“Gebt mir die Reinigungsrechnung und ich vertone auf die“, soll Gioachino Rossini darüber gescherzt haben, dass er zu Lebzeiten als beliebtester Komponist seiner Zeit galt. Er schrieb eine Vielzahl an Instrumental-, Kammer- und Kirchenmusik, doch noch bekannter und beliebter sind seine 39 Opern, allen voran Der Barbier von Sevilla und La Cenerentola, die Jahr ein, Jahr aus rund um den Globus gegeben werden. In diesem Jahr wird er 224. Geburtstag, und da Rossini bemitleidenswerterweise nur alle vier Jahre Geburtstag feiern darf, wollen wir den Anlass gebührend begehen. Dazu haben wir eine Auswahl unserer Lieblingsarien in dieser Playlist zusammengestellt.

Sowohl Alison Karlin als auch Mark Pullinger haben einen alten Favoriten gewählt, Figaros zungenberecherisches „Largo al factotum“ aus Il barbiere di Siviglia2016 verzeichnet das 200-jährige Jubiläum dieser Oper – wer hätte gedacht, dass sie nach ihrer katastrophalen Premiere auch heute noch so beliebt sein würde? Hier sehen Sie die Arie in einer Produktion der Met.

Nachdem er mit der Wahl dieses Schaustücks für Bariton nur knapp geschlagen wurde, fügt Mark Pullinger noch das Finale des ersten Aktes aus L'italiana in Algeri hinzu: Die gewiefte Isabelle und ihr ältlicher Bewunderer Taddeo sind in Algerien gestrandet, wo der Bey Mustafà sich unmittelbar in sie verliebt. In diesem Finale findet Isabella heraus, dass ihr Geliebter, Lindoro, Mustafàs Sklave ist und an Elvira verheiratet werden soll. Verwirrt? Die Figuren sind es ebenso und verleihen ihrer Überraschung in einem Ensemble Ausdruck, in dem einem der Kopf vor Glocken, Hämmern, krächzenden Krähen und donnernden Kanonen schwirrt. Welch ein Spaß!

Tanzredakteurin Alexandra Desvignes's Wahl ist da viel verhaltener: In diesem Jahr, in dem wir auch Shakespeares 400. Todesdank gedenken, lohnt es sich, sich zu erinnern, dass auch Rossini eine Oper zur Geschichte des Otello verfasst hat - 70 Jahre vor Verdis bekannterer Version. Hier hören Sie Desdemonas Weidenlied:

Auf dieselbe Arie fiel auch die Wahl unserer Spanienredakteurin Katia de Miguel. Die Rolle der Desdemona ist eine der Rollen, die Rossini für seine Frau, die spanische Sopranistin Isabella Colbran geschrieben hat. Es ist eine von Rossinis besonders zauberhaften Arien, brillant als Set von Variationen gesetzt. Hier hören Sie sie von Cecilia Bartoli.

David Karlin hat sich für „Sombre forêt” aus Guillaume Tell entschieden, in seiner italienischen Fassung ( Guglielmo Tell) auch bekannt als „Selva opaca“. Diese Arie ist ein Beispiel wie aus dem Lehrbuch dafür, wie man unglaubliche technische Tricks des Belcanto so kunstvoll einsetzen kann, dass man sie kaum bemerkt. Alles, was man bemerkt, ist die reine Schönheit, Nostalgie und die nachdenkliche Stimmung.

Zuerst hören Sie Montserat Caballé mit der französischen Fassung:

Und hier singt die wunderbare Aleksandra Kurzak die Arie auf Italienisch:

Nicolas Schotter hat sich eine der berühmtesten Kavatinen ausgesucht, „Una voce poco fa“, die im ersten Akt des Barbiere von Rosina gesungen wird. Im Video unten hören Sie Cecilia Bartoli, die unser Frankreichredakteur wegen ihrer Stimmbreite faszinierend findet, wegen der Leichtigkeit, mit denen die Bartoli ihre Koloraturen nimmt, äußerst klar und bedeutsam aus dramatischem Standpunkt, und zuletzt wegen ihrer großartigen schauspielerischen Fähigkeiten.

Als leidenschaftliche Chorsängerin, zumindest während ihrer Studienzeit, hat sich Hedy Mühleck mit einem Ausschnitt aus Rossinis Petite Messe Solennelle für eine etwas andere Art der Arie entschieden. Die Messe ist weder kurz noch feierlich, doch ein prächtiges, abendfüllendes Programm (besonders in der Fassung für Klavier und Harmonium) und voller wunderschöner Ohrwurm-Melodien.

In diesem Clip hören sie das Qui tollis, gesungen von Marina Rebeka und Sara Mingardo.

 

Besuchen Sie auch unsere Komponistenseite für Rossini, um mehr von seiner Musik zu entdecken.

Viel Vergnügen!