Die Walküre
an der Oper Leipzig ist eine dunkle, grüblerische, beklemmende Inszenierung. Hundings Hütte ist ein bedrückender Kellerraum mit niedrigen Decken, der durch eine Wendeltreppe erreicht werden kann. Die aufkeimende Liebe zwischen Siegmund und Sieglinde ist nicht so sehr eine Verbindung zweier junger Herzen, als ein verzweifelter Versuch von verletzten Seelen, sich zu befreien. Als Siegmund vom Frühling singt, der den Wintersturm vertreibt, öffnet sich die hintere Wand des Raumes und offenbart ein dunkelblau gefärbtes Äußeres, kein einladender, freundlicher Platz.

Markus Marquardt (Wotan) und Eva Johansson (Brünnhilde), Ensemble © Tom Schulze
Markus Marquardt (Wotan) und Eva Johansson (Brünnhilde), Ensemble
© Tom Schulze

Die Familienresidenz Wotans im zweiten Akt ist nicht mehr die opulente Eingangshalle des Rheingolds. Die zwei Seitenwände sind zusammengebrochen; ein großer Kamin nimmt die Mitte des dadurch verkleinerten Raumes ein. Wotan und Frickas Kleidung, Haare und generelles Erscheinungsbild erinnerte mich an Wagner und dessen Frau Cosima. Die mittlere Wand hebt sich, um die Bühne für die Todesverkündung und den Kampf zwischen Siegmund und Hunding freizugeben. Die Beleuchtung bleibt dunkel und düster.

Akt 3 spielt in einem zusammengefallenen Kolosseum mit einer geneigten Wand auf einer Seite und einem runden vertieften Boden. Eine kleine Bühne ist abseits der Mitte platziert. Die Vorderseite der Bühne ist überfüllt mit etlichen kleinen weißen Stiefeln, vermutlich erinnern diese an die toten Helden. Die rauchige blaue Färbung dominiert weiterhin die Bühne; Wotan erscheint mit einem langen blauen Mantel. Die Walküren sind in khakifarbenen Röcken und Hosen gekleidet, manche mit Jacken und alle tragen wie Hunding ein Gewehr.

Ziv Frenkel (Grane) und Eva Johansson (Brünnhilde), Ensemble © Tom Schulze
Ziv Frenkel (Grane) und Eva Johansson (Brünnhilde), Ensemble
© Tom Schulze

Die Tänzer sind zurück, als Frickas Lamm, Wotans Raben, manche liegen während des zweiten Aktes geduldig am Boden, um Requisiten zu entfernen. Jede Walküre wird von einem Tänzer in weißer wehender Kleidung und mit Helm, was wohl Pferde symbolisieren sollte, begleitet. Brünnhilde wird auf Schritt und Tritt von einem männlichen Tänzer, als Grane verkleidet, beschattet. Als sie sich zum Schlafen hinlegt, erscheint eine als Loge gekleidete Figur und entfacht um die Bühne ein Feuer.

Ulf Schirmer und das Gewandhaus Orchester waren in bestechender Form. Das langsame Tempo im ersten Akt (70 Minuten!) passte zur düsteren Atmosphäre der Inszenierung, jeder Donner der Trommeln beschwor den stürmischen Kampf herauf. Das Orchester betonte die dunkle Klangfarbe mit markanten Celli, Bässe, Hörnern und Tuben. Das Tempo nahm im zweiten Akt Fahrt auf, das Orchester trieb die Handlung dieses entscheidenden Aktes des gesamten Rings voran, als sich Wotans Plan, die Götter zu retten, beginnt zu lösen. Das Orchester spielte gespannt und fokussiert. Im dritten Akt, wenn Brünnhilde sich aufmacht, die Welt zu retten, steigerte Schirmer die Dynamik, fast so als wolle er eine neue Phase des Dramas signalisieren und die Kampfschreie der Walküre verstärken. Das Blechregister war glorreich, ließ uns den kommenden Helden erwarten. Das Tempo und die Dynamik verringerten sich und endeten in einem kaum wahrnehmbaren Flüstern, als sich Wotan von Brünnhilde verabschiedet, bevor Loge das Feuer um sie entfacht. Ich wünschte, das Publikum hätte den enthusiastischen Applaus einige Momente zurückgehalten und die Stille nach dem Verschwinden der Musik ausgekostet.

Markus Marquardt (Wotan) und Eva Johansson (Brünnhilde ), Ensemble © Tom Schulze
Markus Marquardt (Wotan) und Eva Johansson (Brünnhilde ), Ensemble
© Tom Schulze

Der Gesang war von höchster Qualität, Thomas Johannes Mayers Wotan, voller Zorn und Frustration, passte zu Iréne Theorins feurigen und gebieterischen Brünnhilde. Die zwei Veteranen beeindruckten darin, die strafenden Rollen mit Ausdauer und manchmal sanft zu singen, zeigten bewundernswerte Musikalität im Einklang mit dem Orchester. Simone Schneiders Stimme hat vielleicht nicht die Klarheit und den Glanz einer Sieglinde, aber ihre beeindruckende Bruststimme und sichere hohe Noten machten sie eine bewegende, starke Frau, kein schwaches Opfer. Simon O’Neills Siegmund war fesselnd und heroisch; seine Rufe nach Wälse schienen ewig zu dauern. Kathryn Gorings Fricka und Runi Brattabergs Hunding rundeten ein starkes Ensemble ab. Die acht Walküren sangen und spielten mit Energie und Begeisterung, obwohl sie womöglich von mehr Proben profitiert hätten.

Die Regisseurin Rosamund Gilmore hat uns ein ironisches und humorvolles Rheingold gegeben, gefolgt von einer Walküre voller Angst und düsterer Vorahnungen. Die letzten zwei Teile des Leipzig Rings versprechen Überraschungen und Begeisterung.

 

Aus dem Englischen übertragen von Elisabeth Schwarz

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