Spannung, Versöhnung und Resignation – diese drei Worte gingen mir den diesem Abend durch den Kopf, als die Wiener Virtuosen und Solisten Klaus Florian Vogt und Thomas Hampson sich Schönbergs Verklärter Nacht und Mahlers Lied von der Erde widmeten.

Mahler und Schönberg waren zweifelsohne zwei der mächtigsten komponierenden Kräfte, die sich zu Anfang des 20. Jahrhunderts am Rande der Tonalität bewegten. Beide trugen ihre persönlichen Kämpfe aus, als sie diese Werke schrieben, Mahler auf einer persönlichen Ebene nach dem Tod seiner fünfjährigen Tochter Maria Anna im Juli 1907 sowie auf einer professionellen, da er seinen Posten an der Staatsoper im März desselben Jahres nach zehn Jahren Amtszeit verließ. Er kämpfte auch gegen den Aberglauben, die gefürchtete (tödliche) zehnte Symphonie zu komponieren, der bis heute ein Unheil verkündendes Element anhängt.

Schönberg hatte bereits damit zu kämpfen, seine eigene, individuelle musikalische Stimme zu finden. Wenngleich viel tonaler – dieses frühe Werk entstand 1899 und wurde 1902 im Musikverein uraufgeführt, lange bevor seiner „Emanzipation der Dissonanz“ in den 1920ern – ist dieses Stück stark chromatisch und harmonisch progressiv. Die Gesellschaft der Musikfreunde lehnte es aufgrund seines Gebrauchs des „nicht-existenten“ (d.h. nicht kategorisierten) umgekehrten Nonakkord. Beide Komponisten fanden musikalische Inspiration in der Dichtung, und die Früchte ihrer Arbeit brachten zwei der faszinierendsten Stücke des musikalischen Kanons hervor.

Verklärte Nacht ist ein einsätziges Stück, das in fünf Abschnitte unterteilt werden kann. Es wurde für Streichquartett instrumentiert und von den Wiener Virtuosen spektakulär dargeboten. Diese flexible Gruppe, gegründet von Ernst Ottensamer, setzt sich aus Mitgliedern der Wiener Philharmoniker und Gästen zusammen und kombiniert brillante Technik mit wunderbarem Zusammenspiel. Schönbergs Werk ist programmatischer Natur, das Gedicht, auf dem es gründet, entstammt Richard Dehmels Sammlung Weib und Welt. Darin finden wir einen Mann und eine Frau, die zusammen durch einen „kahlen, kalten Hain“ gehen. Die Frau gesteht dem Mann, dass sie das Kind eines anderen trägt. Nach einer nachdenklichen Pause spricht der Mann und sagt ihr, dass das Kind voller Licht sei, und dass sein Strahlen alles durchdringt. Er akzeptiert sie und das Kind als sein eigenes, die beiden umarmen sich und gehen durch die „hohe, helle Nacht“.

Das emotionale Ringen der Protagonisten spiegelt sich in wahrhaft romantischen Stil, nicht nur in der Sprache und den Beschreibungen der Umgebung, sondern auch in Schönbergs musikalischer Sprache. Einer der schönsten Momente ist, als der Mann sagt „o sieh, wie klar das Weltall schimmert!“ - die gedämpften Saiten lassen die Welt schimmern und flattern, und das liebliche Klang der Violine betritt die musikalische Bühne als Verkörperung der Hoffnung und des Lebens, das im Leib der Frau wächst.

Das Lied von der Erde wurde ursprünglich für Klavier und zwei Stimmen verfasst und in dieser Version uraufgeführt, doch, wie jedem Lied-Pianisten bewusst ist, dachte Mahler beim Komponieren immer orchestral, und es ist schade, ein Werk wie dieses nicht in einer Orchesterfassung zu hören. Die Interpretation an diesem Abend, mit etwa 16-köpfigem Ensemble, wurde in den 1920ern nach Mahlers Tod sogar von Arnold Schönberg und Rainer Riehn vervollständigt. Es ist in sechs Sätze organisiert, in denen sich Tenor und Alt (in diesem Fall Bariton) abwechseln, und fußt auf einer Sammlung chinesischer Gedichte in deutscher Übersetzung von Hans Bethge. Die Sammlung wurde 1907 unter dem Titel Die chinesische Flöte veröffentlicht.

Tenor Karl Florian Vogt sang das Trinklied vom Jemmer der Erde mit robustem, horngleichen Stolz und lieh seinen hellen Klang und sein Legato dem fröhlichen Von der Jugend gegen eine Myriade von Trillern und Tanzthemen, und beeindruckte mit strahlendem Klang in Der Trunkene im Frühling. Bariton Thomas Hampson oblagen die introspektiveren Nummern. Vor den Hintergrund von hoffnungslosem Oszillieren der Violine in Der Einsame im Herbst trauerte er stimmlich mit schlanken, gespenstischen Timbre. In Von der Schönheit wurde die Gestalt der „schönste[n] von den Jungfrau'n“ stimmlich und musikalisch gezeichnet.

Obwohl ich persönlich es musikalisch und künstlerisch vorteilhaft finde, einen Alt diese Lieder singen zu lassen, wurde die Besetzung mit Bariton von Mahler gebilligt, und es gab genügend wirkungsvolle Vielfalt zwischen den beiden männlichen Stimmen. Das unnachgiebig lange Finale, Der Abschied, wurde meisterlich dargeboten. Zwischen dem klagenden Oboensolo, gegen Bass und Cello, Seufzermotiven der Wellen und des Windes, und dem wiederkehrenden Trauermarsch gefärbt von Gong, tiefen Bläsern und Streichern, sandte Hampson uns nachdenklich in die Nacht, als er sein Lebwohl und von der Suche seines Herzens nach Frieden sang.



Aus dem Englischen übertragen von Hedy Mühleck.

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