Es ist der dritte Abend des großen Beethoven Zyklus. Rudolf Buchbinder spielt weitere fünf der 32 Beethoven-Sonaten im Großen Saal der Stiftung Mozarteum.

Rudolf Buchbinder © Silvia Lelli
Rudolf Buchbinder
© Silvia Lelli

Mit kräftigem Anschlag und leichten Trillern beginnt Buchbinder den Abend am Steinway-Flügel mit dem Allegro con brio der Sonate Nr. 3. Die Tatsache, dass dies nur eine von insgesamt 32 Sonaten ist, welche der Pianist an sieben Abenden bei den Salzburger Festspielen vorträgt, gerät zunächst weit in den Hintergrund. Rudolf Buchbinder widmet sich der Interpretation jedes einzelnen Satzes mit derartiger Hingabe, als ginge es an diesem Abend ausschließlich um das Einzelne. Dabei ist es nicht dass erste Mal, dass er diesen Zyklus aufführt.

Buchbinder gehört zu den bedeutendsten Interpreten unserer Zeit und Beethoven liegt ihm ganz besonders am Herzen. Auch privat befasst er sich mit Quellenforschung und historischen Partituren. Das spiegelt sich in seinem Vortrag wieder, der neben höchster Technik und präziser Ausführung geprägt ist vom Spiel mit der Dramaturgie. Mal setzt der Pianist stark auf die Ausdruckskraft von Dynamik und Tempo, dann wieder verlegt er den Fokus auf die kleinen Feinheiten und Verzierungen, mit denen die Beethoven-Sonaten so zahlreich geschmückt sind. Mit seiner Interpretation der Es-Dur Sonate, die den Beinamen „Les Adieux“ trägt, zeichnet Buchbinder das Bild eines melancholischen Beethovens, der diese Sonate seinem Kompositionsschüler und Mäzenen Erzherzog Rudolf widmete, und die Worte „Lebe wohl“ sogar explizit in die Noten eintrug. Bewusst nimmt sich Buchbinder Zeit, um die erste drei Töne des Adagios beim Publikum wirken zu lassen, geht dafür bei den Sechzentelketten umso stärker ins Tempo und erweckt damit einmal mehr den Eindruck des von Emotionen gedrängten Komponisten. Die Ausdruckskraft der Geschwindigkeit macht sich Buchbinder auch im Presto der Sonate Nr. 7 zu Nutze, in der er die Läufe ganz leicht und scheinbar ohne Anstrengung erklingen lässt.

Für seinen Beethoven-Marathon hat Rudolf Buchbinder beabsichtigt keine chronologische Abfolge der Sonaten gewählt, vielmehr geht es um deren Zusammenpassen. Das bedeutet an diesem Abend eine abwechslungsreiche Mischung aus heiteren Dur-Sätzen bis hin zu sehr nachdenklichen Werken. Die Sprünge zwischen den Stimmungen funktionieren sehr harmonisch und das Publikum folgt aufmerksam. Auch wenn dies nicht die erste zyklische Aufführung der Beethoven-Sonaten ist, so hat sich Buchbinder wieder auf ein Neues mit den Werken auseinander gesetzt. Jeglicher Gedanke an die Sonate als eine in das Korsett der für die Klassik so typischen Hauptsatzform gezwängte Erscheinung geht verloren. Viel mehr avancieren die einzelnen Sätze zu persönlichen Erzählungen mit eigenständiger Dramaturgie.

Das Publikum im Großen Saal feiert Buchbinder nach dieser Darbietung schon fast frenetisch. Immer wieder kehr der Pianist zurück an den Flügel, um sich sichtlich erleichtert zu verbeugen. Wie die beiden voran gegangenen Abende ist auch dieser eine erfolgreiche Etappe auf der Beethovenschen Marathonstrecke, vier sollen noch folgen. Dies dürfte Rudolf Buchbinder jedoch nicht einschüchtern. Die Tatsache, dass das Publikum nicht eher ruht, bis der Pianist auch noch eine zweite Zugabe gegeben hat, spricht ihre eigene Sprache. Nach diesem Konzertabend kann man gespannt sein, welche Geschichten Buchbinder den Salzburgern als nächstes auf dem Flügel erzählen wird.

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