Auf einer Bühne auf der Bühne lümmelt Brangäne in einem gestreiften Liegestuhl. Kindische Kritzeleien von Seekreaturen schwimmen an einem Schiff vorbei, dass wohl für Anything Goes besser geeignet scheint als für Tristan und Isolde. Ein junger Mann in Seemannsuniform betritt die Szene, unbeschwert singend (mit der klaren, hellen Stimme Dean Powers), und bietet den Damen an Deck Getränke an. Es ist bizarr und befremdlich, wenn man an dunkle Farbtöne und ominöse Symbole gewöhnt ist, aber warum nicht? Zum Untergang verurteilte Liebe unter Zeitreisenden auf einer Kreuzfahrt sicher möglich. Da braucht es nicht einmal einen Liebestrank.

Zeitreisende müssen sie sein, den ihre zusammengestückelten Kostüme kontrastieren stark mit der fröhlichen Modernität des Schiffes. Tristans metallener Brustschild stammt eindeutig aus dem Mittelalter, doch Isoldes weißes Kleid zum Knöpfen mit den geschlitzten Ärmeln kommt direkt aus einem Brautkatalog der 1980er. Wenn der Chor im zweiten Akt auftritt, erwecken deren beblätterte Hüte und Jacken die personifizierte Natur eines Kinderbuchs. Der Wald für diesen Akt ist gleichermaßen kindlich, mit skizzierten Bäumen, die sich über die Bühne erstrecken. Im spannenden Moment, als die Liebenden entdeckt werden, brechen die Soldaten tatsächlich durch das Papierbild und die Lichter des Hauses sind zu sehen.

Der dritte Aufzug beinhaltet einen weiteren, aufregenden Auftritt, wenn Brangäne ein Fenster einschlägt, um Isolde zu erreichen. Alle Verspieltheit jedoch ist verschwunden. Das Bühnenbild besteht aus einem krassen, grauen Raum mit einem einzelnen Sessel und einem Diaprojektor. Die Gesten des rasenden Tristan werfen übergroße Schatten an die Wand hinter ihm, bis der verängstigte Kurwenal den Stecker zieht. Isolde und Tristan entkommen zusammen, indem sie die Bühne auf der Bühne verlassen. Ihre Freunde rufen weiterhin nach ihnen, aber die Liebenden schließen sanft die Vorhänge. Ihre passend schwarzen Kostüme verschmelzen mit dem Schwarz der bloßen Bühne; sie brauchen keine Requisiten, nur sich selbst. Erst, wenn sie freudig zusammen abgegangen sind öffnet sich der kleine Vorhang, um den Blick auf ihre Särge freizugeben.

Stehende Ovationen gab es an diesem Abend für Waltraud Meier, die die Rolle der Isolde nun aus ihrem Repertoire nimmt. Wie kann die Opernwelt sie nur ersetzen? Mit ihrer kraftvollen, gleichmäßigen Stimme, ihrer würdevollen Haltung mit plötzlichen Wutblitzen, und ihre aufregenden Augenblicke von purer Lyrik ist sie Isolde. Sie hatte am Mittwoch einige anfänglichen Probleme, ihre Stimme weich fließen zu lassen und sich gegenüber dem Publikum hörbar zu machen, doch sie überwand sie schnell. Ihr „Mild und leise...“ besaß eine solche Zärtlichkeit, dass das tragische Ende der Oper wie ein Sieg erschien.

Robert Dean Smith schien in den ersten beiden Aufzügen kein guter Partner für Meier. Seine Stimme war weich und warm im Piano, doch trüb und wacklig, wenn er forcierte. Das Duett der Liebenden im ersten Akt klang harsch, ihre Vibratos rieben sich schrecklich. Smith muss sich seine Stimme bis zum Ende aufgehoben haben. Als er im dritten Akt den Mund auftat, schien er ein anderer Sänger zu sein – einer mit kraftvollem Klang und keiner Spur von Wackeln.

Wenn es um große Bässe geht, so geht es nicht besser als René Pape. Als König Marke sang er mit solcher Genauigkeit, solchen Legato-Linien, solch voller Stimme und expressiver Emphase, dass man sich nicht vorstellen konnte, dass auch nur eine Veränderung diese Vorstellung noch besser hätte machen können. Er fesselte das Publikum von dem Moment an, als er die Bühne betrat. Bassbariton Alan Held beeindruckte ebenfalls als Kurwenal mit seinem überraschend großen Klang in seinem Spottlied im ersten Aufzug. Im dritten Akt zeigte er, dass er auch in der Lage war, schmerzlich gesungene, leise Momente zu bieten. Sein Schauspiel bestand überwiegend darin, angesichts Tristans Blindheit und Unvernunft mit dem Kopf gegen die Wand zu laufen... doch das war völlig angemessen.

Die Beziehungen beider Hauptrollen mit ihren Dienern waren stürmisch. Tristan wechselte beständig zwischen den Extremen, fiel Kurwenal in einem Moment praktisch zu Füßen, und ihm nächsten warf er ihn in einem Wutanfall durch den Raum. Auch Isolde verfiel des Öfteren der Gewalt mit Brangäne. Michelle Breedt gab der weisen Vertrauten eine unerschütterliche Ausstrahlung und lebhafte Art, die als wunderbares Gegenteil für das Melodrama ihrer Herrin diente. Auch stimmlich behauptete sie sich mit klarem, starkem Gesang und einem besonders schönen „Einsam wachend...“.

Unter der Leitung von Philippe Jordan spielte das Bayerische Staatsorchester wunderbar gefühlvoll. Das große Streicherregister produzierte einen üppigen Klang, der das Nationaltheater füllte. Das Orchester kämpfte eingangs damit, die richtige Balance mit den Sängern zu finden, doch im zweiten und dritten Akt hatten sie sich perfekt aufeinander abgestimmt. Besondere Erwähnung verdienen Ikuko Yamamoto und Dirk Kammerer, die ihre Englischhorn-Soli im dritten Aufzug weich und ausdrucksstark spielten, während sie über die Bühne schritten.

Peter Konwitschnys Produktion bietet Neuerung, Schönheit und Kohärenz. Es ist eine Freude, einen unerwarteten Ansatz für eine Oper so vollständig funktionieren zu sehen. Verbinden Sie das mit Gesang und Instrumentalspiel der Spitzenklasse, und das Ergebnis ist eine Fassung von Tristan und Isolde, man nicht verpassen darf.

 

Aus dem Englischen übertragen von Hedy Mühleck.

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