Die Produktion von Rossini’s La Cenerentola an der Bayerischen Staastoper ist typisch Ponelle. Sie stammt aus dem Jahre 1973 (als sie am Teatro alla Scala zum ersten Mal aufgeführt wurde) und trat 1981 auch als Filmversion in die Öffentlichkeit, es ist also eher unwahrscheinlich, dass sie noch irgendjemanden überraschen wird. Figuren in Kostümen des 19. Jahrhunderts (ungefähr) singen in einem zu kleinen, zweidimensionalen Bühnenbild in Schwarz-Weiß. Gestik und Ticks sind übertrieben, Slapstick-Momente werden ausgeschlachtet. Sie ist albern und ein wenig einfältig, aber so ist Rossinis Oper nun mal. Und die Besetzung am Sonntag Abend war in Bestform und unwiderstehlich. Beim letzten Bild mit pseudohistorischem Selfie (komplett mit Blitz) konnte ich nicht mehr aufhören zu grinsen.

Musikalisch und dramatisch hatte die Oper einen holprigen Start. Die Ouvertüre war geschlampt, mit einigen asynchronen Enden und mangelnder Balance in der Dynamik. Die erste Zeile des Prinzen von „Un soave non so che“ war kaum hörbar, das typische buffa-Geplapper fühlte sich langsam an, und die Energie der Sänger schien gering. Es gab Ausnahmen: Als Magnifico bewies Carlos Chausson, dass er sowohl ein fabelhafter Charakterschauspieler als auch der Besitzer eines beeindruckenden, lyrischen Basses ist (besonders für eine buffo-Rolle), und Vito Priantes Dandini hatte viel zu viel Spaß daran, seinen Umhang, seine Rose und seinen falschen Schnurrbart zu zwirbeln, während mit übertrieben expressivem (wenn auch etwas kraftlosen) Bariton sang. Das Orchester und die Stars allerdings brauchten Zeit, um warmzulaufen.

Das änderte sich im zweiten Akt. Javier Camarenas Spitzentöne in „Si, ritrovarla io guiro“ waren einzigartig kraftvoll und rein – schwer und dicht, aber nahezu glockengleich in ihrer Beständigkeit und Resonanz. So habe ich noch nie zuvor einen Tenor gehört. Tosender Applaus. Das Staatsopernpublikum war nicht so fordernd wie das der Met und rief nicht nach einer Zugabe, doch es war nicht weit davon entfernt. Isabel Leonards Triumph folgte später, in der Koloratur-Herausforderung „Nacqui all'affanno... Non più mesta“. Sie zeigte einen konsistenten, angenehmen Ton im weiten Ambitus dieser Arie und präzise, energiegeladene Läufe und Triller mit wunderschönem, sicheren Lächeln.

Als Cenerentolas böse Stiefschwestern waren Paola Gardina (Tisbe) und Eri Nakamura (Clorinda) wunderbar übertrieben und zankten sich selbst beim Vorhang noch. Beide besitzen klare, helle Stimmen, aber sie waren gewillt, die Tonqualität zugunsten der Charakterdarstellung zu opfern. Nakamura verdient besondere Erwähnung für ihre schrecklich weinerliche letzte Zeile und ihre schrille Totenklage am Ende der vorletzten Szene. Der arme Alidoro musste sich die Ohren zuhalten! In der Rolle dieses vermeintlichen Philosophen enttäuschte Ildebrando D'Arcangelo: „Il mondo è un gran teatro“ war uneben, zeigte manchmal große stimmliche Fülle und Kraft, war dann jedoch wieder nicht gerade überwältigend und wenig expressiv.

Normalerweise bin ich kein Fan von Slapstick, aber diese Inszenierung machte das so charmant und wohlkoordiniert mit der Musik, dass sie mich überzeugt hat. Der stimmschöne und fesch gekleidete Chor der Höflinge langweilte sich oft und benahm sich flegelhaft, war dann jedoch schlagartig zur rechten Zeit wieder auf Position. Das gänzlich unpassende musikalische Zwischenspiel mit einem Spaziergang im strömenden Regen war ein Publikumshit wegen seines umhegten Stars: ein liebenswerter schwarzer Pudel. Der Running Gag der Show aber war ein alberner Gang. Höflinge, Stiefschwestern, und sogar der Philosoph Alidoro stolzierten, schlurften, trotteten, marschierten, tanzten und bewegten sich in einer Weise über die Bühne, für die es keinen Ausdruck gibt. Dieser seltsame Einfall funktionierte gut in Verbindung mit Rossinis punktierter, repetitiver Musik.

Nach den Ausrutschern in der Ouvertüre wurde die Musik von Antonello Allemandi gut dirigiert, und vom Bayerischen Staatsorchester gut gespielt. Allemandis Stil passte gut zur Komödie, mit raschem Tempo und plötzlichen dynamischen Wechseln.

Suchen Sie in dieser Cenerentola nicht nach politischem Kommentar, psychologischer Erkenntnis oder gar dreidimensionalen Charakteren. Sie ist einfach ein Märchen voller Komik und einem Selfie. Aber sie wird sicherlich ein Lächeln auf die Gesichter von Zuhörern jeden Alters zaubern.


Aus dem Englischen übertragen von Hedy Mühleck.

****1