Konzert für Salzburg - an diesem Abend war der Name Programm. Bei diesem Konzert für die Bürger Salzburgs kamen Jung und Alt zusammen, um Interpretationen musikalischer Klassiker durch die Staatskapelle Dresden unter ihrem Chefdirigenten Christian Thielemann zu hören.

Nikolaj Znaider © Matthias Creutziger
Nikolaj Znaider
© Matthias Creutziger

Das diesjährige Thema der Osterfestspiele, die Begegnung zwischen Italien und Russland, wurde im Konzert für Salzburg gleich in zweierlei Hinsicht aufgegriffen: einerseits durch die Komponisten, die aus den jeweiligen Ländern stammten, andererseits durch die Kompositionen selbst. Welches Stück könnte einen solchen Themenabend besser eröffnen als Tschaikowskys Capriccio Italien? Es ließ die Zuhörer die italienische Lebensart mit ihren Volksliedern so wahrnehmen, wie sie von Tschaikowsky einst empfunden wurde.

Wie auch die nachfolgenden Ausschnitte aus Prokofjews Orchestersuiten des Balletts Romeo und Julia wurde das Capriccio von Nikolaj Znaider dirigiert, der tags zuvor bei den Festspielen schon als Soloviolinist überzeugt hatte. An diesem Tag stand er einem doppelten Anspruch gegenüber, dirigierte doch der Routinier Christian Thielemann direkt im Anschluss die zweite Programmhälfte. Eine solche Konstellation lädt geradezu zum Vergleichen der beiden Dirigenten und ihrer Stile ein.

Znaiders Tschaikowsky hatte in den großen Forte-Parts viel Ausdruckskraft und sprühte nur so vor Energie und Spannung, genau die aber fehlte in den leiseren Stellen, in denen Thielemann mit kleinen Akzenten und kaum merkbaren dynamischen Bewegungen erfahrungsgemäß ebenfalls größte Spannung kreieren kann. In Die Montagues und Capulets zeigte Znaider aber, dass er nicht nur in lauten Passagen Hochspannung erschaffen kann. Davon zeugte der leise, ganz behutsamen Einsatz der Bläser, die das erste Hauptthema wieder einläuten. Zudem spielte die Staatskapelle unter seiner Leitung derart expressiv, dass sich die Szene von Romeo am Grabe Julias vor dem inneren Auge des Zuhörers manifestierte, auch ohne szenische Darstellung durch das Ballett, das die Musik eigentlich begleitet.

Mit Musik aus Bühnenwerken ging es weiter und die Intermezzi aus den diesjährigen Opernproduktionen der Festspiele, Pagliacci und Cavalleria rusticana, wurden noch einmal außerhalb des Opernrahmens aufgeführt. Neben dem Unterhaltungswert bot dies eine tolle Gelegenheit für diejenigen, die nicht die Chance hatten, den Opern beizuwohnen, trotzdem zumindest ein klein wenig von der fabelhaften Produktion zu erleben. Die kurzen, aufregenden Intermezzi ließen erahnen, welch mitreißender Opernabend das gewesen sein muss.

Das Intermezzo aus Cavalleria rusticana war hierbei von einer hauchzarten Struktur im Mezzoforte, die zum Schwelgen einlud. Orchester und Dirigent fanden die perfekte Balance in Dynamik, Tempo und Ausdruck, um dies zerbrechlich feine Gebilde nicht zum Einsturz zubringen. Im Pagliacci-Intermezzo arbeiteten die Musiker dagegen mit viel dramatischem Ausdruck und kontrastreicher Dynamik, sodass die malerische Melodie der Streicher anschwoll und in einen pathetischen Höhepunkt im Forte mündete.

Die Staatskapelle Dresden, Isabel Karajan und Christian Thielemann © Matthias Creutziger
Die Staatskapelle Dresden, Isabel Karajan und Christian Thielemann
© Matthias Creutziger
Die eher kurzen Werke des Abends boten ein abwechslungsreiches Programm, das besonders den zahlreichen jungen Zuhörern zu Gute kam. In dieser Linie bot auch das letzte Stück des Abends, Prokofjews Peter und der Wolf, neben den Intermezzi für Jung und Alt einen weiteren Höhepunkt. Prokofjew komponierte dieses musikalische Märchen, um jungem Publikum die wichtigsten Instrumente des Symphonieorchesters auf unterhaltsame Weise zu erläutern und näher zu bringen. Auch an diesem Konzertabend verfehlte es seine Wirkung nicht:

Die Kinderaugen glänzten, doch auch für das erfahrenere Publikum hielt die lebendige Erzählung, die viele wahrscheinlich auch aus Kindertagen kennen, viele Schmunzelmomente bereit. Die Schauspielerin Isabel Karajan, Tochter des Gründers der Osterfestspiele Salzburg Herbert von Karajan, übernahm dabei die Rolle der Erzählerin temperamentvoll und publikumsnah. Sie interagierte direkt mit dem Publikum, dem Dirigenten und dem Orchester; sie imitierte famos das Schnarchen des alten buckligen Großvaters und gab eine unterhaltsame Darstellung der Ente.

Witz und Freude versprühte auch das Orchester mit den so bekannten Melodien der verschiedenen Tiere. Thielemann vereinte dabei mit gewohnter Routine Orchester und Erzählung, koordinierte die ineinander greifenden Einsätze weich, sodass die verschiedenen Elemente fließend ineinander übergingen und man nicht die einzelnen Bestandteile, sondern ein magisches Ganzes wahrnahm – ein gebührender Abschluss für ein ansprechendes Konzert.