Es war eine Zeit, in der Gustav Klimt einen Kuss in purem Gold in Szene setzte und die Musik in schwelgerischen Klängen der Vergangenheit nachlauschte und sich gleichzeitig den Weg bis in die moderne Atonalität bahnte. Geographisch lässt sich die Belle Époque nicht genau eingrenzen ebenso wenig wie sie sich in einer eindeutigen Strömung verdichten ließ. Häufig benannte man damals die Zeit nach den amtierenden Oberhäuptern. Deutschland hatte das „Wilhelminische Zeitalter“, England das „Edwardianische“ und Frankreich eben die „Belle Époque“. Gemeint ist damit häufig die Periode zwischen 1880 und dem Beginn des Ersten Weltkriegs und darüber hinaus ein Lebensgefühl, das ganz Europa ergriff.

Daniel Hope © Inge Prader
Daniel Hope
© Inge Prader

Im Münchner Prinzregententheater spürte der britische Geiger Daniel Hope nun dieser Zeit nach, eine künstlerische Episode, die ihm, wie er während des Konzerts in kurzen Moderationen erzählte, eng am Herzen liegt. Auf dem Programm standen dabei zuerst einmal kleine Orchesterminiaturen, die allein schon beweisen, wie viel Unterschiedliches die Belle Époque anzubieten hat. Dazu gehört auch Notturno von Arnold Schönberg, ein spätromantisches Frühwerk, das lange als verschollen galt. Auch eine instrumentale Fassung von Richard Strauss‘ Lied Morgen (die Gesangslinie übernahm Violinistin Daria Zappa Matesic) und Massenets Méditation aus seiner Oper Thaïs spielten Hope und das Zürcher Kammerorchester und wenngleich die Musik der Belle Époque den schwelgerischen Ton geradezu zelebriert, wurde das bei Hope niemals kitschig. Fein und kultiviert flossen bei ihm die großen Linien in der Méditation, die er umsichtig phrasierte und immer wieder variantenreich gestaltete. Dieser lyrischen Herrlichkeit stellte Hope Elgars Introduction and Allegro voran, das das Kammerorchester in seiner sprühenden Ausgelassenheit vollkommen auskostete. Hier wurde ganz besonders deutlich, über welche Qualitäten der Schweizer Klangkörper verfügt. Da ist alles fein justiert und zwingend transparent, die hymnische Noblesse ergab sich dabei ganz von allein.

In der zweiten Hälfte gab es dann das Konzert für Violine, Klavier und Streichquartett von Ernest Chausson in einer Fassung für Streichorchester. Dunkler wirkte die orchestrierte Version, schillernder die Farben auch Dank Simon Crawford-Phillips, der die kaskadigen, üppigen Klavierläufe charmant und unaufdringlich interpretierte. Intensiv wurde diese Interpretation insofern, da Hope mit noblem Spiel einerseits auch die harmonische Weitläufigkeit des Werks erkundete. Die Assoziationskraft die Hope und das Orchester dabei unter anderem bei der kurzen, aber farbenreichen Sicilienne im zweiten Satz eröffneten, beeindruckte.

Als Zugaben durfte das Zürcher Kammerorchester mit dem Präludium aus Griegs Suite Aus Holbergs Zeit brillieren – Hope überließ die Leitung Konzertmeister Willi Zimmermann und gesellte sich zu ihm ans Pult. Zum Abschluss bedankte sich Hope mit Crawford-Phillips mit Reynaldo Hahns À Chloris, ein wunderschönes Juwel aus den Pariser Salons der Jahrhundertwende und auch ein spätes Beispiel für eine Epoche, die auf grausame Weise einem Krieg zum Opfer fiel. Schön, dass Hope ihr mit einem so vielfältigen Programm gedachte.  

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