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Aus einem TotenhausNew Production

Ce listing n'est plus d'actualité
NationaltheaterMax-Joseph-Platz 2, München, Bayern, 80539, Allemagne
Dates/horaires selon le fuseau horaire de Berlin
Programme
Janáček, Leoš (1854-1928)De la maison des morts (in tschechischer Sprache)
Artistes
Bayerische Staatsoper
Simone YoungDirection
Frank CastorfMetteur en scène
Aleksandar DenićDécors
Adriana Braga PeretzkiCostumes
Evgeniya SotnikovaSopranoAljeja
Manuel GüntherTénorBig prisoner/Nikita
Aleš BrisceinTénorLuka Kuzmič (Filka Morozov)
Kevin ConnersTénorŠapkin
Charles WorkmanTénorSkuratov
Christian RiegerBassePrison governor
Bo SkovhusBarytonŠiškov
Tim KuypersBasseSmall prisoner
Peter RoseBasseAlexandr Petrovič Gorjančikov
Niamh O'SullivanMezzo-sopranoProstitute
Dean PowerTénorČerevin, Voice
Ulrich ReßTénorElderly prisoner
Matthew GrillsTénorKedril
Peter LobertBassePriest
Alexander MilevBasseBlacksmith
Johannes KammlerBarytonČekunov
Callum ThorpeBaryton-bassePrisoner as Don Juan and Brahmin
Rainer CasperLumières
Andreas DeinertVidéographie
Jens CrullVidéographie
Sören EckhoffChef de choeur
Miron HakenbeckDramaturgie
Bayerisches Staatsorchester
Chor der Bayerischen Staatsoper

Kein Ort scheint weiter entfernt von einem der Kunst gewidmeten Raum wie dem Opernhaus als die Szenerie in Leoš Janáčeks letzter Oper: ein sibirisches Zwangsarbeitslager mit seinen Insassen; Diebe, Totschläger, Mörder und politische Gefangene sowie ihre Bewacher, die ihre Macht bei jeder Gelegenheit auskosten. Zudem: Erniedrigung, Gewalt und Kalkül
im täglichen Kampf um den eigenen Vorteil.

Das Lager wirkt wie die Antithese und ist zugleich der blinde Fleck jeder sich zivilisiert wähnenden Gemeinschaft. Doch mitten hinein in diese Lagerwelt setzt Janáček einen Moment des Spiels: Am Feiertag spielen die Gefangenen füreinander und vor ihren Wächtern Theater. Ihre Vorstellung bietet seltene Ablenkung, eine Dosis Hoffnung in der täglichen Misere, ist Travestie der Verhältnisse und in seiner Derbheit Ventil erotischer Bedürfnisse. Und dabei doch vor allem Ausdruck dessen, wonach sich alle sehnen: dem Gefühl von Menschenwürde und Achtung vor der eigenen Existenz. Innerhalb der Gefangenschaft ist dieses Spiel die vielleicht größtmögliche Erfahrung jener Freiheit, die die Häftlinge mit ihren „Svoboda“-Rufen am Ende der Oper besingen.

Fjodor Dostojewski, der als Anhänger antizaristischer Kreise selbst vier Jahre lang in Sibirien Zwangsarbeit ableisten musste, lieferte mit seinen Aufzeichnungen aus einem Totenhaus eine detaillierte Reportage über das soziale System des Straflagers und zugleich eine Studie über die Psychologie der Sträflinge. Janáček schuf nach Dostojewskis Roman 1928, wenige Jahre bevor eine ganze Maschinerie von Lagern die europäische Zivilisation Lügen strafte, ein singuläres Werk des Musiktheaters: eine Oper ohne Helden. Auch ohne eine auf Konflikte und Lösung setzende Handlung. Vor dem Hintergrund des immergleichen Lageralltags lässt er schlaglichtartig einzelne Sträflinge für einen Augenblick aus der Menge hervortreten. Sie erzählen zwischen Stolz, Bitterkeit und Reue von ihren Verbrechen, von durchkreuzten Lebensplänen, von gescheiterter Liebe – und zeugen so von der unverwechselbaren Identität jedes Einzelnen.

 

Die Premiere wird live auf BR-KLASSIK übertragen.

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