Bo Skovhus (Graf), Cornel Frey (Armand) und Lavinia Dames (Juliette) © Hans-Jörg Michel
Bo Skovhus (Graf), Cornel Frey (Armand) und Lavinia Dames (Juliette)
© Hans-Jörg Michel

Die meisten Komödien spielen mit einem Element des Sujets der vereitelten Hochzeit. Lehárs Operette Der Graf von Luxemburg steht auf der anderen Seite und macht sich komödiantisch über die Folgen einer fingierten Ehe lustig. 1909 in nur drei Wochen geschrieben war das Werk der erste große Erfolg des Komponisten nach der Lustigen Witwe – Lehár befand sich auf dem Höhepunkt seines Schaffens und hatte in dieser Saison drei neue Werke gleichzeitig an Wiener Theatern laufen. Für seine neue Produktion an der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf hat Jens-Daniel Herzog die Handlung in die heutige Zeit versetzt – ein Wiener Blick auf das Künstlerparis und die russische Ernsthaftigkeit, mit satirischem Zwinkern gen gegenwärtige politische und finanzielle Ereignisse.

Der Graf des Titels ist mittellos und erliegt dem bezahlten Angebot eines russischen Mafioso (dessen omnipräsentes Schlägertrio dieser Entscheidung nachhilft), eine Opernsängerin zu ehelichen, damit die einen Adelstitel erhält und, nach einer schnellen Scheidung, vornehm genug ist, um den Russen selbst zu heiraten. Nach einer Hochzeitszeremonie, die durch ein Loch in der Wand durchgeführt wurde, treffen sich der Graf und die Opernsängerin unausweichlich und verlieben sich ineinander. Mit den Abwehrversuchen der beiden gegenüber Drohungen der Russen und einer Nebenhandlung um zwei Bohème-Freunde des Grafen gibt es reichlich Gelegenheit, komische Möglichkeiten auszuloten. Und Herzog nutzt sie mit Genuss. Seine Inszenierung ist von Anfang an einfallsreich und Mathis Neidhardts Bühnenbild erlaubt geschmeidige Szenenwechsel, die uns binnen Sekunden vom Abstrakten zu Realismus tragen. Allein im ersten Akt heben das Künstlerpaar Armand und Juliette Bodypainting auf eine neue Ebene; ein männliches Tänzerpaar, bekleidet nur mit Tigerfell-Slips, erscheint beliebig, um zu posieren und während Juliettes Solonummer ein Paar Flutlichter zu bedienen, und die drei russischen Handlanger erhalten jede Gelegenheit für Slapstick. Es gibt auch Surrealismus – ein Teufel erscheint aus dem Kühlschrank, als der Handel des Grafen mit dem Mafioso unterzeichnet wird, der Portier des Sängertheaters trägt volles Drachenkostüm und über das Ende sage ich nichts weiter, um es für diejenigen, die die Inszenierung erst noch sehen werden, nicht zu verderben.

Lavinia Dames (Juliette Vermont) und Cornel Frey (Armand Brissard) © Hans-Jörg Michel
Lavinia Dames (Juliette Vermont) und Cornel Frey (Armand Brissard)
© Hans-Jörg Michel

Dies mag Herzogs erste Operette als Regisseur sein (obwohl er an seinem Heimattheater in Dortmund, wo er Intendant ist, schon zahlreiche geleitet hat), doch er hat jede Gelegenheit, die das Werk bietet, begierig aufgenommen. Die Handlung rast nur so dahin, doch alles ist akribisch choreographiert und die Handlung zieht sich nur im dritten Akt, in dem Oliver Breites multitaskendes Ein-Mann-Hotelpersonal – eine Sprechrolle – ans Leidige grenzt.

Herzog ist außerdem mit einer Besetzung erster Klasse gesegnet, angeführt in der Rolle des Grafen von Bo Skovhus, kein Sänger, den man üblicherweise mit der körperlicheren Seite einer Komödie assoziiert, doch einer, der eindeutig in seinem Element war – seine Drag-Verkleidung als Juliette muss man sehen, um sie zu glauben. Ihm gegenüber als Opernsängerin Angèle war Juliane Banse packend, ihr Sopran mit Mezzo-Färbung poliert und strahlend. Lavinia Dames spielte die Soubrettenrolle der Juliette bis an die Grenze des Möglichen und Cornel Frey beeindruckte als ihr liebeskranker Maler-Liebhaber. Bruce Rankins Tenor schallte klar als Mafioso Boris Basilowitsch und es war ein Genuss, im letzten Akt mit Susan Maclean eine ehemalige Bayreuth-Kundry in der kleinen Rolle der Gräfin Stasa Kokozowa zu sehen – ihre Arie, die die Litanei ihrer Lebensenttäuschungen auflistet, wurde im Übrigen auch aktualisiert mit Referenzen zu gewissen politischen Ereignissen in den USA und anderswo.

Bo Skovhus, Juliane Banse, Luis Fernando Piedra und Bruce Rankin © Hans-Jörg Michel
Bo Skovhus, Juliane Banse, Luis Fernando Piedra und Bruce Rankin
© Hans-Jörg Michel

Lehárs Musik – wenngleich außerhalb deutschsprachiger Gebiete nicht so bekannt die die Lustige Witwe – birgt eine Leckerei nach der anderen, von grandios schmalzigen Walzernummern zu munteren Märschen und energischen Chören (hier knackig gesungen), und die findige Orchestrierung wurde von den Düsseldorfer Symphonikern liebevoll unter der Leitung des Kapellmeisters der Oper am Rhein Lukas Beikirchner gespielt.

 

Aus dem Englischen übertragen von Hedy Mühleck.

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