Basierend auf einer Kurzgeschichte von Nikolai Gogol ist Der Jahrmarkt von Sorotschinzy eine selten gegebene Oper von Modest Mussorgsky und ein wirklich seltsames Werk. Als der Komponist 1881 starb, hatte er es nur zur Hälfte abgeschlossen und hinterließ einige vage Skizzen für den Rest. Verschiedene Komponisten versuchten sich an einer Vervollständigung, unter denen sich die Wissarion Schebalins (1931) als Standard etabliert hat und auch für diese Produktion verwendet wurde.

Hans Gröning (Zigeuner) und Ensemble © Monika Rittershaus
Hans Gröning (Zigeuner) und Ensemble
© Monika Rittershaus

Das zweistündige Werk verbindet Elemente der Magie, grotesken Humor und erotische Situationen, die die vielseitige, russische Folkloretradition des 19. Jahrhunderts spiegeln. Mussorgsky ist besser für seine Dramen bekannt, und diese Oper ist voller hochemotionale Chor- und Orchesterausbrüche, einschließlich einer Traumsequenz für den Helden, die musikalische Merkmale aus seiner Nacht auf dem kahlen Berge aufgreift.

Die Handlung gleicht einer phantastischen Tollerei zwischen Traum und Realität. Ein Teufel (Tschernobog) wird der Hölle verwiesen und beschließt, sein Glück im kleinen ukrainischen Dorf Sorotschinzy zu versuchen, wo in Kürze ein Jahrmarkt stattfinden wird. Aus Langeweile beginnt er zu trinken und verzecht seinen roten Mantel (behält aber seine rotbesohlten Schuhe) an den Wirt in dem Vorhaben, ihn später wieder auszulösen, doch der Wirt verkauft ihn. Aus Rache sucht der Teufel ihn des Nachts in Gestalt eines Schweines heim. In der Zwischenzeit verliebt sich die junge Parasja in Gritsko. Obwohl ihr Vater, der dauerbetrunkene Bauer Tscherewik, der Verbindung zustimmt, hegt Chiwrja, seine neue Frau und Parasjas Stiefmutter, einen Groll gegen die Beziehung. Chiwrja ist selbst nicht unschuldig und erwartet ihren Liebhaber in der Küche, wo sie sich kochend und backend ins Zeug legt, um ihn zu verführen. Tscherewik kehrt früher nach Hause zurück und Chiwrja heißt ihren Liebhaber sich verstecken – indem sie ihm einen übergroßen Truthahn über den Kopf stülpt. Gritsko hat einen Alptraum, in dem Satanspriester, als Schweine verkleidet, sich einem Festmahl hingeben und dem Teufel huldigen, und er findet des Teufels roten Mantel. Als er erwacht, trifft er Parasja und sie singen von ihrer gegenseitigen Liebe. Tscherewik beschließt, dem jungen Paar gegen den Willen seiner Frau seinen Segen zu geben; das Dorf stimmt ein und feiert die jungen Liebenden.

Ensemble © Monika Rittershaus
Ensemble
© Monika Rittershaus

Der Jahrmarkt von Sorotschinzy wurde zuletzt 1948 an der Komischen Oper Berlin gegeben, inszeniert von dem legendären Regisseur Walter Felsenstein. Jetzt hat Barrie Kosky, Regisseur und Intendant des Hauses, sich daran versucht. Mit seinem gewohnten Einfallsreichtum schafft Kosky eine Serie von unabhängigen Szenen, die oft von Mitgliedern des Chores zusammengehalten werden. Es besteht kein Zweifel daran, dass die Sängerinnen und Sänger des ausgezeichneten Chores (Leitung: David Cavelius) die eigentlichen Stars des Abends sind, wenn sie durch den Abend tollen und in modernisierten Bauernkostümen mit Bändern und Hüten zu Liebe und Leid kommentieren. Neben den Kostümen zeichnet Katrin Lea Tag auch für die minimalistisch leere, schräge Bühne mit nur einer mobilen Mehrzweckebene sowie die realistischen Tiermasken und Requisiten verantwortlich, die elementarer Bestandteil der Bühnenhandlung sind.

Ensemble © Monika Rittershaus
Ensemble
© Monika Rittershaus

Der starken Besetzung, die auf Russisch singt, steht Jens Larsen als Tscherewik vor, dem ewig berauschten Vater mit dem Herz aus Gold. Der steht völlig unter dem Pantoffel der polnischen Mezzosopranistin Agnes Zwierko, einer ausgezeichneten Chiwrja mit einer Meisterleistung von einer Szene, in der sie Köstlichkeiten für Ihren Liebhaber vorbereitet. Mirka Wagner gibt das naive Mädchen, das Tenor Alexander Lewis als einfachen Landjungen liebt. Ihre Musik und Charakterisierung ist blass im Vergleich zu dem, was Mussorgsky für die ältere Generation und den Chor geschrieben hat – Balladen über Liebe und Leben, die punktgenau in das Schema passen, in dem wir von russischer Tradition denken. Bariton Tom Erik Lie gibt den Teufel, der die ganze Geschichte ins Rollen bringt, und der zuletzt lacht.

Henrik Nánási peitschte sein Orchester mit Vergnügen durch Mussorgskys Partitur. War das der Gesang von Vögeln an einem Sommerabend? War das ein Trinklied, das Tscherewik mit seinem Kumpanen singt? Niemand denkt über Mussorgsky als den Komponisten einer unbeschwerten Komödie, und so überrascht es nicht, dass ein Schleier der Melancholie sich selbst über die fröhlichsten Melodien legt.

Lob gebührt den Sängern, dem Produktionsteam und dem Dirigenten, selbst wenn mancher Besucher in Anbetracht der Vorgänge auf diesem Jahrmarkt das Haus ein klein wenig verdutzt verließ.


Aus dem Englischen übertragen von Hedy Mühleck.

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