Wenn man Alisa Weilerstein Cello spielen sieht, dann betrachtet man nicht einfach eine hübsche junge Cellistin auf der Bühne. Spielt die junge Amerikanerin, dann kann man zusehen, wie sie und ihr Instrument eins werden mit der Musik - im großen Saal des Mozarteum am 10. April verschmolz sie mit Robert Schumanns Konzert für Violoncello in a-Moll. Alisa Weilerstein ist besonders für ihre hohe technische Präzision und ihr leidenschaftliches Spiel bekannt, was sie auch an diesem Abend zeigte. Das a-Moll-Konzert ist eines der letzten Werke Schumanns und in der Melodik sichtlich gezeichnet durch die tragischen Lebensumstände des nervenkranken Komponisten. Dieser Aspekt kam in Weilersteins Interpretation klar zum Vorschein, man könnte fast meinen, sie empfand das Leid des umtriebigen Schumann selbst, als sie die schnellen Sprünge und großen Intervalle im letzen Satz des Konzertes spielte.

Dabei war sie nie nur auf die saubere Ausführung des Notentextes, sondern vielmehr auf Ausdruck bedacht und hatte auch keine Angst davor, mit den zahlreichen Doppelgriffen einen sehr düsteren Klang in den Saal auszusenden. Das restlos begeisterte Publikum belohnte sie dafür mit minutenlangem Applaus und bekam als Zugabe die Bouree aus Johann Sebastian Bachs Suite No. 3 zu hören, bei der die junge Cellistin noch einmal ihre astreine Technik und Leichtigkeit demonstrierte. Typisch für Salzburg bekam sie  nicht etwa Blumen, sondern die berühmten Mozartkugeln als Dankeschön für diese grandiose Darbietung.

Doch nicht nur Alisa Weilerstein und Schumann standen an diesem Abend auf dem Programm. Das Mozarteumorchester Salzburg unter der Leitung von Ivor Bolton, das die junge Solistin durch das a-Moll Konzert begleitete, stimmte das Publikum zunächst mit Felix Mendelssohns Konzertouvertüre Die Hebriden auf diesen Streifzug durch das 19. Jahrhunderts ein. Felix Mendelssohn Bartholdy wurde 1829 bei einer Schottlandreise durch die wildromantische Landschaft der Hebriden zu dieser Komposition inspiriert, und besonders die mystische Atmosphäre der sagenumwobenen Fingalshöhle hatte es dem Komponisten angetan. Diesen geheimnisvollen Eindruck vermittelte Bolton am deutlichsten durch die Streicher. Durch ihr extensives Spiel mit der Dynamik versahen sie die Vielfalt der dunklen Klangfarben des Werkes mit dem Beigeschmack eines kühlen Windes über den weiten Feldern der schottischen Landschaft, den Mendelssohn einzufangen versuchte. Das leichte Grollen der Pauken trug noch zu der etwas düsteren Stimmung bei.

Auch der zweite Teil des Programms begann mit einer Komposition Mendelssohns. Die Ouvertüre Ruy Blas, der Victor Hugos gleichnamiges Werk als Vorlage diente, ist ein kurzes, aber inhaltlich gehaltvolles Werk. Ivor Bolton gelang es hervorragend, die unterschiedlichen Passagen deutlich voneinander abzuheben, und dabei das Orchester ausgeglichen und individuell klingen zu lassen. Abgeschlossen wurde dieser Abend wiederum mit Schuberts Symphonie in d-Moll, ein Geschenk an seine damals 22-jährige Frau Clara. Das viersätzige Werk ist vor allem durch seinen großen Bläsercorpus charakterisiert, wobei die Blechbläser in Folge dessen oft zu sehr in den Vordergrund gestellt werden. Doch auch hier schafft Bolton ein ausgeglichenes Klangbild, ohne die Bläser jedoch zurückzustellen, und die Klarinetten hoben sich mit ihrem leichten, melodiösen Spiel besonders hervor.

Ivor Bolton und das Mozarteumorchester mussten sich an diesem Abend nicht in den Schatten von Alisa Weilerstein stellen. Viel mehr war das Programm ein herrlicher Streifzug durch das facettenreiche 19. Jahrhundert und die Seele seiner Komponisten, der vom Publikum mit minutenlangem Applaus honoriert wurde.

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