Das Salzburger Publikum kam in den vergangenen Tagen an gleich drei aufeinanderfolgenden Abenden in den Genuss, die Brüsseler Philharmoniker unter ihrem Chefdirigenten Michel Tabachnik auf ihrer Tournee zu hören, und auch ihr drittes und damit letztes Konzert in Salzburg war ein voller Erfolg.

Michel Tabachnik © Jean-Baptiste Millot
Michel Tabachnik
© Jean-Baptiste Millot

Nach anfangs erstaunlicher verhaltener Publikumsreaktion, die vielleicht jedoch mit der unangekündigten Änderung der Reihenfolge des Programms zusammenhing, riss einen Liszts Klavierkonzert Nr. 2 unmittelbar mit. Enrico Pace interpretierte das technisch äußerst schwierige Konzert sehr gelungen und scheinbar mühelos. Betrachtete man seine gekrümmte Haltung, seine schlanke, hohe Gestalt und nicht zuletzt seine langgliedrigen Finger, die über die Klaviatur zu fliegen scheinen, wollte man fast meinen, Liszt selbst säße am Klavier.

In diesem Konzert steht nicht allein das Klavier im Rampenlicht zu stellen, vielmehr verschmelzen hierin das Orchester und das Klavier zu einer homogenen Einheit, deren Elemente ohne einander nicht mehr bestehen könnten. So wurde auch Paces Interpretation von ausbalancierter Dynamik und harmonisierenden Wechsel der Motive zwischen Klavier und Orchester bestimmt. Niemals schien Pace das Orchester übertrumpfen zu wollen und niemals drängten sich die Brüsseler Philharmoniker in den Vordergrund.

Nach der Pause nutzte Enrico Page seine zweite Gelegenheit, das Publikum mit seinem energischen Spiel in Liszts Totentanz für Klavier und Orchester in seinen Bann zu ziehen. Er verstand es, seine Zuhörer mal mit tiefen und vollen Bassklängen, ein andermal mit ganz andächtigem Spiel im Fugato und ein weiteres Mal mit lieblichen Tönen zu fesseln. Und so wollte man tatsächlich kaum den Blick von dem Pianisten abwenden, von dem sich selbst Chefdirigent Tabachnik merklich entzückt zeigte.

Dass Tabachnik kein Mann des Wartens und Verzögerns ist, hatte er schon am ersten Abend des Salzburg-Besuches gezeigt, als er noch im Sprung auf das Dirigentenpodium den Einsatz für sein Orchester gab. Am dritten Abend musste daher natürlich eine Steigerung erreicht werden, die dem Publikum ein beherztes Lachen entlockte, und als Tabachnik nach der Pause wieder beginnen wollte, war sein Taktstock nicht aufzufinden. Dieser wurde aber prompt vom ersten Cellisten überreicht, worauf das Programm auch unverzüglich zum letzten Stück überging.

Beendet wurde der Abend und somit auch der Aufenthalt der Brüsseler Philharmoniker in Salzburg mit Debussys La Mer. Während das Orchester von Michel Tabachniks schwungvollem, ja fast tänzerischem Dirigat geführt wurde, durfte das Publikum nach den aufregenden Liszt-Werken ein klein wenig entspannen und das bunte Treiben auf dem Meer an seinem inneren Auge vorbeiziehen lassen.

Motive, die von den Geigen vorgespielt wurden, haben sich in den anderen Instrumenten mit derselben Artikulation, Dynamik und Hingabe wiedergefunden, was zu einem stimmigen Hin- und Herspiel im Orchester führte, das sehr schön zu beobachten war. Jeder Einsatz der Holzbläser, sei es Klarinette, Flöte, Oboe oder Fagott, wurde so weich und zärtlich gestaltet, dass man sofort nach dem Instrument Ausschau halten musste, welches diesen Wohlklang erzeugte.

Es spricht für die Balance im Orchester, wenn wahrlich jedes Instrument und dessen Einsätze hörbar sind. Genauso wenig wurde das Klavier selbst in seinen piano-Stellen klanglich vom Orchester überdeckt. Stets herrschte ein äußerst ausgewogener Klang zwischen den Brüsseler Philharmonikern und Enrico Pace, die damit einen Konzertabend gestalteten, an den man sich in Zukunft noch mit Freude erinnern wird.

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