Als „Heavysonic“ beschreibt der gebürtige Schweizer Julian Layn seinen Kompositionsstil. Er basiert auf Gesetzen und Strukturen der Physik (der Pianist ist Doktor des Faches), die korrespondierende Elemente, Phrasen und Themen dramaturgisch zu einem Dialog verbinden sollen, durchsetzt mit Kompositionsprinzipien des 19. Jahrhunderts.

Die Klavierkonzerte kennzeichnet so ein dichter Satz, oft polyrhythmischer Natur, und eine Neigung zu dröhnenden Tremolo-Schlüssen. Im Gegensatz dazu sind die Klavierstücke und die neu vorgestellte Sonate etwas lichter im Satz, mit einem gelegentlichen Hauch von Lyrik gar. Die Dynamik jedoch tendiert zu Statik, allenfalls mit sehr langen Steigerungswellen. Wo das das Erste Klavierkonzert über lange Strecken in Moll-Tonalität fixiert scheint, wechselt If You Believe häufig nach Dur, für meine Ohren mit einem gewissen Hang zu Trivialverläufen.

Die vorgestellte Musik bleibt weitgehend im einmal gewählten Tempo, und der Fluss hält selten inne, um das Vergangene verklingen zu lassen und danach neu anzusetzen. Auch rhythmisch sind die Stücke eher uniform, im einmal gewählten Muster verharrend, oft Jazz-artig synkopiert, wobei in The Fench Course, einem Impromptu in h-Moll, mit Anspielungen auf barocke Cembalowerke auch der Einfluss der „alten“ Musik zum Tragen kommt. 

In der zweiten Konzerthälfte hörte man schließlich die neue Klaviersonate in ges-Moll, „The Queen“; diese basiert scheinbar konventionell auf zwei Themen, in einem modifizierten Sonatensatz-Schema. Dabei ist zu beachten, dass Julian Layn von „harmonischer Struktur“ spricht; es geht also nicht (wie oft im klassischen Sonatensatz) um zwei rhythmisch und melodisch gegensätzliche Themen, sondern es handelt sich vor allem um unterschiedliche harmonische Entwicklungen in den zwei Themen. Diese sind für den Hörer nach einer einzigen Aufführung kaum fassbar, und die Struktur erschließt sich einem wohl nur, wenn man mit dem Stück vertraut ist.

Im Gegensatz zu den Klavierkonzerten scheint in der hier weniger dichten Textur zu liegen, dem weniger dominanten Bass-Ostinato, der größeren harmonischen Variabilität, dem vermehrten Gebrauch von Dur-Tonarten, Polyrhythmie und Polyphonie. Aber auch da verdichtet sich die zeitweilige Zweistimmigkeit aus einer melodisch und harmonisch fast barocken Sprache wieder zu Julian Layns bevorzugtem Idiom, mit Synkopen und gelegentlich gewollt schrägen Harmonien, und einer größeren Ausdrucksbreite, der ich an diesem Abend am ehesten etwas abgewinnen konnte. 

Im Kleinen Saal der Tonhalle spielte Julian Layn seine Kompositionen bei etwa zu einem Viertel besetztem Saal am hervorragend präparierten Steinway D; seine Darbietung war eindrücklich, kann aber bezüglich Breite der angewandten Techniken in Artikulation, Phrasierung, Agogik und Dynamik nicht einem klassischen Solo-Rezital verglichen werden. Durch die fast durchgehende Pedalisierung kann die Anschlagstechnik und Phrasierung gar nicht beurteilt werden; die linke Hand spielt routiniert ihre Ostinati, die Rechte ebenso routiniert ihre mit- oder gegenläufigen Rhythmen, Melodiefragmente wurden klar herausgehoben. In der neuen Sonate schlichen sich gelegentlich kleinere Ungenauigkeiten ein — die fielen aber gesamthaft nicht ins Gewicht, und schließlich ist die Sonate noch „druckfrisch“.