper, die Heimatbühne im Westentaschenformat für die jungen Künstler des Theater an der Wien. Für diejenigen, die Konzerte der Oper vorziehen, sind sowohl das Konzerthaus als auch der Musikverein mit seinen goldenen Büsten ein beliebter Treffpunkt für die Größen der klassischen Musik, der von Mitte September bis Ende Juni programmatisch vollgepackt ist.

Die Staatsoper © Lisa Boucher Herger | www.lisa.herger.at
Die Staatsoper
© Lisa Boucher Herger | www.lisa.herger.at
Für Museumsliebhaber ist Wien gleichermaßen dekadent. Eine verregnete Woche kann im opulenten Kunsthistorischen oder Naturhistorischen Museum eine schöne Sache sein. Die Albertina ist ein Hotspot für Wanderausstellungen, während die Habsburger Paläste, die Anlagen der Sommerschlösser Schönbrunn und Belvedere, für ihre jeweiligen Museen und ihre geformten Gärten berühmt sind. Wenn Sie auf Gold und Juwelen aus sind, besuchen Sie das Museum der Schatzkammer, randvoll mit allem von Kronjuwelen über Roben zu kunstvollen Waffen.

Kunst Haus-Garten © W. Simlinger | Kunst Haus Vienna
Kunst Haus-Garten
© W. Simlinger | Kunst Haus Vienna
Zwei meiner persönlichen Favoriten sind das farbenfrohe Kunst Haus Wien, entworfen von Friedensreich Hundertwasser, und das Museumsquartier, das als das achtgrößte kulturelle Zentrum der Welt angepriesen wird und das Leopoldmuseum, das MUMOK (Museum of Modern Art), das Zoom Kindermuseum, das Tanzquartier und die Kunsthalle in einem kompakten Komplex beheimatet. Darüber hinaus ist das Museumsquartier voll von Restaurants, Cafés und einfallsreicher Außenbestuhlung und ist das ganze Jahr über Schauplatz für eine Vielzahl von Theater-, Mode- und Musikveranstaltungen sowie Seminare und Informationsmessen.

Wenn Sie ein Architekturenthusiast sind, bietet eine Fahrt auf der Ringstraße, die den Verlauf der alten Stadtmauer kennzeichnet und den ersten Bezirk umschließt, eine Fülle von Konstruktionen des 19. Jahrhunderts, einschließlich des Parlaments, der Börse, des Burgtheaters, des Rathauses und der neogotischen Votivkirche. Im ersten Bezirk darf man sich den Stephansdom nicht entgehen lassen und ein Ausflug um die Hofburg, ehemaliger Sitz des Habsburger Imperiums, bietet alles von den kaiserlichen Reitställen voller Lipizzaner zur prächtigen Nationalbibliothek und der Kapelle, in der man jeden Sonntag Morgen den Wiener Knabenchor hören kann.

Ein Wiener Weihnachtsmarkt © Johann Werfring | Wikicommons
Ein Wiener Weihnachtsmarkt
© Johann Werfring | Wikicommons
Es gibt auch keine schlechte Jahreszeit für einen Besuch. Der Herbst ist perfekt, um in einem der zahlreichen Heurigen den aktuellen Jahrgang Grünen Veltliner oder Welschriesling zu den live gespielten Klängen von Volksmelodien und sogenannten Wienerliedern probieren. Der Advent ist die Zeit, um geröstete Maronen von Straßenverkäufern zu essen und die unzähligen Weihnachtsmärkte zu besuchen, die in der ganzen Stadt aufgebaut werden. Verschiedenste Varianten von Punsch oder Glühwein sind in jahreszeitlichen Tassen erhältlich, außerdem kann man Handgefertigtes, Souvenirs und Geschenke kaufen. Streifen Sie im Januar und Februar Ihren Frack oder Ihr Ballkleid über und erleben Sie einen der jährlich 450 Bälle in der Faschingszeit. Die begehrtesten finden in der Staatsoper, den kaiserlichen Palästen, im Musikverein, dem Konzerthaus, dem Rathaus und dem Kursalon statt.

Getränke im Schweizerhaus © Clemens Pfeiffer | Wikicommons
Getränke im Schweizerhaus
© Clemens Pfeiffer | Wikicommons
Bei gutem Wetter beherbergt das Prater-Areal – vormals Jagdgebiet Kaiser Josephs II. - nicht nur das berühmte Riesenrad und andere Vergnügungsparkattraktionen des Wurstelpraters, sondern auch sechs Millionen Meter Grünfläche mit asphaltierten Fußwegen zum Joggen, Radfahren und Inlineskaten. Im Prater findet man auch familienfreundliche Restaurants wie das Schweizerhaus mit seinem berühmten Bier, das Stadionbad, das Ernst-Happel-Stadium und Prater Dome (Wiens größte Diskothek). Die Donaugegend, Inseln und Kanäle, flankiert von Restaurants, Radwegen, Schwimmgelegenheiten und Graffitikunst, bieten Alternativen für Entspannung.

Schlechtes Wetter bedeutet lediglich, dass es an der Zeit ist, Wiens legendäre Kaffeehauskultur zu erleben, die heute von der UNESCO als „immaterielles Kulturerbe“ betrachtet wird. Ausflüge zu den legendären Kaffeehäusern sind ein Muss – Café Hawelka, Café Central und Café Prückel sind die berühmtesten – obwohl Sie hier wahrscheinlich auf ein Wiener Phänomen treffen: den mürrischen Kellner im dunklen Anzug.

Café Central © Wikicommons
Café Central
© Wikicommons
Die Erfahrung aber macht es das wert mit Melange, Einspänner und Großem Braunen (alle drei beliebte Wiener Kaffeekreationen) im Überfluss, die man stundenlang ungestört mit der Lektüre der vielen, kostenfrei verfügbaren Zeitungen genießen kann. Das Wiener Kaffeehaus wird oft als öffentliches Wohnzimmer beschrieben und nach einem Abstecher in eines davon werden Sie einen der österreichischsten Charakterzüge verstehen: den Wunsch, allein unter vielen zu sein. Wien ist so voller Kultur wie seine Kuchen und Schnitzel voller Kalorien. Der Trick ist, vorauszuplanen und sich nicht zu übernehmen. Und wenn Sie bei diesem Ausflug etwas nicht schaffen, keine Sorge: Wien wird sich wahrscheinlich nicht so schnell verändern.

* Dieses Mahler zugeschriebene Zitat kursiert in verschiedenen Versionen und auch die darin genannte „Zeitverschiebung“ in Wien variiert von 10 bis 50 Jahre. Vielleicht ist die exakte Zahl aber in diesem Falle gar nicht so wichtig. [Anm. d. Übersetzerin]


Aus dem Englischen übertragen von Hedy Mühleck.