Ein Ring-Zyklus ist ein großes Unterfangen für jeden Regisseur. Das Rheingold dient dabei als Signal, das dem Publikum verrät, welche Ideen und welchen Stil er für Wagners Meisterwerk plant. Andreas Kriegenburgs Produktion an der Bayerischen Staatsoper lässt viele Fragen offen. Sein minimalistischer Stil konzentriert sich auf den menschlichen Körper und gestattet wundervolle Bewegung und Bühnenbilder. Andere Regie-Entscheidungen und Charakterinterpretationen jedoch gehen gegen den Text, ohne ein Indiz für deren Hintergrund. Dieser Ring ist mit Sicherheit visuell eindrucksvoll, aber es ist noch nicht klar, ob er emotional und intellektuell ebenso anregend sein wird.

Eine hölzerne Decke und ein hölzerner Boden neigen sich und formen verschiedene Handlungsorte, abgesehen davon ist die Bühne kahl. Tänzer bilden den Rest des Bühnenbildes. Als die Oper beginnt, entkleiden sie sich beinahe völlig und bedecken ihre Haut mit blauer Farbe. Dann schwanken und rollen sie, um den Fluss darzustellen; später bilden Tänzer die Türme des Götterschlosses. Sogar die großen Würfel, auf denen Fasolt und Fafner reisen, bestehen aus toten (Plastik-)Körpern. Der Hort bildet eine Ausnahme zu diesem Paradigma und erscheint in der Form eines hohlen Würfels. Doch trotz allem bleiben Körper im Fokus, denn die Figuren betreten ihn oder treten aus ihm heraus, um zu lieben und zu morden.

Die bizarrste Szene ereignet sich, als Wotan und Loge in Alberichs Minen hinabsteigen. Boden und Decke neigen sich stark; Statisten in Ganzkörperanzügen und Gasmasken wandern über den steilen Grund. Als Alberich vermittels seiner Tarnkappe Magie anwenden muss, scheinen sie grelles Licht in die Augen der Zuschauer, während die Transformation stattfindet. Während diese Taktik es sicherlich vermeidet, dass das Publikum Alberich die Bühne verlassen sieht, so ist es weder eine angenehme noch beeindruckende Art der theatralischen Illusion.

So verdrießlich Alberichs Tricks sein mögen, er selbst ist das Highlight der Show. Tomasz Kniecznys Stimme ist ausdrucksstark und dringt mit Leichtigkeit durch das Wagner-Orchester, und auch in seinem Schauspiel zeigt er große Energie und Hingabe. Sein furchteinflößend böses Lachen (wirkungsvoll eingesetzt, nachdem er das Rheingold an sich reißt) verdient besondere Erwähnung. Es ist überraschend und enttäuschend, als Loge ihn überwältigt! Burkhard Ulrichs rot gekleideter Feuergott hat, trotz klarer Stimme, die schmierige Erscheinung und Persönlichkeit eines Gebrauchtwagenhändlers – nicht gerade, wie ich mir einen gerissenen Gauner vorstellen würde.

Die übrigen Götter passen gut in ihre Rollen. Thomas Mayer ist ein energischer und egoistischer Wotan, besonders dann, als er darum kämpft, den Ring zu behalten. Sein Bariton ist über dem Orchester nicht immer gut zu hören, doch er ist solide und charaktervoll, wenn man ihn hört. Als seine Frau Fricka zeigt Elisabeth Kulman einen vollen, tiefen Ton und eine beeindruckende stimmliche Kraft. Golda Schultz ist in Aussehen wie Klang ganz Freya, deren Antlitz und Stimme als reiche Belohnung für die Arbeit der Riesen gelten. In dieser Inszenierung bekommt ihre Geschichte einen kleinen Twist: sie verliebt sich in Fasolt (oder unterliegt dem Stockholm-Syndrom). Diese Interpretation gibt ihrer Figur und den Riesen mehr Tiefe, doch sie muss bei ihrer Gestaltung hart arbeiten, um einigen Textabschnitten Sinn zu geben.

Fasolt (Günther Groissböck) und Fafner (Christof Fischesser) sind verwirrende Figuren. Sie erscheinen liebenswerter als die meisten Riesen-Paare (vielleicht dank Freyes Zuneigung), doch ihr Transportmittel, die Würfel aus zerschmetterten Körpern, macht es einem schwer, mit ihnen mitzufühlen. Sowohl Groissböcks als auch Fischessers Stimme ist stark, jedoch nicht so dröhnend, wie ich es von Riesen erwarten würde. Die dröhnendste Stimme ist die Erdas, gesungen von der immer großartigen Okka van der Damerau. Ihr „Weiche, Wotan, weiche“ ist eine wahre Mauer von Klang, ihre Stimme scheint für das Publikum immer unmittelbar präsent, selbst, wenn sie im Piano vom hinteren Bühnenrand singt. Die Rheintöchter schließlich necken und klagen in wunderbaren Harmonien. Hanna Elisabeth Müllers kristallklares „Weia! Waga!“ eröffnet die Vorstellung auf vollkommene Art und Weise, und die dunkleren Töne von Jennifer Johnston und Nadine Wissman fesseln im weiteren Gesang des Trios.

Kirill Petrenko schwingt den Taktstock, wohlkontrolliert wie immer. Ein paar eklatante Fehltritte des Staatsorchesters (allen voran ein zu früher Einsatz) fielen am Freitag auf, doch im Allgemeinen klang es ausgezeichnet. Trotz großer Besetzung übertönte es die Sänger nie, und Petrenko hielt die pausenlose Oper bei zügigem Tempo unter zweieinhalb Stunden Spielzeit.

Ich habe dieses Rheingold genossen, doch seine Schönheit erschien leer. Die Komplexität und das Drama der Beziehungen zwischen den Figuren ging manchmal verloren, und ich bekam kein Gefühl einer starken direktiven Vision. Ich hoffe, dass Kriegenburgs Ring in seiner Fortsetzung seinen visuellen Reiz beibehält, dabei aber an Energie und Substanz gewinnt.


Aus dem Englischen übertragen von Hedy Mühleck

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