Für Mahlers Zweite Sinfonie baut Dirigent Valery Gergiev gerne um; die Celli kommen direkt neben die ersten Geigen und vor die Kontrabässe auf der linken Seite. Doch der Umbau ist nicht nur sichtbar, sondern auch hörbar, denn Gergiev bewies bei seinem ersten Konzert als Chefdirigent der Münchner Philharmoniker, dass er viel vorhat. Mit Mahlers Zweiter Sinfonie, der „Auferstehungssinfonie“, führte Gergiev die Philharmoniker und den Philharmonischen Chor souverän und deutet eine exzellente Zusammenarbeit an.

Valery Gergiev © Andrea Huber
Valery Gergiev
© Andrea Huber
Mahlers Zweite Sinfonie entstand in einem Zeitraum von sieben Jahren. Ein Gedicht von Gottlieb Kloppstock, das Mahler bei der Trauerfeier für seinen Förderer Hans von Bülow hörte, bildet die Grundlage für den monumentalen letzten Satz, dem der Komponist selbst den Titel „Auferstehung“ gab. Zum ersten Satz sagte von Bülow noch zu Lebzeiten: „Wenn das noch Musik ist, dann verstehe ich überhaupt nichts von Musik.“

Das 1895 uraufgeführte Werk umfasst neben großem Chor, Sopran- und Mezzosopransolistin und großem Orchester noch ein Fernorchester für den letzten Satz. Den ersten Satz betitelte Mahler als Totenfeier, und diesen Charakter nahm Gergiev in seiner Interpretation gleich zu Beginn auf. Die tiefen Streicher boten eine starke, aber dennoch nicht massive Basis für den ersten Satz, der bei Gergiev wie ein Trauermarsch klang. Dennoch blieb es nicht nur bei einer düsteren Grundstimmung, denn vor allem die fanfarenartigen Trompeten gaben dem Marsch eine gewisse Feierlichkeit und die Streicher sorgten für Brillanz im Klangbild.

Dem Trauermarsch setzte Gergiev im zweiten Satz, dem tänzerischen Andante comodo, eine federnde, leichte Grundstimmung entgegen, behielt aber die Spannung des ersten Satzes bei, und die pizzicato-Passagen in den Streichern waren höchst präzise mit den Harfen abgestimmt.

Für den dritten Satz verwendete Gustav Mahler eine instrumentale Fassung des Liedes Des Antonius von Padua Fischerpredigt. Zwar ist dieser Satz auch von einem tänzerischen Motiv geprägt, doch nun kommen auch expressive Momente hinzu. Das Urlicht, das Mahler mit „Sehr feierlich, aber schlicht“ übertitelt, verstand Gergiev als Ruhepunkt vor dem abschließenden fünften Satz. Er hielt diesen Satz tatsächlich schlicht und hob so die einfache Schönheit hervor. Mezzosopranistin Olga Borodina unterstützte diese Einfachheit mit ihrem klaren, reinen Timbre, das vor allem mit seinem dunklen und vollen Klang in der Tiefe eine exzellente Basis für Borodinas Höhen gab. Diese entwickelte sie dann von einem Pianissimo zu vollem, strahlendem Klang.

Valery Gergiev, Anne Schwanewilms, Olga Borodina und die Münchner Philharmoniker © Andrea Huber
Valery Gergiev, Anne Schwanewilms, Olga Borodina und die Münchner Philharmoniker
© Andrea Huber
Für den letzten Satz forderte Gergiev von den Musikern vollen Einsatz, und so schufen das Orchester und er es, die furiosen, lauten Stellen sowie die piano-Passagen markant auszuarbeiten. Vor allem der Bläserchoral zu Beginn des Satzes beeindruckte mit seinem feierlichen Ausdruck und der perfekten Homogenität. Diese Homogenität übernahm schließlich der Chor bei seinem ersten Einsatz. Und während die Sänger anfangs noch ein innig-dunkles Klangbild kreierten, entwickelten sie dieses in der Schlussapotheose zu einem strahlenden Lobgesang. Hierbei überzeugte besonders die Balance zwischen den Stimmen.

Sopranistin Anne Schwanewilms fügte sich in den Chorklang problemlos ein, indem sie ihre Stimme wie eine lyrische Erzählerin darüberlegte. Ihr Timbre ist von ähnlicher Klarheit wie das von Borodina, weshalb ihr kurzes Duett gegen Ende des fünften Satzes mit einem runden Klang überzeugte. Den Schluss kosteten die Musiker schließlich mit all seinem Bombast aus.

Mit der „Auferstehungssinfonie“ gelang Valery Gergiev ein grandioser Einstand bei den Münchner Philharmonikern, die hörbar gut mit ihm klarkommen. Einer vielversprechenden Zusammenarbeit steht nichts im Wege.