Sie sind weder verwandt noch verschwägert mit Papageno, dem Berühmtesten seiner Zunft, haben mit ihm aber doch einige Gemeinsamkeiten. Sie alle fangen Vögel, träumen davon, auch mal ein Mädchen in ihr Netz zu locken, und stellen sich dabei nicht sonderlich geschickt an. Die Rede ist von Cecco, Toniolo und Pierotto, den drei Vogelfängern in Florian Leopold Gassmanns Oper Gli uccellatori. Dass die vergnügliche Oper, die 1759 in Venedig uraufgeführt wurde, nach über 200 Jahren wieder ihren Weg auf die Bühne gefunden hat, ist einer Kooperation der Kammeroper mit dem Forschungsprojekt „Opera buffa in Wien“ des Wiener Instituts für Musikwissenschaft zu verdanken.

M. Dvorak (un uccello), T. Greenhalgh (Cecco), J. Hernao Gonzalez (Toniolo) und C. Seidl (Pierotto) © Herwig Prammer | Theater an der Wien
M. Dvorak (un uccello), T. Greenhalgh (Cecco), J. Hernao Gonzalez (Toniolo) und C. Seidl (Pierotto)
© Herwig Prammer | Theater an der Wien

Die Werke des gebürtigen Tschechen, der unter Joseph II. in Wien Opernkapellmeister war, gerieten über die Jahre in Vergessenheit, obwohl er zu Lebzeiten große Erfolge feierte und die Opera buffa in Wien zu ihrer Glanzzeit führte. Seine Oper Gli uccellatori, in der man die besungenen Vögel regelrecht flattern und zwitschern hört, bietet barocken Spaß, dessen Melodien leicht ins Ohr gehen, sich dort jedoch nicht so eingraben, wie etwa die wenig später entstandenen Meisterwerke Mozarts, aber nichtsdestoweniger für kurzweilige Unterhaltung sorgen. Dazu trägt natürlich auch die ziemlich turbulente Handlung bei.

Roccolina und Mariannina, zwei Mädchen vom Lande, haben sich in den Vogelfänger Cecco verliebt, auf den auch die Contessa ein Auge geworfen hat, die wiederum vom Marchese begehrt wird. Dass diese Ausgangskonstellation in einer klassischen Verwechslungskomödie für allerlei Intrigen, Verkleidungen und Verwirrungen sorgt, versteht sich von selbst. Am Ende finden sich jedoch drei (mehr oder weniger) glückliche Paare auf der schrägen, mit Ornamenten verzierten Fläche, die Regisseurin Jean Renshaw als Schauplatz gewählt hat. Die wenigen, aber gezielt eingesetzten Requisiten - etwa zwei Mini-Plastik-Weihnachtsbäume als Wald - und die bunt-schrillen Kostüme sorgen einerseits für Komik, andererseits für einen optisch stimmigen Eindruck.

Den Figuren stellt die Regisseurin einen im wahrsten Sinne des Wortes komischen Vogel zur Seite, den Martin Dvorak als Mischung aus Amor und Federvieh im weißen Tutu mit so sagenhafter Ausdrucksstärke seiner Bewegungen und hinreißend komischer Mimik tanzte und spielte, dass man immer wieder vergaß, dass es sich um einen Menschen handelt, der den Vogel nur verkörpert. Er beobachtete die Handlungen der Menschen um ihn herum sichtlich amüsiert, kommentierte sie körpersprachlich und gab ihnen im Zweifelsfall eine Schubs in die richtige Richtung.

