Martha Argerich und Mischa Maisky trafen sich am Mittwoch im Münchner Herkulessaal zu einem kammermusikalischen Gipfeltreffen um ihre nun mehr 40-jährige musikalische Freundschaft zu feiern. Mit einem Programm, das von Schubert über Beethoven zu César Franck reichte, lieferten die beiden eine Darbietung von allerhöchstem künstlerischen Anspruch.

Martha Argerich © Adriano Heitman
Martha Argerich
© Adriano Heitman

Die Sonate für Arpeggione und Piano in a-Moll schrieb Schubert eigentlich für ein heute ziemlich vergessenes sechssaitiges Streichinstrument. Später wurde der Part des Arpeggione auf die vier Saiten des Cellos übertragen und hat trotzdem den lyrischen Charakter des Originals behalten. Maisky verlieh vor allem dem Allegro moderato einen warmen, bis in die Höhen klaren Klang. Besonders das bekannte Thema des ersten Satzes füllte der mit sehnsuchtsvoller Emotion und großem lyrischen Bogen. Ganz klar waren hier die Rollen verteilt, zwischen dem begleitenden Klavier und dem solistischen Cello. Dabei ging Argerich ganz in der Begleitrolle rauf: Im feinen Piano mit ganz sanftem Anschlag unterlegte sie die lyrischen Themen Maiskys oder gab den schnelleren Passagen mit Staccato-Akkorden klare Konturen.

Besonders im Allegretto sorgte Maisky mit seinem sanglichen, dabei aber nicht schweren Spiel für einen federleichten Charakter. Bei Beethoven Sonate in g-Moll Op.5 Nr.2 liegt die Verteilung der beiden konzertierenden Stimmen etwas anders. Beethoven sah das Klavier und das Cello, das in dieser Zeit als Soloinstrument noch recht neu war, als gleichberechtigte Konzertpartner, und Argerich und Maisky sorgten sehr umsichtig dafür, dass sie es kein Nebeneinander, sondern ein Miteinander wurde.

Mischa Maisky © Hideki Shiozawa
Mischa Maisky
© Hideki Shiozawa
Ganz genau hörten die beiden aufeinander, nahmen die verschiedenen Stimmungen des anderen jeweils auf und entwickelten dessen Themen weiter. Maisky scheute sich bei den expressiven Ausbrüchen nicht, dem Cello auch mal einen kratzigen Ton zu entlocken, um den wilden Charakter zu unterstreichen, und auch Argerich schlug für den Beethoven einen kantigeren Ton an, der ihre große Bandbreite an dynamischer Variabilität herauskehrte. Den virtuosen Passagen mit rasanten Läufen, besonders in der linken Hand, verlieh sie einen brillanten Klang mit perligem Charakter und griff im finalen Rondo wieder auf die Staccato-Akkorde zurück, die dem tänzerischen Satz die notwendige Leichtigkeit verschafften.

Mit César FranckSonate in A-Dur betraten Argerich und Maisky klanglich eine deutlich veränderte Welt. Die Sonate, die eigentlich für Violine und Klavier komponiert wurde, zeigt ein viel dichteres Klangbild, das Argerich mit symphonisch anmutenden Akkordgriffen im ersten Satz eröffnete und dabei trotzdem eine erzählerischen Linie hielt. Mit exzellentem Ausdruck entwickelte sie die Läufe immer wieder zu großen Höhepunkten weiter, die mit den fließenden Melodien des Cellos einhergehen.

Maisky konnte in dieser Sonate auch die tieferen Register seines Instruments zur Schau stellen, die er mit großer dunkler Wärme und differenzierter Akzentuierung darbot. Als introvertierter Höhepunkt stand der dritte Satz des Werkes, den die beiden in abwechselnden Solopassagen, die mit größter Emotion aufeinander prallten, einleiteten. Das darauffolgende Zusammenspiel erklang wie eine sinnierende Melodie, die Argerich und Maisky mit fließender Ruhe und einiger Melancholie, dennoch immer spannungsvoll vortrugen.

Mit dem ein oder anderen kurzen Blick orientierte sich Argerich an Maiskys Spiel oder koordinierte die Einsätze, um das Zusammenspiel in exakter Präzision zu halten. Das gemeinsame Musizieren der beiden zeugte jedoch von solch großer Natürlichkeit, blindem Verständnis und einer großen, über die Jahre gewachsenen Verbundenheit, mit der sie die musikalischen Emotionen des anderen vorfühlten und aufnahmen, die diesen Abend zu einem ganz besonderen Erlebnis machten, bei dem die Freude an der Musik greifbar wurde.