Drei Symphonien von zwei Komponisten, die unterschiedlicher nicht sein könnten, hatten die Münchner Philharmoniker aufs Programm gesetzt. Während Prokofjews Erste Symphonie den Vorbildern Haydns nacheifert, offenbart die Siebte Symphonie die witzigen, grotesken Momente in Prokofjews Werken. Bruckners Dritte Symphonie, die sogenannte Wagner-Symphonie, hingegen bringt symphonischen Großklang der späten Romantik auf die Bühne. Die Münchner Philharmoniker unter der Leitung von Chefdirigent Valery Gergiev führten dabei das Publikum souverän durch die drei charakterlich so unterschiedlichen Symphonien.

Valery Gergiev © Alberto Venzago
Valery Gergiev
© Alberto Venzago

Prokofjews Erste Symphonie, die in Länge, Instrumentation und Aufbau ein recht genaues Abbild der Symphonien der Wiener Klassik gibt, interpretierte Gergiev mit viel tänzerischem Effet und genauer Akzentuierung, um den leichten Charakter der Symphonie zu betonen. Mit schwelgerischem Klang in den Geigen kreierten die Münchner Philharmoniker ein sehr helles, feines Klangbild; dass es sich bei der Symphonie aber dennoch wirklich um Prokofjew handelte, daran ließen die Musiker keinen Zweifel. Die Philharmoniker verstärkten den grotesken Eindruck besonders bei der Gavotta und dem abschließenden Finale durch genaue Akzente und akkurate Rhythmik; zudem hob Gergiev die Holzbläser aus dem Gesamtklangbild hervor, sodass diese wie bunte Farbtupfer wirkten.

Verglichen zu Prokofjews erster Symphonie gab es zwar einige Ähnlichkeiten zu seiner siebten Symphonie hinsichtlich instrumentaler Durchsichtigkeit und harmonischer Einfachheit, dennoch setzte Gergiev eine klare Trennung. Prokofjews letzte Symphonie leitete er mit einem tief-dunklen Klang ein, der sehr kontrastreich zur Symphonie classique stand; darüber legten die Violinen mit viel Emotion und einem brillanten Klang das Hauptthema des ersten Satzes. Gergiev gelang es dabei, den Klang der Philharmoniker sehr fein zu entwickeln, sodass sie an manchen Stellen mit schwelgerischer Dichte, an anderen mit fröhlicher Leichtigkeit wirkten.

Packend gelang es den Musikern, im Scherzo die tänzerischen Walzerrhythmen immer wieder zu Höhepunkten aufzubauen und schließlich wirkungsvoll zusammenzubrechen zu lassen. Die grotesken Details, zum Beispiel das grummelnde Bassposaunensolo, bedachte Gergiev mit viel Humor; dem Andante verlieh er nach dem ausgelassenen Scherzo eine gute Portion nostalgische Melancholie, bevor er das Vivace in zügigem Tempo einleitete.

Ihrer Unterschiede zum Trotz bildeten die beiden Prokofjew-Symphonien mit ihrem eher leichten Gestus eine kontrastierende Einheit zur Dritten Symphonie von Anton Bruckner, für die Gergiev ein sehr dichtes Klanggewebe aufbaute. Er machte schon im Kopfsatz deutlich, dass er massive Klangausbrüche keineswegs fürchtete, die er vor allem mit einem vollmundigen Blechbläserklang unterstützte. Hatten die Trompeten in der Siebten Symphonie bisweilen noch etwas verhalten geklungen, waren sie bei Bruckner wieder vollkommen sattelfest und schlugen einen fanfarenartigen, feierlichen Ton an.

Nicht nur die Widmung dieser Symphonie zeigt deutlich Bruckners Verehrung seines Kollegen Richard Wagner (der die Widmung auch angenommen hatte); wagnerianische Elemente finden sich in vielen seiner Symphonien, und Gergiev nahm diesen Charakter bewusst auf, indem er dem Kopfsatz eine mystische Stimmung verlieh. Gerade zu ausgelassen wirkte danach das Scherzo mit seinem galoppierenden Rhythmus, das Gergiev in gutem Tempo einleitete; dabei wirkten die tänzerischen Momente des Scherzo sehr transparent im Gegensatz zu den übrigen Sätzen.

Gergievs Lesart dieser Dritten Symphonie, die vielen als die schwierigste der Bruckner-Symphonien gilt, entfaltete die unterschiedlichen Stimmungen der Symphonie für sich, ohne dabei jedoch das Werk wie eine Aneinanderreihung einzelner Teil wirken zu lassen. Gergiev scheute den massiven Klang nicht und seine differenzierte, detailbedachte Interpretation machte die Symphonie dennoch zu einem sehr kurzweiligen Konzerterlebnis.