Natalia Kawalek (Roccolina) und Frederikke Kampmann (Mariannina) © Herwig Prammer | Theater an der Wien
Natalia Kawalek (Roccolina) und Frederikke Kampmann (Mariannina)
© Herwig Prammer | Theater an der Wien
Mehr als nur einen solchen Schubs nötig hat der verklemmte Marchese Riccardo, der versucht, die Contessa Armelinda für sich zu gewinnen. Vladimir Dmitruk brachte den reichen Schnösel wunderbar tollpatschig auf die Bühne, schaffte es aber gleichzeitig, dem Grafen mit seinem kraftvollen Tenor die nötige Autorität zu verleihen. Seine Stimme verfügt über einen metallisch strahlenden Kern, der im Forte besonders gut zur Geltung kommt. Dieses Forte allerdings wurde im kleinen Rahmen der Kammeroper stellenweise etwas zu laut. Die Contessa, deren Herz der Marchese am Ende doch noch gewinnt, lag bei Viktorija Bakan in besten Händen. Die litauische Sopranistin ist eine durch und durch noble Bühnenerscheinung, und ebenso elegant und locker führte sie auch ihre Stimme durch die barocken Verzierungen der Partie. Besonders unterhaltsam gelang es ihr, die Leidenschaftlichkeit der Contessa darzustellen, als diese das Standesdünkel für einen Augenblick vergisst und dem Vogelfänger Cecco ungeniert an die Wäsche geht. Obwohl kühl timbriert, war in ihrer Stimme in dieser Szene das nötige Feuer zu hören.

Für weniger Eleganz, dafür für viel Koketterie, Koloraturen und schillernde Spitzentöne war Frederikke Kampmann als Mariannina zuständig, die sich mit Natalia Kawaleks Roccolina mit glutvollem, dunklen Mezzo etliche Zickenkriege liefern durfte. Ihre Versuche, die jeweils andere im Kampf um Cecco auszuschalten versuchten, hatte größten Unterhaltungswert. Dass sie bei all dem Tumult immer gesangliche Oberhand behielten, nie außer Atem klangen oder sich gar zu schrillen Tönen hinreißen ließen, beeindruckte umso mehr. Hinzu kam, dass die beiden Stimmen sich zwar klar voneinander abhoben, dabei aber wunderbar harmonierten.

Ein ebenso perfekt aufeinander abgestimmtes Team bildeten die drei titelgebenden Vogelfänger, die sich sowohl in der Liebe als auch im Job zu übertrumpfen versuchen. Als Cecco konnte Tobias Greenhalgh seinen weichen Bariton herrlich strömen lassen; seine warm timbrierte Stimme war wie gemacht für die Rolle des umschwärmten Frauenlieblings und wurde mal verführerisch sanft, mal selbstbewusst kräftig gestaltet, sodass man gut verstehen konnte, warum alle Damen in dieser Oper ausgerechnet auf Cecco scharf sind. Den schüchternen Toniolo sang Julian Henao Gonzalez mit viel tenoralem Schmelz und der nötigen Portion Ironie, etwa wenn bei einem seiner hohen Töne, die er sicher und unforciert erreichte, die Lampen des Lusters zu flackern anfingen und sich Bass und Bariton neben ihm die Ohren zuhielten.

Viktorija Bakan (Contessa Armelinda) und Vladimir Dmitruk (Il Marchese Riccardo) © Herwig Prammer | Theater an der Wien
Viktorija Bakan (Contessa Armelinda) und Vladimir Dmitruk (Il Marchese Riccardo)
© Herwig Prammer | Theater an der Wien

Wie Puzzleteile, die sich zu einem großen Ganzen zusammenfügen, ergänzten sich in dieser Vorstellung Sänger und Orchester perfekt. Stefan Gottfried leitete vom Cembalo aus das Bach Consort Wien und animierte die Musiker zu spritzigen Tempi und schwungvoller Leichtigkeit. Besonders schön war, dass der Witz, der im Text allgegenwärtig ist, sowie die überschwängliche Lebensfreude auch in der musikalischen Umsetzung zur Geltung kamen.

Die Wiederentdeckung von Gassmanns Oper ist ohne Zweifel ein Glücksfall, das junge Ensemble der Kammeroper konnte seine Stärken voll ausspielen, und als Zuschauer verließ man die Oper vergnügt mit einem Lächeln auf den Lippen.

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