Jedes Jahr verwandelt sich die Wiener Staatsoper in den glamourösesten und elegantesten Ballsaal der Welt. Stars der Opernszene und außerhalb kommen für den Ball der Bälle zusammen, ein Fest, einmalig in Glanz und Strahlkraft. Aber am nächsten Tag gehört das Haus am Ring den Kindern, wenn Vogel Sträuße, Tiger, Bären und Kamele über das vorabendliche Tanzparkett huschen. Die Zauberflöte für Kinder bringt Funkeln in die Augen von mehr als 7,000 Kindern und ist nur eines von vielen erfolgreichen Musikvermittlungsprogrammen der Wiener Staatsoper.

<i>Die Zauberflöte</i> © Michael Pöhn | Wiener Staatsoper GmbH
Die Zauberflöte
© Michael Pöhn | Wiener Staatsoper GmbH

Die „Junge Staatsoper” erreicht jedes Jahr an die 30,000 Kinder, mit neuen Auftragswerken für Kinder ab 6 Jahren, speziellen Programmen für Schulen, Tickets für Kinder und Ballett-Veranstaltungen von Schülern der Ballettakademie. Es ist ein fesselndes Programm, das es selbst für den Staatsoperndirektor Dominique Meyer schwer macht, seinen Favoriten zu wählen: „Das ist, als würde man einen Vater fragen, ob er ein Lieblingskind hat. Für mich ist es am wichtigsten, dass wir eine Atmosphäre schaffen, in der sich die Kinder wohlfühlen.”

Werke für Kinder

Meyer glaubt, dass „wenn man eine geeignete Oper für Kinder wählt, es immer ein Erfolg ist.” Allerdings sollte man sich an bestimmte Regeln halten, um diesen Erfolg zu sichern: „Erstens: Kinderveranstaltungen sollten niemals länger als 50-60 Minuten dauern; länger können sich die Kinder nicht konzentrieren. Zweitens: man muss ein für die Kinder ansprechendes Thema finden. Dieses kann aus einem Märchen stammen, aber auch aus dem wahren Leben. Wir haben eine Kinderoper mit dem Thema Umwelt und haben erst kürzlich eine Oper über Patchwork Familien gezeigt. Dies sind sehr aktuelle Themen und erlauben uns eine Diskussion zwischen Lehrern, Eltern und Kindern zu entfachen. Drittens ist es immer besser, wenn auch auf der Bühne Kinder sind, sodass die Kinder im Publikum sagen, ,Vielleicht könnte ich das selbst’.”

<i>Hänsel und Gretel</i> © Michael Pöhn | Wiener Staatsoper GmbH
Hänsel und Gretel
© Michael Pöhn | Wiener Staatsoper GmbH

Diese Saison beinhaltet drei Kinderopern: Matthias von Stegmanns Wagners Nibelungenring für Kinder, Alma Deutscher's Cinderella und Die arabische Prinzessin oder: das wiedergeschenkte Leben (eine Koproduktion der Wiener Staatsoper mit Superar, eine Vereinigung “die Kindern, die sich keinen Musikunterricht leisten können, eine musikalische Ausbildung ermöglicht”). Darüber hinaus präsentieren der Dirigent Witolf Werner und der Sänger Hans Peter Kammerer Saint-Saëns Karneval der Tiere und Prokofjews Peter und der Wolf.

Besonders Der Ring für Kinder ist laut Meyer ein „riesiger Erfolg. Die Kinder lieben ihn, er fängt ihre gesamte Aufmerksamkeit ein und es wird viel gelacht, da es eine sehr lustige Produktion ist. Und danach fürchtet sich niemand mehr vor Wagner!” Das hat möglicherweise mit dem etwas anderen Ende zu tun. Brünnhilde gibt den Rheintöchtern den Ring zurück, ein reumütiger Fafner bringt den verbleibenden Schatz und Siegfried und Brünnhilde bekommen endlich ihr verdientes Happy End – eine freudige Hochzeit!

Alle Veranstaltungen finden auf der neuen (und kleineren) Bühne der Wiener Staatsoper in der Walfischgasse statt – nur einen kurzen Spaziergang vom Haupthaus entfernt. Nach Jahren des Kinderzelts am Dach des Opernhauses, haben Kinderveranstaltungen nun ihr eigenes Haus.

