Wenn Daniel Barenboim seit über 20 Jahren in der Osterwoche zu den Festtagen einlädt, dann kommt die oberste Riege der Interpreten nach Berlin. Diesmal waren neben ihm selbst keine Geringeren als Cecilia Bartoli und Martha Argerich nacheinander gemeinsam mit der Staatskapelle auf der Bühne. Es hätte ein großes Fest werden konnte, doch wurden Barenboim und mit ihm das Publikum nach der Pause von der Realität eingeholt...

Cecilia Bartoli
© Kristian Schuller | Decca

Celia Bartoli ließ bei Mozarts-Konzertarie „Ch'io mi scordi di te?“ das einleitende Rezitativ die Luft der Opera seria atmen. Wenn sich Daniel Barenboim mitunter in den Vordergrund spielte, dann folgte er dabei Mozarts Intention insofern genau, als dieser in seinem KV 505 dem Klavier keine bloße Begleitung zugewiesen hatte, sondern einen Part in in diesem Zwitterwesen, das zwischen Arie und Klavierkonzert steht. Durchweg heiter klang allein das der Introduktion folgende „Alme belle“ (Freundliche Seelen). Im Rondo-Abschnitt konnte Bartoli in vielfältigen Farben Ihre Koloraturen aufblühen lassen. Sie vermochte dabei ihre Partie zwischen Trauer und Verzweiflung wechseln zu lassen und sang zu Recht nicht einfach „nur” schön. Wenn sie etwa das „Stella barbare“ (Grausame Sterne) vortrug, war jede Heiterkeit vertrieben. Erst nach einem letzten Verzweiflungsausbruch führte sie tonschön zu einem versöhnlichen, ja fast triumphalen Ende.

Für den Riesenapplaus bedankten sich die Aufführenden mit Mozarts letztem Satz aus dem Exsultate, jubilate, KV 165. Bartoli trug ihre Partie nun mit durchweg hellen, jubelnden Tönen vor. Dass die Sängerin auch an das Publikum denkt, sollte schließlich doch hervorgehoben werden. Sie drehte sich für diese Partie in Richtung Block H und K um, so dass auch auf den billigeren Plätzen ihre fantastische Stimme direkt und nicht von hinten gehört werden konnte. Eine tolle Geste, die stürmisch bejubelt wurde.

Martha Argerich
© Adriano Heitman

Mit Martha Argerich betrat eine andere große Künstlerin das Podium, um mit Barenboim zu musizieren. Gemeinsam spielten sie an zwei Konzertflügeln Mozarts Konzert für zwei Klaviere Es-Dur, KV 365; Barenboim übernahm zusätzlich das Dirigat. Barenboim betont stets, dass Argerich besser Klavier spielen könne als er, aber die Unterschiede in beider Anschlagskunst hielt den virtuosen Dialog dieser Aufführung auch lebendig und ließ doch weniger einen Wettstreit als einen galanten Gedankenaustausch zu Gehör kommen, in dem einander beide letztlich auf Augenhöhe begegneten. Auch weil Martha Argerich sich gar nicht nach vorne drängelte.

Gespielt wurde das Konzert in einer Fassung mit Klarinetten, Trompeten und Pauken, deren Authentizität zwar nicht gesichert ist, die aber wohl aufgrund ihrer Festlichkeit ausgewählt wurde. Vor allem im zweiten Satz waren die hervorragenden Holzbläser zu loben.

Das Konzert kam zu einem abrupten Ende, als nach der Pause der Intendant Matthias Schulz dem Publikum mitteilen musste, dass Barenboim wegen Kreislaufproblemen die zweite Hälfte des Programms nicht mehr leiten kann.

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