Mit dem Orchesterkonzert am Pfingstsamstag gelang den Pfingstfestspielen, nach dem großen Erfolg mit Ariodante am Abend zuvor, ein programmatischer Coup, der musikalisch überaus überzeugend war.

Sir Antonio Pappano und sein Orchestra dell'Accademia Nazionale di Santa Cecilia © Marco Borrelli
Sir Antonio Pappano und sein Orchestra dell'Accademia Nazionale di Santa Cecilia
© Marco Borrelli
Das Programm enthielt eine Reihe von Stücken, die thematisch zum Motto dieses Jahres passte: Schottland. Neben Mendelssohns Hebriden-Ouvertüre, die das Konzert eröffnete, kam auch seine berühmte dritte Symphonie mit dem passenden Beinamen "Schottische" zu Gehör. Die beiden Werke umrahmten ein Opernprogramm, das auch aus dem Holländermonolog von  Richard Wagner (aus der Urfassung des Fliegenden Holländers) und Szenen aus Verdis Macbeth bestand. Macbeth steht selbstverständlich mit dem Motto Schottland in Verbindung, ist das schaurige Drama von Shakespeare doch geradezu ein Nationaldenkmal, doch die Verbindung des Fliegenden Holländers zu Schottland hat womöglich aber den einen oder anderen Zuschauer verblüfft. Hier ist der Zusatz der Urfassung entscheidend, da sich die Handlung in dieser Version noch in Schottland und nicht, wie in der späteren und verbreiteteren Fassung, in Norwegen. Somit wurde tatsächlich ein großer Bogen vom ersten bis zum letzten Werk des Abends gespannt, der definitiv zu überzeugen wusste.

Antonio Pappano ist nicht umsonst einer der gefragtesten Dirigenten unserer Zeit und hat sich als Musikdirektor an der Londoner Royal Opera Covent Garden als herausragender Musikvermittler herausgestellt. Wenige Dirigenten zeigen eine solch intensive musikalische Begabung und haben einen derartigen Sinn für Phrasierung. Pappano dirigiert die Musik nicht nur, er lebt sie, ja jede einzelne Note. Sein teils aggressiver, teils sanftmütiger Dirigierstil erinnert an die großen Dirigentenmeister der Vergangenheit und verzaubert alleine optisch schon.

In Verbindung mit seinem römischen Orchester gelingt Pappano so ein musikalisch äußerst spannendes Konzert. Das italienische Ensemble besticht durch einen klaren sauberen Klang, der aber gleichzeitig auch voller Leben und beseeltem Klang steckt. Besonders bei den Verdi-Szenen merkt man, dass das Orchestra dell'Accademia Nazionale di Santa Cecilia wahrlich ein Spitzenorchester ist, das einer Partitur Seele einhauchen kann.

Sir Bryn Terfel und Tatiana Serjan © Marco Borrelli
Sir Bryn Terfel und Tatiana Serjan
© Marco Borrelli

Schon mit der eröffnenden Hebriden-Ouvertüre zeichnen sie die wilde und doch bezaubernde Landschaft Schottlands musikalisch nach und entführen das Publikum an die raue Nordsee. Der Sturm, der hier bereits zu toben beginnt, findet im Monolog des Holländers seine Fortsetzung. Starbariton Bryn Terfel ist eine Luxusbesetzung, wie man sie in Salzburg auch erwarten würde. Mit wohlklingender, viriler Stimme klagt er sein Leid und besticht mit vorbildlicher Wortdeutlichkeit und seinem einzigartig dunklem Timbre. Mit der Arie des Macbeth später im Programm kann Terfel diese dramatische Ausstrahlung kaum noch toppen.

Tatiana Serjan bildete den Kontrast zu Terfels Gesang und begeisterte das Publikum mit den berühmten Soloszenen der Lady Macbeth, eine Rolle, die sie in Salzburg unter Riccardo Muti bereits vor Jahren gesungen hat und auch an allen anderen großen Häusern Europas. Sie meistert die schwierigen Koloraturen und expressiven Linien der Lady ohne Probleme, wenngleich man hört, dass sie diese Rolle schon eine Zeit lang im Repertoire hat.

Die zweite Hälfte des Konzertes war zwar in Puncto Spannung etwas schwächer, jedoch überzeugte hier wieder das Orchester mit einer Eleganz und Finesse im Klang, dass besonders die beiden mittleren Sätze der „Schottischen“ Symphonie von Mendelssohn zu einem Ohrenschmaus wurden.

Mit einem überaus schwungvollem letzten Satz beendete das Ensemble schließlich den offiziellen Teil des Programms. Jedoch ließen Pappano und das Orchester es sich nicht nehmen, auch eine Zugabe mit nach Salzburg zu bringen und so bekam das Publikum als Schluss die Hexen von Macbeth musikalisch in Form des Ballabile III aus Verdis Oper serviert.

Einmal mehr ein grandioses Highlight aus Salzburg, wo Cecilia Bartoli das Publikum mit exzellenten Musikern aus aller Welt verwöhnt.