Als dichter Nebel während der Ouvertüre über die in der mitte der Bühne zusammengekauerte Gestalt des Eriks zog, war ein Geräusch fehl am Platz: Wassertropfen. Das laute Tropfgeräusch dissonierte mit den letzten Akkorden dieser gefühlsgeladenen Ouvertüre. Es tropft während der Oper ununterbrochen weiter, höchstwahrscheinlich um den Bach hinter der Kulisse wieder aufzufüllen, durch den jeder durch muss, um auf die Bühne zu gelangen. Die dadurch entstandene trostlose, feuchte Atmosphäre gibt den Ton für das gesamte Stück an, währenddessen Erik meistens irgendwo im Schatten der Kulisse präsent bleibt.

Regisseur Christian Spuck gibt den Charakteren nicht einmal einen kleinen Funken Hoffnung auf privates Glück während des zweieinhalbstündigen Dramas. Spuck, Tänzer und derzeit Direktor des Ballett Zürich, kreiert durch seine Choreographie der Protagonisten und des exzellenten Chors (von Raymond Hughes geleitet) oft lebende Bilder. Es liegt an den Sängern selbst, den Figuren emotionale Tiefe zu verleihen.

Obwohl Daland seiner Tochter und dem Fremden, der aus ihm einen reichen Mann macht, seinen Segen gibt, ist es doch von Anfang an gewiss, dass niemand Liebe oder Erfüllung in dieser grausamen und egozentrischen Erzählung finden wird. Jeder ist verdammt und so ist es kein Wunder, dass Senta in der letzten Szene Eriks Jagdmesser nimmt, um Selbstmord zu begehen, gerade als der Holländer durch das Wasser in das Meer hinaus watet. Am Ende nimmt Erik die gleiche zusammengekauerte Position wie am Anfang ein, wachend über ein Modellsegelboot.

Samuel Youn (Der Holländer) © Thomas Jauk
Samuel Youn (Der Holländer)
© Thomas Jauk

Bei all der Düsterkeit und dem Verderben, gab es im Orchestergraben einen Lichtpunkt. Donald Runnicles führte das Orchester unerbittlich, verwechselte Lautstärke oft mit großer Leidenschaft, aber das hält diese Wagnersche Musik aus. Und das konnten auch die Sänger.

Die schwedische Sopranistin Ingela Brimberg war mit ihrem klaren Sopran eine völlig überzeugende junge Senta, verliebt in einen Mythos. Ihr endgültiges Bekenntnis zum Holländer, ihre Treue über den Tod hinaus beschwörend, war besonders emotionsgeladen und herzerweichend. Tenor Thomas Blondelle war in seiner Liebe zu Senta gleichermaßen authentisch, mit seiner Hoffnung, sie vor ihrem selbst erkorenen Schicksal zu retten.

Ingela Brimberg (Senta) © Thomas Jauk
Ingela Brimberg (Senta)
© Thomas Jauk

Samuel Youn war als unheimlicher Holländer leider indisponiert, seine Stimme oft unsicher. Ohne Zweifel wird er die Rolle in zukünftigen Aufführungen ausfüllen. Er feierte 2012 großen Erfolg, als er die Rolle in Bayreuth sang. Tobias Kehrers Daland war ein glänzender Opportunist. Sein warmer stark, aber scharfsinnig klingender Bariton kann sein Glück nicht fassen, einen Ehemann für seine Tochter gefunden und großen Reichtum erlangt zu haben. Ronnita Miller porträtierte eine sehr glaubwürdige Mary, die versucht die Frauen während der langen Abwesenheit der Männer in Zaum zu halten. Matthew Newlins leichter und jugendlicher Tenor in der Rolle des Steuermann, konnte zu den fast komischen Fratzen beitragen, durch die ihn Daland und die Seemänner schickten.

Bühnenbildner Rufus Didwiszus war für Tropfen-Klänge verantwortlich – ein Detail, das man leicht hätte weglassen können. Seine ansonsten wirkungsvolle Konstruktion aus schmutzigen Segeltüchern verwandelte das Segelschiff geschickt in einen Innenraum. Emma Ryott kreierte für alle außer Erik, der seinen dunkelgrünen Jagdmantel trug, schwarze historische Kostüme. Der Anachronismus hier ist, dass er als einziger um das Leben kämpft, obwohl er Jäger von Beruf ist.

Während der gesamten Oper, wie üblich ohne Pause aufgeführt, konnte man kaum ein Husten der Zuhörer vernehmen, ein Zeichen, dass sie vollständig in Wagners Melodrama eingetaucht waren.

 

Aus dem Englischen übertragen von Elisabeth Schwarz.

****1