Der Ring-Zyklus an der Oper Leipzig schloss am Sonntag mit einer stilvollen und nachdenklichen Produktion der Götterdämmerung ab. Wie schon beim Rheingold, wählte die Regisseurin Rosamund Gilmore einen einzigen Schauplatz für die Oper, mit einer kleinen Veränderung. Die Handlung spielt in einem riesigen, offenen, modernen Wohnzimmer mit etlichen rechteckigen Säulen. Im Hintergrund kann man ein breites Panoramafenster erkennen. Im ersten Akt dient ein kleiner Balkon als Brünnhildes Felsen, welcher für den zweiten und dritten Akt entfernt wird, genauso wie eine Vitrine, bei der Gutrune auf Siegfrieds Ankunft wartet. Es gibt wenig Requisiten, hauptsächlich ein rechteckiger Couchtisch und einfache Stühle; ein weißer Flügel steht auf der rechten Seite der Bühne. Siegfrieds naive Bewunderung für das Klavier wird im dritten Akt schmerzlich aufgegriffen, als dieses als dessen Sarg dient.

Das Klavier wird zu Siegfrieds Sarg © Tom Schulze
Das Klavier wird zu Siegfrieds Sarg
© Tom Schulze

Michael Rögers Beleuchtung ist erneut wirkungsvoll darin, passende Stimmungen zum Musikdrama zu schaffen. Ein rauchiges Blau ist weiterhin die beherrschende Farbe, mit einem scharfen hellen Licht im zweiten Akt, dass die grausame Welt der Gibichungen darstellt. In der Opferszene wird lediglich das Klavier, das Siegfried trägt und auf dem Brünnhilde steht, rot beleuchtet; die restliche Bühne wird in ein dunkles Grau und Blau gehüllt. Die Musik schildert die feurige Zerstörung. Die Tänzer erscheinen als Götter verkleidet und umringen den Scheiterhaufen, nur um danach in die Säulen zu entschwinden und gemeinsam mit dem Klavier, Siegfried und Brünnhilde unter die Bühne zu sinken. Lediglich ihre Köpfe kann man noch erkennen. Das glorreiche Finale wird auf einer leeren Bühne gespielt, die letzten Töne klingen noch lange in der Luft nach.

Die Tänzer werden als Helfer der Nornen eingesetzt, um das Schicksalsseil zu spannen, als Diener der Gibichungen (Hausmädchen tragen Lammköpfe, Diener Rabenflügel), um Requisiten zu bewegen und als Wassergeister, die um die Rheintöchter tanzen. Besonders zu erwähnen ist der Tänzer Ziv Frenkel, der als Grane durch den gesamten Ring tanzte. In der Götterdämmerung entledigt sich dieser Grane des Pferdekostüms und wandelt sich zu einem weiß gekleideten Menschen, der Siegfried auf seiner Reise zum Rhein und dessen toten Körper von der Jagd begleitet. Seine Präsenz war verstohlen und leise genug, um nicht vom Musikdrama abzulenken, aber zugleich auch bewegend in manchen Momenten.

Sandra Maxheimer (Wellgunde), Magdalena Hinterdobler (Woglinde) und Sandra Janke (Flosshilde) © Tom Schulze
Sandra Maxheimer (Wellgunde), Magdalena Hinterdobler (Woglinde) und Sandra Janke (Flosshilde)
© Tom Schulze

Das Gewandhaus Orchester war erneut in Höchstform. Dirigent Ulf Schirmer gab sich Mühe, die stillen und intimen Momente im ersten Akt hervorzuheben, erlaubte Brünnhildes Duett mit Siegfried und Waltraute sich als Dialog, anstatt eines Streitgesprächs, zu entfalten. Er ließ das Orchester während Hagens Hornruf in voller Lautstärke spielen, drei Musiker standen mit kleinen Alphörnern auf der Bühne. Siegfrieds Trauermarsch begann verhalten, aber Schirmer baute das Momentum und die Dynamik aus, um einen herrlichen Höhepunkt vor der ruhigen Coda zu erreichen. Die Opferszene gab ausreichend Möglichkeiten, die musikalischen Motive des Ringes aufzugreifen, und fasste die vier Abende nochmals großartig zusammen.

Thomas Mohr sang einen exzellenten Loge im Rheingold, war allerdings eine unpassende Wahl als Siegfried. Am besten war er in Siegfrieds Erinnerung und seiner Verabschiedung von Brünnhilde im dritten Akt, als er nuancenreich und zärtlich sang. Im pathetischen Gesang fühlte er sich sichtlich unwohl, besonders im zweiten Akt. Christiane Libor brillierte als Brünnhilde darin, sowohl die hohen als auch die tiefen Noten der Rolle zu vereinen, mit einer gleichmäßigen stimmlichen Darbietung und sicheren hohen Tönen. Ihre Stimme verlor nie ihre luxuriöse Wärme, aber arbeitete im zweiten Akt bei lauten und zornigen Ausbrüchen gegen sie. Das „Rache-Trio” war nicht der erwartete Höhepunkt des Aktes. Runi Brattaberg nahm weiterhin die tiefen männlichen Rollen des Rings auf sich, und sein Hagen wurde mit schwarzem Sarkasmus gesungen und gespielt.

Opernchor Leipzig © Tom Schulze
Opernchor Leipzig
© Tom Schulze

Die Gibichungen Geschwister – Tuomas Pursio als stimmlich starker und neurotischer Gunther und Gal James als stimmlich strahlende Gutrune – leisteten einen würdigen Beitrag. Karin Lovelius hinterließ als Waltraute, obwohl stimmlich und schauspielerisch gut genug, keinen bleibenden Eindruck. Sowohl Mohr als auch Libor kehrten nach der Pause im dritten Akt, dem musikalischen Höhepunkt des Abends, mit frischer Stimme und Stamina zurück – ein weiterer Leipzig Ring für die Geschichtsbücher.

 

Aus dem Englischen übertragen von Elisabeth Schwarz