Der spanische Dirigent Salvador Mas Conde mag nun wirklich nicht jedem ein Begriff sein. Nach seinem Auftritt mit dem Orchester der Klangverwaltung im Spiegelsaal von Schloss Herrenchiemsee wundert man sich allerdings, wieso. Denn im rein russischen Programm von Mussorgsky bis Rimsky-Korsakow verlangte er den Musikern alles ab und schonte das Publikum nicht. Gerade diese Mischung wurde zur strahlenden Hommage an die russische Romantik, deren schroffer Schönheit sich an diesem Abend in zugegeben opulenter Umgebung keiner entziehen konnte.

Salvador Mas Conde und das Orchester der KlangVerwaltung © Matthias Rünagel | Herrenchiemsee Festspiele
Salvador Mas Conde und das Orchester der KlangVerwaltung
© Matthias Rünagel | Herrenchiemsee Festspiele

Den Beginn des Programms markierte Modest Mussorgskys Nacht auf dem kahlen Berge, die als eine der ersten russischen Symphonischen Dichtungen komponiert wurde und den Hexensabbat auf dem Berg Tirglav beschreibt. Mit wuchtigen Dissonanzen und kreischenden Läufen in den Holzbläsern entwickelt sich das Werk zu einem grotesken Tanz, der immer wieder unterbrochen schließlich mit Glockengeläut endet.

Mas Conde, der den Abend auswendig dirigiert, wählte, wie das gesamte Programm über, ein recht langsames Tempo, das er aber je nach Bedarf flexibel anzog oder abbremste. Mit Beginn des ersten Tons zeigte sich das Orchester der Klangverwaltung höchst konzentriert und entwickelte die dissonanten Tongebilde zu dem wilden Tanz hin. Bereits hier zeigte sich der bemerkenswert kompakte Klang des Orchesters, das sich als projektbezogener Klangkörper aus Musikern der Berliner, Münchner und Wiener Philharmoniker sowie des Concertgebouw Orchesters zusammensetzt.

Mit meisterlicher Präzision gestaltete Mas Conde auch den Beginn von Tschaikowsky Fantasie-Ouvertüre zu Romeo und Julia. Selbst die leisesten Passagen zeugten von der hervorragenden Einstellung des Orchesters, das mit klarer Intonation und exzellentem Zusammenspiel die tiefempfundene Stimmung des Anfangsthemas vorstellte. Mas Conde schien das Orchester dabei fast leger zu leiten, bei näherer Betrachtung fiel allerdings auf, dass er dieses mit nur minimaler Gestik zu führen verstand und jeden Einsatz präzise dirigierte. So entwickelte er die anfänglich innige Stimmung zum wilden, expressiven Thema weiter, das er wie ein tänzerisches Motiv wirken ließ und damit den vorläufigen Höhepunkt des Abends markierte.

Salvador Mas Conde © Matthias Rünagel | Herrenchiemsee Festspiele
Salvador Mas Conde
© Matthias Rünagel | Herrenchiemsee Festspiele

Den Abschluss des Programms bildete Nikolai Rimski-Korsakows Symphonische Dichtung über Prinzessin Schéhérazade aus den Erzählungen aus tausendundeiner Nacht. Das Werk ist mit seinen artifiziellen Solopassagen und orientalischen Momenten eines der beeindruckendsten Beispiele für Rimski-Korsakows Schaffen; geprägt von dem immer wiederkehrenden Solo der Violine, das die Prinzessin darstellt. Konzertmeister Andreas Reiner interpretierte diese Figur mit großer Emotionalität, aber ohne falschen Pathos.

Mas Conde wählte auch hier wieder ein ruhiges Tempo, dass er ebenfalls flexibel variierte und besonders den vielen Soli genügend Raum gewährte. Was anfangs etwas gewagt schien, setzte sich schließlich zu einem fantastischen Bild zusammen, denn durch Mas Condes Dirigat schien zum Beispiel der Marsch im dritten Satz wie ein fröhlicher Festzug, der sich zum romantischen Höhepunkt wendet. Aber auch hier wusste Mas Conde zu dosieren und ließ das Werk nie in überbordende Schwülstigkeit abrutschen. Mit viel Feingefühl kreierte das Orchester die gewaltigen Klangfarben; es strahlten die Blechbläser und insbesondere die Trompeten wie Fanfaren über dem Orchester, das dank Mas Conde dynamisch perfekt eingestellt war und so den Soli in den Holzbläsern eine ausgezeichnete Basis boten. Kompromisslos steigerte das Orchester im vierten Satz den Klang und die Dynamik ins scheinbar Unermessliche, bevor das Stück versöhnlich im Piano verklang.

Es war gerade dieser Wechsel, der den Abend über verblüffte. Führte Mas Conde das Orchester in einem Moment zu voller Lautstärke, schaffte er im nächsten den Stimmungswechsel zum lyrisch verträumten Piano. Dabei verstand er es, die Werke mit all ihren Facetten und mit größter Transparenz auszugestalten, sodass selbst dem werkvertrauten Zuhörer einige neue, bis jetzt scheinbar unbekannte Details deutlich wurden.

Wie eine perfekte Symbiose fügte sich die majestätische Musik in die königliche Umgebung des Schlosses Herrenchiemsee ein und bewirkte so, dass das Konzert zu einem Abend wurde, der noch lange nachklingt.

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