Meyer weist darauf hin, dass „Opern geschaffen wurden, um Emotionen hervorzurufen, und diese sind für jeden zugänglich, der diesen gegenüber aufgeschlossen kommt. Oper ist die Kombination aus Instrumental- und Vokalmusik mit einer Fülle an unterschiedlichen Kunstformen: Gemälde, Licht, Kostüme. Der Text ist natürlich wichtig; er fördert Diskussionen über etliche Themen. Diese können historisch sein, mythisch, politisch, sozial… die Liste ist lang. Oper bietet die Möglichkeit die Dinge, die in unserer Gesellschaft geschehen, zu verstehen. In dieser Hinsicht, hilft Oper Kindern bei ihrer Entwicklung.”

Allerding muss Meyer zugeben, dass er als Kind nicht ansatzweise an Oper interessiert war: „Ich wusste nicht einmal, dass sie existiert. Ich habe die Oper mit 18 entdeckt. Aber ich habe viele wundervolle Erinnerungen an meinen Sohn, der auf meinem Schoß sitzend Proben und Aufführungen gelauscht hat, als er erst einige Jahre alt war, und wie glücklich er war, Oper zu erforschen.”

<i>Der Karneval der Tiere</i> © Michael Pöhn | Wiener Staatsoper GmbH
Der Karneval der Tiere
© Michael Pöhn | Wiener Staatsoper GmbH

Angebote für Schulen

Die Livestreaming Plattform live@home erlaubt es der Staatsoper, junge Leute im gesamten Land zu erreichen. „Wir verwenden [es], um mit 164 Schulen zu kommunizieren: über spezielle Übertragungen können die Kinder den Probenprozess verfolgen – und sie haben die Möglichkeit, die Aufführung danach anzusehen.” Es ist ein einzigartiges – und kostenfreies – Programm, das es Schülern ermöglicht, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen und Interviews mit Künstlern und Mitarbeitern der Staatsoper zu sehen, um mehr über eine Karriere in der Opernwelt zu erfahren. Darüber hinaus, können sich Schulen für live@school registrieren, um alle Opern- und Ballettübertragungen am darauffolgenden Tag und Videos aus dem Archiv für einen reduzierten Preis zu sehen. Dadurch erhalten 12,000 Schüler die Chance, herausragende Opernvorstellungen auf Computern oder großen Leinwänden in einer von rund 470 Schulen zu sehen, die regelmäßig diese Vorstellungen buchen. Christoph Widauer, der schlaue Kopf hinter live@home, fügt (in unserem Interview im letzten Monat) das Folgende mit einem Lächeln hinzu: „Und manchmal stellen wir einen interaktiven Rückanschluss her, um ihre Freude zu sehen”

<i>Der Nussknacker</i> © Michael Pöhn | Wiener Staatsoper GmbH
Der Nussknacker
© Michael Pöhn | Wiener Staatsoper GmbH

Schulklassen können außerdem Führungen in sieben Sprachen buchen – Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Russisch und Japanisch – eine Generalprobe besuchen, eine Veranstaltung der Ballettakademie oder eine Vorstellung im Haus am Ring zu reduzierten Ticketpreisen. Werke wie Die Zauberflöte (die Erwachsenen-Version), Der Nussknacker oder Hänsel und Gretel sind bei Schulen und Familien besonders beliebt. Ein Newsletter informiert Lehrer und Schüler über kommende Veranstaltungen und Angebote.

Opernschule der Wiener Staatsoper

La bohème, Tosca, Carmen – vielen Opern werden durch den Auftritt des Kinderchores belebt. Deshalb ermöglicht die Opernschule der Staatsoper jungen Talenten ab 8 Jahren einen ersten Schritt ins Lampenlicht auf der großen Opernbühne. Die Kinder erhalten ein Jahr lang dreimal wöchentlich sowohl Gesangs- als auch Schauspielunterricht. Nach einem kurzen Vorsingen für jede Produktion nehmen die jungen Sänger an den Proben und Kostümproben teil und teilen die Bühne mit den weltbesten Sängern.

<i>Carmen</i> © Michael Pöhn | Wiener Staatsoper GmbH
Carmen
© Michael Pöhn | Wiener Staatsoper GmbH

Die Wiener Staatsoper hat jungen und zukünftigen Opernliebhabern viel zu bieten und mit Drachen, Vogel Sträußen und farbenfrohe Kostümen sind glitzernde Kinderaugen garantiert.