Tanzende Nussknacker, Mäuse, Prinzen, Mädchen, Jungen und Erwachsene und ein Traum vom Erwachsenensein und der Liebe – das ist das Bild, das Pjotr Tschaikowsky in seinem Ballett Der Nussknacker nachzeichnet und das bis heute Jung und Alt immer wieder zur Weihnachtszeit in seinen Bann zieht. Das russische klassische Staatsballett führte im Kongresshaus Heidelberg seine jungen und jung gebliebenen Zuschauer ausdrucksstark und in vollendeter Schönheit in die wundersame Welt der Weihnacht.

Der Nussknacker erzählt die Geschichte der kleinen Marie, die am Weihnachtsabend neben ihrer Nussknackerfigur einschläft. Das russische Staatsballett führte mit dem bunten Treiben rund um die letzten Weihnachtsvorbereitungen in die Thematik ein. Klassisch kostümierte Tänzer schmückten einen riesigen Weihnachtsbaum und brachten Geschenke; Kinder tanzten um den Baum herum.,Ihre übermütige Vorfreude wurde in ihren graziösen und raschen sautés greifbar; beeindruckend war die Beschenkung der Kinder mit Puppen dargestellt: Eindrucksvoll tanzte Stanislav Alexandrov als Nussknackerfigur seine sautés mit gestreckten Beinen und Armen, seine fouettés beinahe mechanisch. Mit den steifen und doch vollendet schönen Figuren verkörperte der Tänzer meisterhaft seine Rolle als Puppe.

Erst in Maries Traum werden die Puppen lebendig. Sie findet sich erwachsen inmitten eines Kampfes zwischen dem Nussknacker und dem Mäusekönig wieder. Bedrohlich erschienen die aufwendig kostümierten Mäuse, die mit ihren schnellen Schrittfolgen und zahlreichen Sprüngen gegen den Nussknacker in den Kampf zogen. Das Corps de Ballet als Truppe des Mäusekönigs überzeugte in dieser Szene mit einem zum aggressiven gewandelten Ausdruckscharakter. Umringt von ihrem Gefolge, kam es zu einem Pas de deux zwischen Nussknacker und Mäusekönig zu Tschaikowskys beängstigenden Blechbläserklängen. In schneller Folge wechselten sautés und Pirouetten einander in einer beeindruckenden Kampfchoreographie ab. Nach dieser turbulenten Kampfszene blieb der Nussknacker verwundet zurück, umtanzt von der ihn betrauernden Marie. Ihr gelingt die Rettung des Nussknackers, der nunmehr zum Prinz gewandelt ist: Eine neue Klangwelt von Harfe und Streicher umgaben Olga Chelpanova als Marie und Konstantin Korotov als Prinz. Ihr Pas de deux war von unvergleichlicher Schönheit und tänzerischer Präzision und die zahlreichen Hebefiguren, Arabesquen, sautés und kunstvollen fouettés wurden zu einer gegenseitigen Liebeserklärung.

Dieser Szene schloss sich der ebenfalls verzaubernde Tanz der Schneeflocken an, die in immer neuen Gruppenformationen die Dynamik fallender und schmelzender Schneeflocken darstellten. Die Reise Maries und des Prinzen durch die Märchenländer war dramaturgisch geschickt durch Gruppentänze in wechselnden Kostümierungen dargestellt. Das Verlobungsfest Maries und des Prinzen stellte mit den bekanntesten Tänzen dieses Balletts und ihrer ausgezeichneten Interpretation durch das russische Staatsballett einen besonderen Höhepunkt dar. Hervorzuheben ist hier insbesondere der Tanz der Zuckerfee, In den kleinsten Schrittfolgen fand sie mit kunstvollen fouettés ein tänzerisch ausdrucksstarkes Pendant zu der feingliedrigen Musik. Ein Paukenwirbel reißt Marie und den Prinzen jäh aus dem Traum. Das Ballett endet wie es begann im Salon mit dem Weihnachtsbaum. Marie und dem Zuschauer bleibt die Erinnerung an dieses ganz besondere Weihnachtsmärchen.

****1