Mit geballter Frauenpower eröffnete die Bayerische Staatsoper am Samstag die neue Saison. Dirigentin Keri-Lynn Wilson und Hui He als Butterfly machten die ansonsten solide Inszenierung der Madama Butterfly von Giacomo Puccini von 1973 zu einem Erlebnis. Joseph Calleja konnte daneben als Pinkerton lediglich einen blassen Eindruck hinterlassen.

Butterfly - hie: Kristine Opolais © Wilfried Hösl
Butterfly - hie: Kristine Opolais
© Wilfried Hösl

Wolf Busses Inszenierung ist schwelgerisch und nicht wirklich innovativ, aber dennoch nicht einfallslos. Viele Szenen, zum Beispiel der Auftritt der Cio-Cio-San im ersten Akt, finden fast komplett hinter der Bühne statt. Der lange Aufstieg zu Pinkertons Haus, das einen Großteil der Kulisse ausmacht, wird damit deutlich. Eine hölzerne Brücke dient im ersten Akt als Auftritt für Butterfly, ihre Bekannten und später ihrem Onkel. Im zweiten Teil ist dann das Innere des Hauses zu sehen. Gleichfalls wie der Auftritt der Butterfly kommt auch der berühmte „Choro a bocca chiusa“ aus dem Off, und so beinhaltet diese Inszenierung einige mysteriöse Momente, die Wilson in der Musik aufmerksam übernahm.

Nach anfänglichen kleinen Wacklern entwickelte das Bayerische Staatsorchester den für Puccini notwendigen opulenten Klang – besonders in den Blechbläsern. Dabei baute Wilson aber keine erdrückende Wand auf, sondern ein flexibles Klangbild, das bei Bedarf mit ebenso feinem Piano glänzte. Neben dem vollen Klang schaffte es Wilson auch, die wenigen wirklich fröhlichen Passagen des ersten Aktes wie die Hochzeit federleicht darzubieten. Mit großer Geschlossenheit in den Streichern und den Bläsern hielt Wilson guten Kontakt mit der Bühne, wodurch die Passagen mit den Solisten und dem Chor genau abgestimmt waren. Leider geriet das Orchester an einigen Stellen etwas zu laut, worunter besonders Joseph Calleja litt.

Calleja konnte seinem klaren, jugendlichen Timbre den Lebemann Pinkerton nicht wirklich überzeugend verkörpern. Das lag zwar mehr an seinem mechanischen Schauspiel als an seiner Stimme, dennoch trugen seine etwas kehligen und bisweilen etwas dünnen Spitzentöne nicht zur vollkommenen Überzeugung bei. Im mittleren Register lagen ihm die lyrischen Momente deutlich besser. Diese konnte er auch zusammen mit Bariton Levente Molnár als Konsul Sharpless ausspielen, die sich stimmlich sehr gut mischten. Molnár selbst gab den Sharpless als vornehmen Staatsmann, der die Katastrophe der Cio-Cio-San aber schlussendlich auch nicht aufhalten möchte. Mit strahlendem, bei Bedarf weichem Timbre und Flexibilität in der Stimme füllte er die Rolle mühelos aus.Den dämonischen Auftritt des Onkels Bonzo meisterte Peter Lobert grandios; nicht nur wegen seiner riesenhaften Gestalt und seines eindrucksvollen Schauspiels, sondern auch wegen seines dunklen, unerbittlichen Ausdrucks.

Den Löwenanteil an der gelungenen Vorstellung trug allerdings Hui He als Cio-Cio-San. Der Chinesin gelang den Spagat von der naiven, aber glücklichen Butterfly zur verzweifelt Wartenden perfekt. Dabei bot sie das „Rundumpaket“ von intensiver Schauspielleistung und exzellentem Gesang. Ihr volles Timbre im tiefen Register behielt sie selbst in ihren Spitzentönen bei, wobei He das Schicksal der Butterfly mit einer scheinbar unendlichen Bandbreite an Klangfarben ausgestaltete. Während sie in der Paradearie „Un bel di vedremo“ einen mutigen, allerdings auch fragenden Ton anschlug, kam in der abschließenden Arie, kurz vor Butterflys Selbstmord, die ganze Verzweiflung zum Vorschein.

Die treue Suzuki spielt Okka von der Damerau, die mit He sehr gut harmonierte. Ihr klares Timbre passt zu dem Hes, und die Mezzosopranistin beeindruckte auch in ihren Solopassagen mit intensivem Ausdruck. Sie war der ruhende Pol, der erst zum Schluss die Fassung über die Neuigkeit, dass Pinkerton eine Amerikanerin geheiratet hat, verlor.

Mit dieser Butterfly hat sich die Staatsoper auf sicherem Terrain bewegt und dank Hui He als Butterfly und Keri-Lynn Wilsons Dirigat einen unterhaltsamen Abend geboten. 

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