Ein Konzert mit Beethoven. Nur Beethoven. Doch lediglich auf den allerersten Blick mag das etwas nach Monokultur aussehen, denn es standen sich mit dem Tripelkonzert und der Sechsten Symphonie, der „Pastoralen“, zwei sehr unterschiedliche Werke gegenüber. Das Konzert mit seinen eingängigen Motiven und Melodien ist sehr gefällig zu hören, und durch die drei Solisten ist für viel Abwechslung gesorgt. Die „Pastorale” hingegen ist ein mächtiges Werk in fünf Sätzen, 45 Minuten ohne die ganz großen Melodien, doch auch als Gelegenheitshörer kann man darin eine vielfältige Wandlung durch einen Aufenthalt in der Natur erleben.

Mit Carolin Widmann, Marie-Elisabeth Hecker und Martin Helmchen spielten drei junge aber bereits äußerst etablierte Solisten in Begleitung der Philharmoniker Hamburg unter der Leitung von Philippe Herreweghe. Das Orchester spielte den Beginn des Konzertes sehr schwer und ruhig. Selbst, als die Solisten nach ihren Einsätzen mit ihrem beweglichen Spiel dem ein Gegengewicht setzten, dauerte es einige Takte, bis sich das Orchester von der eher verspielten Stimmung mitreißen ließ.

Martin Helmchen © Marco Borggreve
Martin Helmchen
© Marco Borggreve
Der Einsatz des Klaviers fällt generell durch Unbeschwertheit auf, und Martin Helmchen spielte ihn mit genau der Kaffeehaussorglosigkeit, die diese Stelle so verlangt. Äußerst jovial und dennoch beiläufig reihte er die ersten Töne aneinander wie Luftblasen im klaren Wasser. Alle drei Solisten betonten auffällig die Leichtigkeit am Anfang dieses Konzertes und rückten so das altbekannte Bild des ernsten Komponisten in eine wahrere Perspektive. Helmchen spielte am Klavier immer wieder in perfektem, rhythmischen Einklang mit den Bässen, intonierte hohe Töne genau abgestimmt mit der Violine und spielte immer akkurat der Situation dienlich. Wenn er im Orchester verschwinden musste, tauchte er ab, wenn das Klavier im Vordergrund stand, spielte er mit Herz und Chuzpe. Niemals lag er daneben. Auch, wenn man vorher bei diesem Konzert Swiatoslaw Richter zugehört hat - auf einer Aufnahme natürlich - so war Helmchens Spiel dennoch kein Stückchen weniger ein Genuss!

Den zweiten Satz spielte das Orchester wieder immens schwer; mit der Ruhe eines schlafenden Tieres blieben die Musiker während des Satzes beharrlich bei dieser Stimmung. Und endlich hatte die Cellistin Marie-Elisabeth Hecker den nötigen Raum, um ihre Spielfähigkeiten gebührend auszubreiten. Sie formte bewusst und deutlich den Klang der einzelnen Töne, spielte ehrgeizig die Tempodynamik mit Widmanns Violine, sich gegenseitig flankierend.

So zeigte sie eindrucksvoll ihr Ausnahmetalent, doch leider schaffte sie es nicht immer, sich im Verlauf des Konzertes gegenüber dem Orchester genügend durchzusetzen. Beim Wechsel in den dritten Satz setzte sie überraschend eine deutliche Pause, die in der Rückschau passend den Satzübergang betonte. Der dritte Satz schließlich wurde sehr schnell angegangen, sodass die Streicher bei der Präzision einiger Details deutlich gefordert waren. Auch war es für das Orchester manchmal nicht einfach, der Agilität der Solisten zu folgen.

Im zweiten Werk des Konzertes war das Orchester wieder allein, sodass ich diesmal auch das Dirigat sehen konnte, war Herreweghe im Tripelkonzert von meiner Position aus leider vom Klavierdeckel verdeckt. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt: die Pastorale spielt man entweder langsam, oder man spielt sie schnell. Hier wurde leider keine durchgehende Entscheidung getroffen; der Anfang und manch späterer Satz waren extrem schnell, dafür fiel das Orchester an anderer Stelle in ein langsameres Tempo.

Marie-Elisabeth Hecker © Benjamin Ealovega
Marie-Elisabeth Hecker
© Benjamin Ealovega
Dann allerdings hatten die Musiker die Intonation wieder mehr in eigener Hand, während sie in den schnell gespielten Passagen Tempo und Ausdruck etwas hinterherliefen. Im ersten Satz agierte Herreweghe wie ein Puppenspieler, der seine Musiker auf den musikalischen Ausdruck einschwören will. Dadurch entstand zwischen beiden eine deutliche Kompaktheit, und die Streicher bemühten sich, an den etwas lauteren Stellen den Zusammenklang ihrer Instrumentengruppe breit und offen zu gestalten.

Der zweite Satz hingegen wurden sehr flach gehalten, und die vielen kleinen Crescendi hätten deutlicher gespielt werden können. Die Vogelstimmen der Einzelbläser waren dann aber sehr erzählend dargeboten. Oboe und Flöte spielten souverän und ruhig zusammen, die Klarinette weich und klar. Alle nutzten gezielt ihre Position im Raum, um in gewisser Entfernung vom Hörer aufzutauchen und so das Naturbild zu verstärken.

Im Dritten, dem Tanzsatz, forderte Herreweghe das Orchester deutlich heraus, Dynamik und Tempo so auszuführen, und es war nicht leicht, den Fokus auf dem Tänzerischen zu halten. Dennoch blieben die Musiker darauf konzentriert, an den lauteren und markanten Stellen mit offenen, breiten Strichen etwas symphonische Ruhe zu finden. Der Abschluss geriet dann sehr unprätentiös und nüchtern. So war dieses Konzert ein zweischneidiges Schwert mit tollen Solisten auf der einen und teils genutzten, aber auch ungenutzten Möglichkeiten auf der anderen Seite.

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