Ich bin ein Fan des Komponisten John Adams. Mein Lieblingsstück ist A short ride in a fast machine und in welcher Stimmung ich mich auch befinde, diese Musik gibt mir jedes Mal wieder ein besonderes Glücksgefühl. Ich habe zusätzlich auch den Menschen Adams erlebt, wie er einer Gruppe von Schülern seine Musik erklärte und war sehr beeindruckt von der natürlichen Einfachheit seiner Ausführungen.

John Adams © Riccardo Musacchio
John Adams
© Riccardo Musacchio

Mein aufregendstes Erlebnis als Orchestermusiker hatte ich bei einer Aufführung von Adams Harmonielehre. Der großartige Komponist und Dirigent Esa-Pekka Salonen hatte sich damals bereit erklärt, das von Auflösung bedrohte Radio Symfonie Orkest (von dem einige ehemalige Mitglieder heute noch  im heutigen RFO mitspielen) in einem Protestkonzert zu dirigieren. Ich erinnere mich noch gut, wie wir dieses mitreißende Stück unter Salonens beseelter, Vertrauen ausstrahlender Leitung wie im Rausch spielten.

Mit großen Erwartungen hatte ich mich also auf dieses Konzert mit ausschließlich Werken des letztjährigen Erasmuspreisträgers Adams vorbereitet. Still Dance, welches im letzten September in San Francisco uraufgeführt wurde und das Klavierkonzert Must the Devil Have All the Good Tunes? aus dem Jahre 2018 erklangen zum ersten Mal in den Niederlanden. Bei beiden Stücken ist dem Orchesterapparat eine Bassgitarre hinzugefügt und in beiden Stücken dominiert in schier atemloser Gehetztheit ein durchgehender Rhythmus und flirrende Harmonien. Von allen Mitwirkenden wurde ein Kraftakt an Konzentration und musikalisch-technischer Fleißarbeit abverlangt. Auch als Dirigent gab Adams sein Bestes und unterstützte sein bis in kleine Notenwerte unterteiltes Dirigat mit dem ganzen Körper.

Der Solopart dieses Dritten Klavierkonzerts von Adams ist undankbar. Der Pianist muss sich über weite Strecken gegen eine geballte Orchestergewalt durchsetzen. In vielen Abschnitten beschränkt sich seine Aufgabe auf Klangfarbenproduktion oder rhythmische Impulsverschiebungen. Um diese zu erreichen wiederholen die Musiker ihre Motive sehr oft hintereinander mit geringfügigen Veränderungen. Das macht auch den Solopart zu einem Kraftakt und ließ wenig Raum für solistisches Glanzpunkte. Der technisch versierte und klanglich beeindruckende isländische Pianist Víkingur Ólafsson hatte das Konzert schon eine Woche eher mit Adams und dem Orchestre Philharmonique de Radio France in Paris aufgeführt. Anstatt die Produktion mitsamt dem Orchester in Amsterdam zu wiederholen, was sicherlich eine ausgereiftere Aufführung zur Folge gehabt hätte, musste er sie in Hilversum aufs Neue einstudieren.

Dem Radio Filharmonisch Orkest war anzumerken, dass es eine Woche harter Arbeit hinter sich hatte. Die Musiker saßen äußerst konzentriert hinter ihren Pulten und spornten einander zu Höchstleistungen an. Besonders nach der Pause stach die Hornistin Petra Botma in Harmonielehre mit sehr einfühlsam geblasenen Soli heraus.  

Der ergreifendste Moment dieses Konzertes aber war ein nicht musikalischer. Direkt nach der Pause richtete Adams das Wort per Mikrofon an das Publikum und erinnerte an seinen kürzlich verstorbenen Kollegen Reinbert de Leeuw. Er bezeugte ihm seine Dankbarkeit dafür, dass er sich unermüdlich für seine Musik und die seiner Kollegen in den Niederlanden eingesetzt hatte. Er erinnerte daran, dass de Leeuw mit so vielen berühmten Komponisten befreundet war und sich für jeden mit gleicher sympathischer Verve einsetzte.  

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