Es ist ein mehr als löbliches Unterfangen, dass die Duet Group (ein Unternehmen, das sich der Ausleihe und dem Unterhalt von Musikinstrumenten für Musiker und Schulen verschrieben hat) um die 120 musizierende Jugendliche aus 26 ausgewählten Schulen alle zwei Jahre zu einem großen Symphonieorchester versammelt, um in der renommierten Royal Festival Hall des Southbank Centres ein Konzert zu veranstalten, zumal mit einem Repertoire, an dem sich auch professionelle Ensembles und Musiker ihre Zähne ausbeißen. Das erklärte Ziel ist, den Schülern eine „Lifetime Experience“ zu ermöglichen. Dies geschieht in Verbindung mit dem Mayor's Music Fund, einer wohltätigen Institution, die unterprivilegierten Jugendlichen zu einer musikalischen Ausbildung verhilft, und gibt Mitgliedern des Orchesters die Gelegenheit, die weniger privilegierten Empfängern des Mayor's Music Funds zu unterstützen. Das Orchester besteht fast ausschließlich aus Schülern unter 20 und spielte unter der Leitung des erfahrenen Dirigenten, Musikerziehers und Komponisten Ronald Corp.

Ronald Corp © John Reddihough
Ronald Corp
© John Reddihough

Das populäre Eröffnungsstück, Montagues und Capulets von Prokofjew, gab einen ersten, gemischten Eindruck vom Können und den Grenzen des Ensembles. Schon der exponierte Beginn im Blech erklang wesentlich dissonanter als vom Komponisten intendiert, und auch im weiteren Verlauf des Stücks kämpften die Blechbläser etwas mit Intonation und Koordination. Dafür zeigten sich die Streicher in den liegenden Pianissimo-Noten sehr diszipliniert und homogen. Mit dem Einsetzen des bekannten „Tanz der Ritter“-Themas kam die Sache dann einigermaßen ins Lot und die jungen Spieler boten insgesamt eine ansprechende Leistung: Prokofjews Musik ist eingängig und erschließt sich unmittelbar.

Leidtragende der sehr ehrgeizigen Programmwahl war Oxana Shevchenko, die Solistin im Zweiten Klavierkonzert von Prokofjew. Es ist dies ihr Lieblingskonzert und eines der schwierigsten der gesamten Konzertliteratur. Hier schlug Ronald Corp mit Rücksicht auf das Orchester fast durchweg sehr vorsichtige Tempi an – so vorsichtig, dass die Solistin vor allem in den ersten drei Sätzen ausgebremst wurde, ihre pianistischen Fähigkeiten bei weitem nicht ausschöpfen konnte. Sie machte das Beste daraus, hob im Eröffnungssatz die lyrischen, gesanglichen Aspekte hervor, spielte dynamisch außerordentlich differenziert, sehr ausdrucksvoll in den leisen Stellen, kraftvoll, leidenschaftlich und dramatisch in der extrem schwierigen Kadenz, aber selbst da die versteckten Mittelstimmen aushorchend.

In der Parforce-Tour des Scherzos hatte das Orchester trotz moderatem Zeitmaß Mühe, sich auf den Rhythmus der Solistin einzustellen. Das Intermezzo begann so langsam, dass die Solistin das Tempo zu korrigieren versuchte, was nur ansatzweise gelang, aber es blieb der Eindruck der Unterforderung. Einzig im Schlusssatz bestimmt das Solo das Zeitmaß: wehe, wenn sie losgelassen! Hier behielt Oxana Shevchenko klar die Führung, nicht rücksichtlos, aber doch bestimmt auf ihr Recht pochend. Es wurde der beste Satz des Abends, lebendig, mit Schwung und „Drive“ in den dramatischen Teilen, dennoch lyrisch-expressiv im Piano und im sotto voce. Hier konnte man ihr wahres Potenzial erahnen, und auch, warum ein Kommentator sie in Rumänien, wo sie das Konzert kürzlich aufgeführt hat, zu einer „neuen Argerich“ gekürt hat. Ob dieses Attribut überhaupt wünschenswert ist, sei dahingestellt.

Gustav Mahler mehr als einstündige Fünfte Symphonie schließlich schloss den Konzertabend ab. Die Anforderungen an ein Orchester sind bei diesem Werk enorm hoch und zeigten die Grenzen der noch sehr jungen Musiker auf. Hier gölte es, aus einzelnen Instrumenten Stimmen zu formen, und an der Technik als Basis für Gestaltung und Interpretation zu feilen – beispielsweise für das Scherzo, in dem neben Präzision und Koordination auch eine gewisse rhythmische Freiheit, eine „volkstümliche, schwingende Agogik“ gefragt ist. Die allerdings ist mit einem ad hoc-Ensemble dieser Art unmöglich zu erreichen. Roland Corp aber gab sein bestes, den Klangkörper mit klarer, einfacher Zeichensprache bei der Stange zu halten, und wo kleine Ungenauigkeiten zu einem angelegentlich verwaschenen Klangbild führten, gelang vieles erstaunlich gut. Die Streicher meisterten ihren Part recht anständig, und einige Bläsersolisten taten sich mit sehr guten Leistungen hervor. Erwähnenswert ist das Solo des ersten Trompeters, der schon die einleitenden Triolen in der von Mahler vorgeschriebenen Flüchtigkeit artikulierte und auch später mit sehr guten Soli glänzte.

Ich frage mich, ob eine derart ambitiöse Komposition, in der die Gefahr des Scheiterns evident ist, die richtige Wahl für ein solch junges Ensembles war. Die Symphonie hat den Jugendlichen sicherlich aufgezeigt, mit wie viel harter Arbeit der Weg zum Orchesterprofi noch gepflastert ist. Die Musik hat als solche aber beeindruckt, und ein bleibendes Erlebnis war das Konzert für die Musizierenden allemal.