Was macht einen guten Sänger aus? Natürlich die Stimme, perfekte Technik und eine große Variabilität, in die unterschiedlichsten Rollen zu schlüpfen. Thomas Hampson zeigte sich geradezu als Paradebeispiel mit dem einem Streifzug durch knapp drei Jahrhunderte Musikgeschichte, von Klassik bis Jazz, von großer französischer Oper bis Broadway und Operette. Unterstützt wurde er dabei vom Mozarteumorchester Salzburg unter der Leitung von Pavel Baleff.

Thomas Hampson © Dario Acosta
Thomas Hampson
© Dario Acosta

­Ein stilistisch so unterschiedliches Programm, sollte man meinen, verlangt Sänger und Orchester einiges ab, doch weder Hampson noch das Mozarteumorchester hatten Schwierigkeiten, sich ein ums andere Mal auf einen neuen Stil einzustellen. Es schien, als wäre es ein Leichtes, dramatische Oper und leichte Operette sowie jazzige Broadway-Hits an einem Abend aufzuführen. Während Baleff Mozarts Ouvertüre zu Così fan tutte, die den Abend eröffnete, mit der nötigen Spitzigkeit und einem flotten Tempo versah, brachte er bei der Ballettmusik zu VerdiMacbeth und der Ouvertüre zu Ernani vor allem deren Dramatik zum Ausdruck. Dass sie auch anders können, zeigten besonders die Solisten an Saxophon und Trompete, die dem typischen Big Band-Sound von Bernsteins Time Square eine  individuelle, differenzierte Farbe verliehen, nachdem die Klarinette mit einem herrlich swingenden Solo von der Operette zum Broadway übergeleitet hatte. Die dadurch vorgegebene Stimmung nahmen schließlich die gesamten Bläser und auch die Perkussionisten auf und überzeugten mit einer präzisen Phrasierung und prägnanten Rhythmen.

Mit exakt abgestimmter Intonation und Phrasierung überzeugte das Mozarteumorchester genauso wie mit dem flexiblen Wechsel zwischen den verschiedenen Klangfarben, deutete mit musikalischen Einwürfen die Stimmungen der Arien voraus und schafften so einen grandiosen Rahmen für das weitgespannte Programm und einen beeindruckenden Thomas Hampson. Der Amerikaner, der gut artikuliert und textverständlich auf Italienisch, Französisch, Deutsch und seiner Muttersprache Englisch sang, bot große Dramatik in den Arien von Massenet und Verdi mit messerscharfen Konsonanten und dunklem, bedrohlichem Timbre, beeindruckte im Gegensatz dazu mit einem weichen Legato vor allem im französischen Teil des Abends, und wechselte mühelos zu amerikanischen Broadway-Liebesliedern von Cole Porter . In diesen, auf den ersten Blick leichter erscheinenden Stücken jedoch zeigte Hampson seine ungeheure Spannweite zwischen sehnendem Forte und zartem Piano. Wie gut in diesen jazzigen Liedern seine natürliche Stimmfarbe zum Ausdruck kam, zeigte „Begin the Beguine“, das er mit einem beeindruckend weichen Falsett beendete und damit den Abend abschloss.

Hampsons gesangliche Darbietung allein hätte den Abend schon zu etwas Besonderem gemacht, dennoch müssen vor allem auch seine schauspielerischen Qualitäten erwähnt werden, die er gleich zu Beginn des Konzertes unter Beweis stellte: In „Rivolgete a lui lo sguardo“ nahm er sich selber auf den Arm, indem er den Triller, der die Nachtigall beschämen wird (Facciam torto all’usignuolo), wie einen Motor abwürgte. Später sang er mal locker am Dirigentenpult angelehnt, ertrug als Danilo alle Last der Welt, grüßte vermeintlich bekannte Grisetten im Publikum, tanzte dazu Walzer oder feuerte das Orchester zu musikalischen Höhepunkten an. Das war auch Zeugnis einer überaus beeindruckenden Kommunikation zwischen Solisten und Orchester, das auch spontane Tempovariationen Hampsons mühelos übernahm.

Es war ein rundum gelungener Abend, an dem ein blendend aufgelegter Thomas Hampson mit einem Programm beeindruckte, das grandios unterhielt und bewies, dass große Klassik sich durchaus mit anspruchsvoller Unterhaltungsmusik verträgt .