Mit dem Konzertprogramm Immortal, das zweifellos das Thema der (Ver-)Wandlung in sein Zentrum gestellt hatte, präsentierten das Originalklangensemble Barucco und die Wiener Singakademie unter Heinz Ferlesch eine meditativ beginnende Wanderung vom Dunkel des Karsamstags in das Licht der kommenden Osternacht. Doch wo Licht ist, gibt es leider auch manchmal Schatten.

Der Begriff „immortal“ kann bei diesem Konzert doppelt verstanden werden. Selbstverständlich ist die Unsterblichkeit in der Osterliturgie ein wichtiges Thema, aber auch der zentrale Komponist des Abends gehört zu den unsterblichen Vertretern seiner Zunft: Johann Sebastian Bachs Vielseitigkeit brachte ihm nicht umsonst das Beethoven'sche Bonmot ein „Nicht Bach sondern Meer sollte er heißen!“

Eröffnet wurde das Konzert sehr meditativ mit einer Reihe von Werken, die sich den Choral O Haupt voll Blut und Wunden aus der Matthäus-Passion von 1727 zum Grundgedanken ständiger Wandlung nahmen. Gewissermaßen aus dem Off sangen dabei Mitglieder des Chores den Choral, der für meinen Geschmack etwas zu manieristisch gestaltet wurde. Zwischen den dargebotenen drei Strophen spielte Organistin und Cembalistin Anne Marie Dragosits Johann Pachelbels Choralpräludium aus Herzlich tut mich verlangen.

Im Anschluss hieran erklang das Quadro in g-Moll des fast vergessenen Johann Gottlieb Janitsch, dessen dritter Satz eine Meditation über O Haupt voll Blut und Wunden beinhaltet. Angeführt von Barockoboist Andreas Helm, der zusammen mit Heinz Ferlesch das Ensemble Barucco gegründet hat, musizierten Martin Jopp (Violine), Lucas Schurig (Viola) und Peter Trefflinger dieses anregende Stück des deutschen Komponisten mit viel Spielfreude. Eine andere Facette des Abends brachte Immortal Bach des 2014 verstorbenen Knut Nystedt. Diese als schein-aleatorische Chorkomposition zu bezeichnende Schöpfung über das Choralthema Komm, süßer Tod, komm, sel'ge Ruh! Brachte im Programm einen Hauch neue Musik, ohne den Hörer mit großem Bruch Publikum zu verschrecken und schloss das Karsamstagsthema passend ab.

Der Abschluss und zugleich Höhepunkt des Abends folgte auf den Fuße mit dem eher selten gespielten sogenannten Osteroratorium, der Kantate Kommt, eilet und laufet, welche Christian Friedrich Henrici alias Picander zugeschrieben wird. Fein musiziert und klanglich sauber austariert gilt vor allem den Trompeten und Pauken ein Lob für Schönklang ein Lob, als Barucco das Oratorium mit einer Sinfonia und einem Adagio eröffnete, welche wohl einem verschollenen Solokonzert Bachs entnommen sind. Angeführt wurde das Solistenensemble von der für eine Sopranistin erstaunlich dunkel timbrierten Cornelia Horak, die eine höchst feinsinnige Interpretation der Arie „Seele, deine Spezereien“ gab. Ihre blutvolle Ausgestaltung wurde von einem Flötensolo begleitet, das interpretatorisch jedoch hinter den Möglichkeiten zurückblieb. Der im Programm unerwähnt gebliebenen Solistin fehlte Gespür für Phrasierung und durch das Bemühen, nicht atmen zu wollen oder müssen blieben die Phrasenschlüsse stets unfein ausgespielt.

Der Rolle der Maria Magdalena übernahm Altus Markus Forster. Die Stimme der Countertenöre ist im Stimmeinheitsbrei unserer Tage die Stimmgattung, die meist von größter Individualität geprägt ist. Forsters Timbre mochte stellenweise etwas gewöhnungsbedürftig sein, aber er gestaltete seine Arie „Saget, saget mir geschwinde“ in von Ferlesch mehr als passend gewählten Tempi mit viel Ausdruckskraft. Auch Tenor Hans Jörg Mammels Timbre bedurfte etwas der Gewöhnung. Leider vermochte der ausgewiesene Lied- und Oratoriensänger im Zusammenspiel mit Bass Klemens Sander kein so harmonisches Zusammenspiel erreichen wie Horak und Forster und blieb auch bei seiner Solo-Arie „Sanfte soll mein Todeskummer“ etwas blass. Ohne Solo-Arie gab Klemens Sander den Duett- und Rezitativbass mit etwas fahler und vielleicht nicht in der ganzen Kirche hörbarer Stimme.

Die nicht zu groß besetzte Wiener Singakademie gab auch beim Osteroratorium Anlass zur Freude. Souverän einstudiert und stimmlich mit der nötigen Zurückhaltung musizierend ergänzte sie den guten Eindruck, mit dem Barucco das Oratorium eröffnet hatte. Heinz Ferlesch, sonst wackerer Zuarbeiter im Konzerthausbetrieb, gestaltete eine ansehnliche Aufführung mit einem nur gering von störenden Gesten überschatteten Dirigat. Weiter so!