Ob man mit klassischer Musik etwas am Hut hat oder nicht – Wolfgang Amadeus Mozarts Werk Eine kleine Nachtmusik entkommt man nicht, wenn man in Österreich lebt. Spieluhren, Werbung, Filme und der schulische Musikunterricht picken dabei stets die ersten Takte des ersten Satzes als Inbegriff für Mozart-Sound heraus; die gesamte Serenade wird allerdings vergleichsweise selten aufgeführt. Für welchen Anlass der Komponist die Nachtmusik 1787 schrieb ist unklar, ebenso wie die Frage, ob sie zu Mozarts Lebzeiten tatsächlich aufgeführt wurde. Im Rahmen der Styriarte wurde die Nachtmusik nun mit einem weiteren in Wien entstandenen Werk, dem Klavierkonzert in A, und Briefen aus der Feder des Komponisten kombiniert.

Palais.Attems.Hofkapelle © styriarte | Wagner
Palais.Attems.Hofkapelle
© styriarte | Wagner

Als Einstimmung gab es im Foyer der List-Halle wieder ein Vorspiel, für das dieses Mal der Tausendsassa und hauptberufliche Clown Adrian Schvarzstein mit seiner Gefährtin Jūratė Širvytė verantwortlich zeichneten. Ein heiteres Satyrspiel sollte von der Last des ernsten Alltags befreien und so desinfizierten die beiden in herrlich komödiantischer Manier Schuhe der Besucher, maßen den Abstand (ein Babyelefant!) zwischen den Wartenden und erläuterten mit vollem Körpereinsatz die während des Konzerts geltenden Regeln. Das Publikum amüsierte sich sichtlich und spielte bei den interaktiven Elementen brav mit, indem es den Aufforderungen – Bitte die Tasche öffnen, es könnte ein Chihuahua darin versteckt sein! Weinglas in einem Zug leeren, die Vorstellung beginnt gleich... – sogleich nachkam.

Im Hauptprogramm wurde schließlich von der Palais.Attems.Hofkapelle wieder höchste Qualität geboten; auf 430 Hz gestimmt und mit Darmbesaitung ausgestattet klangen die Streicher zartschmelzend wie der flüssige Kern eines Schokoküchleins und im Zusammenspiel mit Eva Maria Pollerus am Hammerklavier gingen die Musiker im Klavierkonzert eine ideale Symbiose ein. Der weiche Klang des Klaviers und das gefühlvolle Spiel der Solistin, das sich nie in den Vordergrund drängte, aber dennoch im Mittelpunkt stand, prägten die erste Konzerthälfte. Elegant trippelte der Klang im ersten Satz dahin, die zarten und elegischen Bögen des zweiten Satzes ließen sich auch durch das penetrant klingelnde Handy im Publikum nicht stören und mit viel Verve kam das abschließende Allegretto daher. Die berühmten ersten Takte der Serenade Eine kleine Nachtmusik interpretierten die Musiker schließlich luftig frisch und vor allem klischeebefreit. Wie schön insbesondere der zweite Satz dieses Werks, die Romance ist, demonstrierten die Streicher in einem dynamisch abgestuften Zwiegespräch der Instrumente. Im dritten und vierten Satz schien das Orchester mit und in Mozarts Komposition regelrecht zu tänzeln, sodass die Musik ihre volle glücksselig machende Wirkung ganz entfalten konnte.

Florian Teichtmeister © styriarte | Tschida
Florian Teichtmeister
© styriarte | Tschida

Nach der langen Bühnenpause etwas am falschen Fuß erwischt schien Schauspieler Florian Teichtmeister, der den ganzen Abend über ein wenig neben sich stehend wirkte und während des zweiten Satzes des Klavierkonzerts sogar kurz die Bühne verließ, um sich spontan für ein luftigeres Outfit zu entscheiden. In den gelesenen Briefen ließ er dennoch den herrlich spitzzüngigen Wolferl vor Augen und Ohren auferstehen, der über so ziemlich alles und jeden in Wien lästert: Die Gepflogenheiten bei Mittag- und Abendessen, seine Bekannten und sogar der Kaiserhof – über sie alle zog er schamlos her.

Vermutlich kam Mozart die nächste Etappe seines Lebens daher gerade recht, denn sowohl das Klavierkonzert als auch die Nachtmusik entstanden knapp vor Mozarts Reise nach Prag. Dort übernahm er die Einstudierung der Uraufführung des Don Giovanni und so liegt es nahe, dass auch an diesem Styriarte-Wochenende die nächsten zwei Konzertabende dieser Oper gewidmet sind.

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